Mittwoch, 01.09.2021 | Ekincik

Der Tag fängt ruhig und gemütlich an, wir machen genau so weiter, wie wir gestern aufgehört haben. Schwimmen, Musik hören, lesen – einfach schön. Die Zeit vergeht wie im Flug. Nane checkt das Wetter, für Donnerstag ist heftig Wind angesagt, aber hier sind max. 15 Knoten bis morgen gegen Mittag angesagt, da wollen wir ja schon an der Mole sein.

Gegen Abend ist jeder Platz an der Mole belegt und wir hoffen, dass morgen früh einige wieder frei sind, zumindest einer für uns. *Grins* Wir schwimmen noch mal bevor die Sonne untergeht, hören unser Hörbuch zu Ende, gönnen uns nochmal einen Salat und chillen unterm Sternenhimmel. Gegen 23 Uhr gehen wir in die Koje. Gute Nacht – so war zumindest der Plan.

Gegen 01:30 Uhr wachen wir auf, der Wind pfeift und unser Ankeralarm macht Lärm. Wir checken die Lage, der Wind ist ablandig aus nördlicher Richtung und hat uns weiter weg vom Strand geweht – passt eigentlich alles, denn unser Anker liegt für diesen Wind genau richtig. Wir legen das Dinghi, dass wir hochkant gestellt hatten, um in der Kabine Luft zu bekommen wieder flach hin und verzurren es sicher. Nane holt die Handtücher rein und wir machen den Sonnenschutz zwischen Bimini und Sprayhood weg, zu sehr reißt der Wind an dem neuen Teil. Danach sind wir wach. Erst mal was trinken und die Lage sondieren. Wir sehen Lichter in der Bucht, ein Kajütboot fährt auf uns zu und ankert Richtung Mole, ein großer Segler wirft in der Bucht den Anker und dann kommt noch ein Katamaran. Alle waren vorher in der windoffenen Bucht mit Landleine neben der My Marina gelegen und verholen sich in die Mitte der Bucht. Unser Anker hält, auch wenn das Boot versetzt wurde, die letzten beiden Tage hatten wir auflandigen Wind. Wir pendeln wie an einem Uhrwerk und je nach Böe auch mit richtig Geschwindigkeit – Karussellfahren inklusive. Dirk fragt sich, wer dieses Jahr „Abenteuer-Urlaub“ bei der Buchung angekreuzt hat, er nicht. Nane beteuert, sie war es auch nicht und der, der immer Lust auf Abenteuer hat, kommt erst am Freitag.

Was soll’s wir liegen an Deck und Nane checkt die Anker-App – nie war sie so happy, diese App auf dem Handy zu haben. Man sieht die Schiffsbewegungen, aber es geht nur hin und her um den Anker, wir driften nicht, also beschließt Dirk wieder schlafen zu gehen. Der Wind, der in Böen 26- 30 Knoten hatte, lässt etwas nach. Und wenn wir uns losreißen, wird die App schon Lärm machen. Wir überlegen noch, was dann zu tun wäre. Der Anker müsste unten bleiben, bis er wieder reißt, die 20 Meter Tiefe auf Sand, gehen recht weit in die Bucht rein.

Gegen 6 Uhr morgens fängt es an zu dämmern, die Sonne geht auf und der Wind ist wieder da. Wir gehen an Deck und stellen fest, dass es zwar nicht angenehm ist, aber sicher – immerhin. Wir haben an der Mole einen Platz ab ca. 11 Uhr reserviert (Danke Inci!!) und hoffen aber früher reinzukommen, wenn die ersten Yachten rausfahren.  Viel Platz für fremde Schiffe, hat es nicht, max. 5-7 Boote können neben den einheimischen Ausflugsbooten Platz finden, darum ist es wichtig zu reservieren.  Plan B wäre die My Marina, die heute aber bestimmt auch gut gebucht ist, denn die Bucht von Ekincik bekommt laut Wettervorhersage weniger Wind als die Bucht von Marmaris. Wir machen zumindest alles klar zum Anlegen. Die Achterleinen und Fender sind genauso bereit, wie wir auch, um an der Mole anzulegen.

Dirk schreibt Alathin eine WhatsApp, dass wir ready sind und gegen 9.45 Uhr bekommen wir die Antwort, dass wir kommen können – Gott sei Dank, denn zwischen 9.00 Uhr und 11 Uhr soll es hier ein wenig abflauen. Nane macht den Anker, lässt ihn schon bei der Einfahrt auf Wassertiefe fallen, Dirk sagt 15 Meter an. In der Höhe der Mole lässt Nane die Kette laufen, stoppt kurz und checkt, ob der Anker reißt – ja das tut er und lässt die Kette weiter laufen. Wir liegen an der Mole – give me five – auch der Skipper scheint zufrieden zu sein. Wasser und Strom gibt es und wenn man im Hotel-Restaurant essen geht, muss man auch die 150 Lira nicht bezahlen – perfekt. Wir wolle sowieso frühstücken gehen. Die Pinienwälder hier sind Gott sei Dank von den Waldbränden verschont geblieben und so laufen wir zwischen Waldrand und Strand Richtung Hotel. „Ikitane Kahvalti lütfen“ und wir bekommen zwei türkische Frühstück serviert – die haben wir uns auch verdient. Auf dem Rückweg beschließt Nane klar Schiff zu machen und die Andiamo nachher noch abzuspritzen, Dirk will erst mal eine Runde schlafen – das Manko von heute Nacht ausgleichen. Nane spült, trocknet ab, füllt den Kühlschrank auf, während Dirk den Müll wegbringt und sich dann schlafen legt – Zeit den Blog zu schreiben.

Gegen Mittag bekommen wir eine WhatsApp vom Eigner der Pura Vida, sie liegen in der Bucht vor Anker. Wir verabreden uns zum Abendessen im Inceler-Restaurant. Wir gehen am Nachmittag noch mal vor zum Strand, um zu baden. Die Duschen an der Mole sind klasse, toller Wasserdruck und auch heißes Wasser, dass müssen wir uns für unsere Pfingsttörns merken, da kann eine heiße Dusche am Abend sehr angenehm sein.

Wir haben viele Gemeinsamkeiten, was das Revier und das Segeln angeht. Vielleicht wird da ja mehr draus.

Dienstag, 31.08.2021 | Ekincik Koyu

Wir genießen das süße Nichtstun. Nach der Anstrengung von gestern, schlafen wir aus und gönnen uns erst mal einen Kaffee an Deck. Dirk ist begeistert von den Solarpanels, für die Kühlschränke vor Anker reicht die Leistung aus, das passt zu unseren Plänen.

Wir schwimmen, lesen, hören Musik und wenn wir fertig sind, fangen wir vorne wieder an – herrlich. Unser Anker ist nach wie vor fest im Sand eingegraben und die Schiffsbewegungen in der Nacht werden durch Nanes  AnkerApp überwacht und aufgezeichnet – alles im grünen Bereich.  Als erfrischenden Snack zwischendurch gönnen wir uns einen Obstsalat mit Joghurt und Honig, genießen das leichte Schaukeln der Andiamo und hören Musik. Wir tauschen uns zwischendurch mit der Crew der Loreley aus und beobachten Ankersalat an der Mole. Am Strand ist sehr wenig los, die Gäste sind in diesem Sommer ausgeblieben, die Waldbrände haben zu vielen Stornierungen geführt. Hier in der Bucht sind die Hänge Gott sei Dank noch grün und die Pinien nicht betroffen, wir drücken die Daumen, dass das so bleibt.

Zum Abendessen entscheiden wir uns für Pasta mit Tomaten-Schafskäse-Soße à la Jürgen. Dirk findet, dass Nane sehr nah an die Vorlage vom Eigner der Sundowner herangekommen ist, sprich es ist lecker. Am Abend wechseln wir von Musik zu einem Thriller als Hörbuch und lauschen gespannt, während wir den Sternenhimmel genießen.  Ein entspannter Tag geht zu Ende – herrlich.

Montag, 20.08.2021 | Sarsala – Asi Koyu – Ekincik | 35,93 nm

So einen Montagmorgen könnte es öfter geben, strahlender Sonnenschein, ein Kaffee an Deck und gleich nach dem Frühstück eine Runde schwimmen. Wir schnacken noch mit Sven und seiner Freundin im Wasser und tauschen uns über Neuigkeiten hier im Revier aus. So gegen 11.30 Uhr wollen wir ablegen und fahren gemütlich unter Motor zwischen der Insel Domuz Adasi und dem Festland in den Golf von Fethiye. Es sind 15 Knoten Wind angesagt und Nane plant Asi Koyu als Zwischenstopp Richtung Ekincik einzulegen – 20 Seemeilen. Wir lassen es gemütlich angehen, setzen erst mal nur unsere große Genua und kreuzen aus der Bucht von Fethiye, haben 6 Knoten Fahrt und sind ganz happy. Der Chartnavigator schreibt nicht mit und wir scannen die Ports neu, dass die GPS-Maus wieder erkant wird – jetzt passt es. Zwischen der kleinen Insel Peksimet Adasi und dem Festland haben wir zunehmend mit hohen Wellen zu kämpfen, die es schwer machen den Kurs konstant zu halten. Wir beschließen auch das Groß zu setzen und segeln hart am Wind Richtung Asi Koyu. Nane schafft es die mittlerweile 25 Knoten scheinbaren Wind zu nutzen, um die Einfahrt von Disibilmez Koyu ohne weitere Wende zu erreichen. Um 16.30 Uhr kommen wir in die Bucht, in der hinten Asi Koyu liegt. Wir holen bei Wellen von 3 Metern die Segel ein – ein anstrengendes Unterfangen zu zweit.  Die Bedingungen in der Bucht sind leider nicht so geschützt, dass wir in Asi Koyu am Schwimmsteg anlegen können. Es liegt auch kein anderes Boot hier, so dass wir beschließen, noch 10 Seemeilen zu machen und in die Bucht von Ekincik zu fahren. Unter Motor kommen wir gegen die Welle trotz hoher Drehzahl kaum um das Kap von Disidilmez Borun – wir bewegen uns in Zeitlupe mit 2,5 Knoten über Grund. Um das Kap herum kommen die Wellen seitlich, was sehr unangenehm ist, dafür haben wir wieder 5-6 Knoten Fahrt. ETA 19.30 Uhr. Erst auf der Höhe des Daylan Gebiets nehmen die Wellen ab und der Wind wird erst in der Bucht von Ekincik weniger. Es ist kurz nach 19 Uhr als wir den Anker auf 20 Meter Tiefe vor dem Strand schmeißen, 70 Meter Kette geben, den Anker mit 2200 Umdrehungen im Rückwärtsgang einfahren und endlich so etwas wie Erleichterung spüren, einen sicheren Platz für die Nacht zu haben.  Als wir unseren Kurs anschauen, sehen wir, dass wir heute ein W ins Meer geschrieben haben. Ein Dankeschön an Wolfi, der uns zum Flughafen gefahren hat?

Nane aktiviert die Ankerüberwachung in ihrer App und macht erst mal einen Coban Salat ohne Brot, denn wir hatten die Ankernacht ja nicht geplant – auch nicht schlimm, Hauptsache angekommen. Wir chillen bei Klaviermusik im Cockpit und genießen den Sternenhimmel. Es bleibt ruhig, ein leichter Schwell lässt das Boot, wenn es parallel zum Strand steht schaukeln, aber das wiegt uns nach dem heutigen Tag besser in den Schlaf. Dirk schreibt Claudi von der Loreley, dass wir ihr Erlebnis vom Vortag heute genauso auch hatten, sie schreibt zurück, dass sie immer noch in der My Marina sind und heute lieber einen Ausflug nach Daylan zu den Schildkröten gemacht haben, als noch mal gegenan zu kämpfen.

Gegen 23 Uhr verkrümeln wir uns in die Koje, dass wir heute gut schlafen ist sicher gestellt, denn es war doch anstrengend. Nane hat rote Handflächen vom Steuern – aber auch solche Tage sind mal drin.