Dienstag, 08.09.2020 | Hayit Bükü – Kuruca Bükü | 18,89 nm

Die Nacht war verhältnismäßig ruhig, wir trinken erst mal einen Kaffee. Nane geht in den kleinen Market und kauft Brot und Simit. Obst gibt es nicht und auch keinen Salat oder Gemüse – schade. Wir werden mit dem Ort und den Gegebenheiten hier nicht warm. Wir wollen heute wohin, wo es schön ist. Eine Bucht wäre gut. Also planen wir nochmal die Armak Bükü ein.

Gegen 10:30 Uhr legen wir ab. Wir wollen weg, Hayit Bükü hat unser Herz nicht zurückerobern können. Es weht kein bisschen Wind, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.  Um 13 Uhr versuchen wir unser Glück, aber der achterliche Wind aus West reicht gerade mal für 2,5 Knoten Fahrt, das macht nicht so viel Sinn, nach 30 Minuten lassen wir wieder den Motor an. In der Zwischenzeit haben wir in den Revierführern gestöbert. Es gibt eine gut geschützte große Bucht Kuruca Bükü, die wir uns ansehen wollen. Sie liegt noch vor Armak Bükü. Um 14 Uhr steuern wir die Bucht an und schauen uns die Gegebenheiten an. Im Nordwesten kann man frei schwojend ankern, hier liegen aber schon etliche Yachten und im Südwesten vor einer Landzunge liegen mit Landleine eine Gullet und ein paar Yachten.  Wir suchen uns ein Plätzchen zwischen Gullet und Katamaran aus und lassen Micha ins Wasser für die Landleine. Der Grund ist tief und steigt zum Ufer hin steil an, wir brauchen also viel Landleine. Der erste Versuch läuft nicht optimal, wir lassen Micha an Land mitsamt der Leinen und versuchen es erneut. Dirk am Anker, Nane am Steuer. Der Anker hält 2700 Umdrehungen stand und wir fixieren die Landleine und legen sicherheitshalber noch eine aus. Der Skipper ist erst zufrieden als er den Anker abtaucht und feststellt, dass er sich super eingegraben hat.

Nane macht Bruscetta als Anleger und Micha kocht Kaffee. Das Wasser ist herrlich, die Grillen zirpen im Pinienwald, nur die russische Nachbar-Crew ist sehr laut. Das Klischee ist wieder mal erfüllt. Gegen später gibt es Backofengemüse und Schafskäse aus dem Ofen und wir genießen einen sternenklaren Himmel. Micha sieht eine Sternschnuppe und darf sich was wünschen. Der Nachthimmel ist fantastisch. Wir schauen so lange in die Sterne, bis uns die Augen zufallen.

Montag 07.09.2020 | Kargi Koyu – Hayit Bükü | 15,57 nm

Happy Birthday Micha – wir stoßen mit unseren Kaffeetassen an. Heute vor 15 Jahren hat uns Skipper Jochen gesagt, dass Micha Geburtstag hat. Dirk hat den Pfannkuchen zum Frühstück mit einer 43 aus Bananen verziert – jetzt könnt Ihr Euch ausrechnen, wie alt Micha heute geworden ist.  Selbstverständlich gibt es auch heute Pfannkuchen zum Frühstück, nur ohne numerische Deko. Wir genießen das Frühstück und gehen erst mal eine Runde schwimmen. Noch ist kein Wind da, wir haben Zeit. Wir wollen heute Ha 7yit Bükü austesten, nachdem Jürgen so begeistert von dem neuen Steg gesprochen hat. Es kommt etwas Wind auf und wir setzen das Groß und die Genua. Mit fast Knoten kommen wir gut voran und segeln am Wind in Richtung Symi. Um das Kap Ince Burun müssen wir kreuzen. Der Wind frischt auf und wir haben über 8 Knoten Fahrt, ganz ohne Welle – perfekt. Als wir in Hayit Bükü einlaufen hat Nane ein M ins Meer gesegelt. Selbstverständlich geplant zum Ehren von Michas Geburtstag.

Wir holen die Segel vor der Bucht ein und sehen gleich nach dem großen Felsen die Mole, die recht offen ist. Der Hafenmeister weist uns ein. Wir sollen zusätzlich zur Muring den Anker werfen, der aber nicht hält. Wir machen erst mal mit der Muring fest. Begeistert sind wir nicht von dem Liegeplatz – die Felsen sind für unseren Geschmack zu nah am Ruderblatt. Dirk geht ins Wasser, um die Situation zu checken und stellt fest, dass unser Anker in der Muringkette hängt. Mit einer Leine durch die Ankerkette und runter gelassener Kette zieht  Dirk den Anker schwimmend unter der Muring-Kette vor – das sieht ganz schön anstrengend aus und wir sind beeindruckt . Es funktioniert aber einwandfrei.  In den Felsen der Mole sehen Micha und Dirk einen Fisch mit lauter Stacheln – als wir den Fisch googeln, müssen wir lesen, dass es sich um den roten Feuerfisch handelt, der aus dem Pazifik im Mittelmeer gelandet ist und wegen seiner giftigen Stacheln sehr gefährlich ist und man sich von ihm fern halten soll. Super er findet es direkt unter unserer Badeleiter in den Felsen gemütlich – das mit dem Schwimmen hat sich hier also erledigt. Nach uns kommt noch eine Yacht von GMM rein, die von Selimiye hoch gesegelt ist. Zum Kaffee gibt es die restlichen Pfannkuchen mit Nektarinen und wir sind uns einig, dass der Platz an der Mole hier nicht wirklich schön ist – ein Wiedersehen ist unwahrscheinlich. Abends gehen wir bei Ögün duschen und anschließend zum Essen. Dass Essen ist lecker, es gibt auch Pide aus dem Holzofen. Ögün erzählt von seinem Kampf hier wieder Anlegemöglichkeiten für Segler zu schaffen – der Vergleich mit Don Quichotte kommt uns in den Sinn. Gegen 23 Uhr gehen wir zurück an Bord, gönnen uns noch ein Dondurma auf dem Rückweg und gehen ins Bett.

Sonntag 06.09.2020 | Palamut – Kargi Koyu | 11,39 nm

Wir wachen auf und wollen vor dem verabredeten Frühstück noch mal baden gehen. Das Wasser ist herrlich. Dirk versucht mit wenig Wasserdruck den Sand von der Andiamo zu spülen, mit mäßigem Erfolg. Um 9 Uhr gehen wir ins Berrak-Café zum Frühstück und freuen uns, dass wir diese Tradition fortsetzen können, auch wenn wir das Frühstück nicht gemeinsam im Adamik zubereiten können. Mit Esin und Salih zu quatschen macht Spaß. Salih und Esin sind großartige Gesprächspartner. Nane entdeckt Basilikum in einem riesen Topf und fragt, ob sie davon etwas mitnehmen darf. Sie bekommt eine ganze Tüte voll. Heute soll es Limon-Pasta geben, die ohne Basilikum nur halb so gut schmeckt. Nach dem ausgedehnten Frühstück gehen wir gemeinsam auf den Markt und kaufen Obst und Gemüse ein. Zurück an Bord wird alles verstaut und der Abschied naht. Ohne Umarmung müssen wir Good Bye sagen, aber sicher ist sicher. Familie Uslu geht jetzt noch ins Dorf, um die Eltern zu besuchen.
Gegen 12 Uhr legen wir ab und nehmen Kurs auf das Kap von Ince Burun. Ab dem Kap können wir die Genua setzen und segeln mit achterlichem Wind Richtung Kargi Koyu.
Um 15 Uhr kommen wir in die Bucht, schauen uns die Lage an. Wir ankern auf 8 Meter Tiefe im Norden der Bucht auf Sand und fahren den Anker gut ein. Wir haben etwas Schwell, aber der ist gut auszuhalten. Wir schwimmen, trinken Kaffee und am Abend gibt es nach Andreas Rezept die Limon-Parmesan-Basilikum Pasta, die wir alle lieben und die zum Standard auf jedem Törn geworden ist.  Wir quatschen, schauen in die Sterne und genießen den Abend.