Freitag, 18.09.2020 | Marmaris

Wir sind kurz vor halb acht schon auf den Beinen. Micha kocht einen Kaffee, wir gehen duschen. Wir wollen rechtzeitig am AHU Krankenhaus sein, ab 9.00 Uhr kann man sich dort auf Covid testen lassen. Als wir um 8.45 Uhr mit dem Taxi dort sind, warten schon einige vor der Tür. Wir müssen unsere Pässe abgeben und warten. Nach ca. 15 Minuten bekommen wir Zettel, die wir ausfüllen müssen, mit unseren Kontaktdaten und unserer Heimatadresse. Dann werden wir für den Test aufgerufen. Einzeln müssen wir in eine Box, in der wir von einem Arzt von außen über Handschuhe ein Wattestäbchen in Rachen und jedes Nasenloch steckt. Beides ist nicht angenehm. Im Rachen bekommt man einen leichten Würgereiz und in der Nase hat man das Gefühl, das Stäbchen geht bis ins Hirn. Micha meint, er hätte sich nie träumen lassen, dass er so was mal machen muss. Um 19 Uhr können wir die Ergebnisse abholen.

Wir fahren mit den Taxi zurück und gehen erst mal im Pineapple Restaurant in der Marina frühstücken. Danach Richtung Bazaar, um Tücher zu schoppen und Gewürze. Nane entdeckt sogar den NaneLimon-Tee, der bei Erkältungen super hilft. Bei unserem Lieblingsladen Silvermoon sitzen wir erst mal mit Hüsniye zusammen und trinken türkischen Kaffee und unterhalten uns über dieses verrückte Jahr 2020. Wir kaufen Tücher, Badetücher und kleine Kaffeekännchen als Mitbringsel und quatschen. Langsam wird es heiß und wir gehen zurück Richtung Marina, um zu packen.

An Bord ist es warm. Dirk will die Technik verpacken, also ist das unser letzter Eintrag für diesen Törn, der Rest folgt zu Hause.

Donnerstag, 17.09.2020 | Ciftlik – Marmaris | 12,52 nm

Die Nacht war furchtbar, wie zu erwarten. Micha hat sogar in seiner Kabine geschlafen, aber der Lärm der Nachbarn ist trotzdem in jede Ritze der Andiamo vorgedrungen. Wir fühlen uns wie gerädert. Auch der Kaffee hilft nicht wirklich. Micha geht mal schwimmen und fühlt sich besser. Spannend, dass die Crew des Nachbarboots topfit am Start ist, trotz Wodka. Wir gönnen uns erst mal ein Frühstück im Deniz Restaurant bezahlen unsere Rechnung vom Vortag und nehmen noch ein frisches Brot mit für unterwegs. Die schreckliche Nachbarcrew ist weg und wir schwimmen das letzte Mal dieses Jahr in Cirflik. Urlaub geht zu schnell vorbei.

Um kurz vor eins ankern wir noch mal in der Kumlu Bükü Bucht und wollen ein allerletztes Mal schwimmen. Knapp 2 Stunden bleiben wir in der Bucht, bis Wind aufkommt und wir das restliche Stück Richtung Marmaris mit der Genua segeln können. Der Wind bläst ganz schön stark, teilweise mit über 20 Knoten und wir kommen so kurz vor 17 Uhr an die Tanke in Marmaris. Wir sind die einzige Yacht und müssen nicht warten, sondern können sofort längsseits fest machen. Der Tankwart freut sich, uns wieder zu sehen und bekommt traditionell erst mal ein kaltes Efes. Wir hatten 39 Motorstunden auf dem Törn und die Andiamo hat 1,47 Liter pro Motorstunde verbraucht, perfekt! Wir waren auch immer gemütlich mit 2.000 Umdrehungen unterwegs.

Die Marineros helfen uns beim Anlegen und zwei Jungs von Phoenix stehen am Steg für die Achterleinen. Zurück in der Netsel Marina – der Segeltörn ist vorbei. Schön war’s. Wir gönnen uns einen Anleger und gehen erst mal lange und ausgiebig duschen – herrlich. Nane und Dirk chillen den Abend über an Bord und genießen eine stille Marina. Micha geht spazieren und kommt irgendwann nachts zurück, als die beiden schon schlafen.

Mittwoch, 16.06.2020 | Bozukkale – Ciftlik | 16,06 nm

Wir können es langsam angehen lassen, wir haben Zeit. Erst mal ein Kaffee und eine Runde schwimmen. Das Wasser ist frisch, aber angenehm. Micha klettert auf einen Berg und genießt die Ruhe und die Aussicht. Als er wieder da ist, gehen wir Cay trinken. Murat und Eren bereiten den Jetty und die Murings vor, heute wird es voll in Sailors House  – 13 Schiffe werden erwartet. Gegen Mittag wollen wir noch mal den leckeren Käsesnack und backen das Brot aus Sailors auf, da kommen die ersten Schiffe rein. Murat bittet uns, so lange an die Boje zu gehen, bis Mustafa zurück ist. Wir haben noch nicht bezahlt – egal, wir müssen schnell an die Muring, dass sie die Schiffe, eins nach dem anderen an den Jetty legen können. Wir beenden unseren Snack an der Boje. Nane telefoniert mit Mustafa, er ist spät dran, es ist schon halb zwei. Wir sollen rausfahren und uns mit seinem Fischerboot auf der Höhe von Serge treffen, dann können wir das Telefon übergeben. Es ist windig und recht wellig draußen, als wir aus der Bucht von Bozukkale fahren. Nach den beiden Inseln Catal Adalari, sehen wir Mustafa schon und fahren auf ihn zu. Er ruft uns zu, dass wir das Handy in der Vorbeifahrt fangen sollen, wir rufen nein und schon wirft er. Gott sei Dank haben wir es gefangen. Jetzt müssen wir aber noch die Tüte mit unserem Rechnungsgeld übergeben, in die wir noch ein Snickers, ein Efes und eine Dose Cola gepackt haben. Dirk muss den Rückwärtsgang einlegen und Mustafa auch, dann übergeben wir die Tüte und bedanken uns herzlich. 14.00 Uhr Problem yok – das Problem ist gelöst und Nane ist beruhigt. Wir setzen die Genua und kommen mit über 20 Knoten achterlichem Wind gut voran. Wind und Welle nehmen zu und wir haben das Gefühl zu fliegen – schön. Um 16.45 Uhr liegen wir am Steg von Ciftlik. Neben uns das Regattaboot, dass wir schon in Bozukkale gesehen haben.
Wir gehen erst mal eine Runde schwimmen. Dann kommt eine EGG-Yacht rein mit lauter Musik und Gegröle am Steg, wir sind begeistert. Die türkische Race-Crew neben uns war in Cesme bei einer Regatta und von Cesme in 18 Stunden nach Bozukkale non-stop unterwegs. Nachts um 1 Uhr sind sie eingelaufen. Gemeinsam verfolgen wir fassungslos das rücksichtslose Verhalten der ukrainischen Crew. Danach kommt noch eine Yacht mit ukrainischer Crew rein, die nicht mehr in die letzte Lücke passt. Sie fahren vorwärts rein, so weit es geht und quetschen Fender zwischen Schiff und Jetty. Gegen 19.30 Uhr gehen wir zum Essen und sind wieder mal verwundert, wie viel Alkohol fließen kann, wenn russische oder ukrainische Crews am Start sind. Der Wind bläst weiter aus den Bergen und weht durchs Schiff – angenehm. Als die Ukrainer zurück an Bord sind, ist uns klar, dass wir diese Nacht nicht schlafen werden. Laute Musik und Gegröle, dass sogar Micha in die Kabine geht, um etwas Schlaf zu finden, nicht wirklich erfolgreich. Rücksichtslos und egoistisch – unser Bild von Crews aus der Region wird mal wieder voll bestätigt.