Mittwoch, 16.06.2020 | Bozukkale – Ciftlik | 16,06 nm

Wir können es langsam angehen lassen, wir haben Zeit. Erst mal ein Kaffee und eine Runde schwimmen. Das Wasser ist frisch, aber angenehm. Micha klettert auf einen Berg und genießt die Ruhe und die Aussicht. Als er wieder da ist, gehen wir Cay trinken. Murat und Eren bereiten den Jetty und die Murings vor, heute wird es voll in Sailors House  – 13 Schiffe werden erwartet. Gegen Mittag wollen wir noch mal den leckeren Käsesnack und backen das Brot aus Sailors auf, da kommen die ersten Schiffe rein. Murat bittet uns, so lange an die Boje zu gehen, bis Mustafa zurück ist. Wir haben noch nicht bezahlt – egal, wir müssen schnell an die Muring, dass sie die Schiffe, eins nach dem anderen an den Jetty legen können. Wir beenden unseren Snack an der Boje. Nane telefoniert mit Mustafa, er ist spät dran, es ist schon halb zwei. Wir sollen rausfahren und uns mit seinem Fischerboot auf der Höhe von Serge treffen, dann können wir das Telefon übergeben. Es ist windig und recht wellig draußen, als wir aus der Bucht von Bozukkale fahren. Nach den beiden Inseln Catal Adalari, sehen wir Mustafa schon und fahren auf ihn zu. Er ruft uns zu, dass wir das Handy in der Vorbeifahrt fangen sollen, wir rufen nein und schon wirft er. Gott sei Dank haben wir es gefangen. Jetzt müssen wir aber noch die Tüte mit unserem Rechnungsgeld übergeben, in die wir noch ein Snickers, ein Efes und eine Dose Cola gepackt haben. Dirk muss den Rückwärtsgang einlegen und Mustafa auch, dann übergeben wir die Tüte und bedanken uns herzlich. 14.00 Uhr Problem yok – das Problem ist gelöst und Nane ist beruhigt. Wir setzen die Genua und kommen mit über 20 Knoten achterlichem Wind gut voran. Wind und Welle nehmen zu und wir haben das Gefühl zu fliegen – schön. Um 16.45 Uhr liegen wir am Steg von Ciftlik. Neben uns das Regattaboot, dass wir schon in Bozukkale gesehen haben.
Wir gehen erst mal eine Runde schwimmen. Dann kommt eine EGG-Yacht rein mit lauter Musik und Gegröle am Steg, wir sind begeistert. Die türkische Race-Crew neben uns war in Cesme bei einer Regatta und von Cesme in 18 Stunden nach Bozukkale non-stop unterwegs. Nachts um 1 Uhr sind sie eingelaufen. Gemeinsam verfolgen wir fassungslos das rücksichtslose Verhalten der ukrainischen Crew. Danach kommt noch eine Yacht mit ukrainischer Crew rein, die nicht mehr in die letzte Lücke passt. Sie fahren vorwärts rein, so weit es geht und quetschen Fender zwischen Schiff und Jetty. Gegen 19.30 Uhr gehen wir zum Essen und sind wieder mal verwundert, wie viel Alkohol fließen kann, wenn russische oder ukrainische Crews am Start sind. Der Wind bläst weiter aus den Bergen und weht durchs Schiff – angenehm. Als die Ukrainer zurück an Bord sind, ist uns klar, dass wir diese Nacht nicht schlafen werden. Laute Musik und Gegröle, dass sogar Micha in die Kabine geht, um etwas Schlaf zu finden, nicht wirklich erfolgreich. Rücksichtslos und egoistisch – unser Bild von Crews aus der Region wird mal wieder voll bestätigt.

Dienstag, 15.09.2020 Kohcabahce Koyu – Bozukkale | 15,02 nm

Wir brauchen heute kein Frühstück – wir sind immer noch satt vom leckeren Abendessen. Wir gehen das letzte Mal für dieses Jahr bei Sailors schwimmen – blödes Gefühl. Wir trinken die letzten Cay bei Sailors – auch komisch. Wir nehmen noch ein Brot mit und Berrin schenkt uns Kräuter und Cocktailtomaten zum Abschied. Nane hat ihr Telefon noch zum Laden an der Steckdose.

Wir verabschieden uns, sind traurig und legen gegen 12 Uhr ab. Unter Motor fahren wir bis zum Kap Atabol Burun und setzen die Segel. Wir kommen gemächlich voran, aber das passt zur Stimmung, das Ende des Törns kommt näher. Bis zum nächsten Jahr sind es noch 8 Monate, die Andiamo ist verkauft und geht nach Fethiye und was mit Covid sein wird, weiß kein Mensch. Wir hoffen, wiederzukommen.

Um 14:30 Uhr passieren wir das Kap Karaburun und haben guten Wind. Bei achterlichem Wind cruisen wir nach Bozukkale, holen vorher das Groß ein, damit wir bei Wind und Welle besser steuern können. Um 15:30 Uhr kommen wir an den Jetty, eine Yacht hat gerade angelegt, eine andere fährt an, bricht ab, kommt wieder raus und meint, Nane solle zuerst anlegen. Dann fährt sie uns doch voraus und legt ein spannendes Anlegemanöver hin, kommt quer und macht der Crew am Jetty allerhand Arbeit. Nane hat weit draußen gedreht und fährt gemütlich ohne jegliches Galama rückwärts an den Jetty – passt. Micha macht die Muring, Dirk die Achterleinen, wir liegen sehr gut. Als Anleger gibt es den leckeren Käse aus Selimiye mit den Cocktailtomaten aus Kohcabahce Koyu und ein paar Gurken und Oliven – cok lezettli. Wir gehen schwimmen. Die Nachbarn sprechen von heftigem Wind am Wochenende und Nane will das Wetter checken, als ihr auffällt, dass ihr Handy noch bei Sailors am Strom hängt. AHHHHHHHHHHHH!! Wir rufen Zerrin an, das Handy ist noch da, aber wie bekommen wir es wieder? Mehmet will morgen nach Marmaris und soll es bei Canan hinterlegen. Später erzählen wir die Geschichte Mustafa, der lacht und schüttelt den Kopf. Dirk meint Nane wird alt. Aber er muss morgen auch nach Marmaris und will sich mit Mehmet treffen und das Handy mitbringen – er verspricht spätestens um 13:30 Uhr wieder da zu sein, dass wir auslaufen können.  Hoffentlich klappt das. Der Wind bläst die Nacht durch und wir schauen in die Sterne. Gegen 23 Uhr gehen wir schlafen und überlassen das Sterne gucken dem Micha.

Montag, 31.08.2020 | Bozukkale – Karasüleyman Bükü | 23,33 nm

In der Nacht hat es ganz schön gewindet. Dirk war draußen, um zu prüfen, ob Micha schon aus dem Cockpit geweht wurde, aber Gott sei Dank, er war noch da. Wir lassen es langsam angehen. Erst mal einen Kaffee, ganz wie ZR es uns beigebracht hat. Heute wollen wir in eine Bucht, Micha will eine Vollmondnacht in einer einsamen Bucht erleben – so der Plan. Wir frühstücken, gehen schwimmen und zahlen die Rechnung vom Vortag. Die Nachbarn rechts und links sind schon weg und kurz nach 12 Uhr legen auch wir ab.

Wir haben kräftigen Wind und setzen die Genua. Micha übernimmt das Ruder und hat schnell die 9 Knoten erreicht, wir müssen aufkreuzen und erst mal Kurs Richtung Rhodos nehmen. Um 13:30 Uhr passieren wir das Kap Karaburun. Kurz vor dem Kap Kizilburun schläft der Wind ein und wir starten den Motor. Nane schneidet die Nektarinen auf, die wir im Migros eingekauft haben. So lecker – kein Vergleich zu denen, die es bei uns zu kaufen gibt. Schon nach einer halben Stunde können wir wieder die Segel setzen und mit halbem Wind passieren wir die Untiefentonne Atabol Adasi. Wir nehmen Kurs auf Armak Bükü, die Palmenbucht. Hier wollten wir heute übernachten. Als wir uns der Bucht nähern sehen wir schon etliche Gullet-Masten. Überall an der Küste liegen die Gullets vor Anker – so viele wie noch nie. Wir vermuten, dass aufgrund der fehlenden Gäste, die Gullets die teuren Liegeplätze im Hafen verlassen und sich eine Bucht suchen, um dort vor Anker zu liegen – für die Gullets günstiger, für uns blöd, denn unsere favorisierten Ankerplätze sind so dauerhaft belegt. Plan B muss greifen, wir segeln weiter in den Hisarönü-Golf und wollen in die Bucht Karasüleyman Bükü –  Nanes Lieblingsbucht, von der sie auch ein riesiges Bild in ihrem Büro hängen hat. Um 16.45 Uhr passieren wir die Untiefentonne unter der Hotelanlage und steuern Karasüleyman Bükü an. Hier sehen wir zwar weniger Gullets aber lauter riesige Luxusachten (2 bis 3 Stockwerke hoch) liegen in unserer einsamen Bucht vor Anker. Frei schwojend hat es keinen Platz mehr, also ankern wir mit Landleine auf 3,5 Meter Tiefe – perfekt. Dirk setzt den Ankerball, und befestigt die Ankerkralle. Wir schwimmen, trinken Kaffee, quatschen, essen einen Coban Salata zum Abendbrot und schauen dem Mond beim Aufgehen zu (ganz voll ist er noch nicht) und freuen, uns den großen Wagen als Sternbild über uns zu haben. Die Beleuchtung der großen Yachten stört die Idylle ein wenig, aber die Grillen machen es wieder wett. Bevor wir schlafen gehen, aktiviert Nane die Anker-App und mit Blick in den Sternenhimmel schlafen wir ein. Gute Nacht.