Mittwoch, 12.06.2024 | Serce Limani – Ciftlik | 14,41 nm

Kurz nach 8 Uhr sind wir wach. Der Wind hat die Nacht über durchgeblasen, aber wir haben gut geschlafen. ZR war im Wasser und meinte, dass es noch kälter ist als gestern Abend. Also frühstücken wir erst mal, vielleicht hat danach noch jemand Lust zu schwimmen. Die Landleine muss auf jeden Fall gelöst werden. Nach und nach legt die russische Flotille vom Jetty ab. Ein Boot, dass innen lag war festgefahren und konnte sich nur mit viel Gas rückwärts losfahren. Wir sind froh, dass wir an der Boje lagen und die Partystimmung nur aus der Ferne mitbekommen haben. Die Beschallung der Bucht mit russischer Musik war heftig – aber so kennen wir russische Crews, nach dem Motto „mir gehört die Welt – ohne Rücksicht auf andere“.

ZR und Elmar waren schon schwimmen als der Rest von uns im Cockpit erscheint und auf Kaffee hofft. Dirk, Petra und Nane verzichten auf einen morgendlichen Swim, denn ZR meint, dass das Wasser so kalt ist wie in Palamut. Die Pura Vida sagt 23 Grad, übersetzt heißt das 19° C – das brauchen wir heute früh nicht. Keine Ahnung, warum die Temperatur höher angezeigt wird, als sie tatsächlich ist, vielleicht um die Crews zum Schwimmen zu motivieren.

Wir sind alle etwas müde, die Hitze der letzten Tage macht uns zu schaffen. Die Temperaturen liegen bei 36°C und sollen noch höher klettern. Also legen wir um 10.30 Uhr ab und wollen den angesagten Wind aus West nutzen, um mit der Genua nach Ciftlik zu cruisen. Zumindest stimmt heute die Windvorhersage und wir kommen streckenweise mit über 5 Knoten voran – prima.

Vor der Einfahrt nach Ciftlik holen wir die Genua ein und bereiten alles vor um anzulegen. Wir steuern den Steg vom Deniz-Restaurant an – hier kommen wir seit 2006 immer wieder gerne her. Hassan ist auch am Steg und nach der Begrüßung erklärt er uns, dass auch er „cok yorun“ ist, sprich sehr müde. Das stellt er auch eine halbe Stunde später unter Beweis, als er auf seinem Stuhl am Jetty einschläft. Nach einem kleinen Anleger wollen wir alle erst mal ins Wasser. Der Wind hat nochmal zugelegt und pfeift mit 17 Knoten achterlich ins Cockpit – so warm wie ein Fön, aber besser als nichts. Hassan ruft „Nane Abla“ der Wind hat seinen Hut vom Kopf gefegt und Nane fischt ihn aus dem Wasser und bringt ihn wieder zum Steg. Jetzt kann er mit gekühltem Kopf weiterschlafen. Wir gehen an diesem Nachmittag noch mehrfach ins Wasser, zwischendurch holt Dirk ein Dondurma und Nane schneidet die restliche Wassermelone auf. Wir bekommen noch Nachbarn, eine ältere englische Crew legt an und das erste was der Skipper macht, als sein Schiff liegt, ist ins Wasser zu springen. Nach einem Sundowner gehen wir gegen 19:30 Uhr zum Essen. Auch hier ist das Preis-Leistungsverhältnis noch richtig gut und die Qualität ist klasse. Wir merken aber, dass wir weniger Hunger haben als noch zum Start unserer Reise. Bei der Auswahl der Vorspeisen sind wir etwas zaghafter und Petra verzichtet sogar ganz auf einen Hauptgang. Zurück an Bord gönnen wir uns noch einen letzten Drink, aber die Müdigkeit gewinnt. Elmar schläft schon kurz in Petras Schoß ein und kaum eine halbe Stunde später verschwinden wir nach und nach in unseren Kojen.

Dienstag, 11.06.2024 | In Bükü – Serce Limani | 24 nm

In Bükü ist nach Karasüleyman Bükü auf Platz 2 unserer Lieblingsbuchten – wir hatten eine ruhige Nacht und konnten alle herrlich schlafen. ZR hat seinen ersten „Morgen-Swim“ schon hinter sich als Nane aufsteht, um die Brötchen aus dem Hefeteig zu formen und sie nochmal gehen zu lassen. Nachdem das Pfannenbrot in der nicht gleichmäßig heißen Pfanne wollen wir diese Brötchen im Backofen zubereiten. Das gelingt tatsächlich gut, dauert aber lange, weil wir nur mit mäßiger Hitze arbeiten können, um die Brötschen bei reiner Unterhitze unten nicht zu verbrennen und trotzdem durchzubacken. Auf einen Teil der Brötchen streut Nane Parmesan – lecker. Nach dem Frühstück gehen wir noch eine Runde schwimmen und holen kurz nach halb zwölf den Anker auf. Noch ist kein Wind in Sicht und so fahren wir unter Motor. Elmar hatte die 6 Knoten-Challenge ausgerufen, mal schauen, ob das heute gelingt. Auf der Höhe von Dislice Adasi setzen wir die Segel und Elmar übernimmt das Ruder. Die Challenge kann beginnen. Wir kreuzen den Hisarönü-Golf hinauf bis der Wind kurz vor dem Kap Atabol Burun einschläft. Also bergen wir die Segel und passieren den Yesilova-Golf unter Motor. Erst kurz vor dem Kap Karaburun haben wir halben bis achterlichen Wind und setzen die Genua, so dass wir bis Serce-Limani mit knapp 5 Konten Fahrt cruisen können. Kurz vor 17 Uhr kommen wir an die Einfahrt und holen die Genua ein. Als wir Richtung Jetty steuern, staunen wir nicht schlecht, als der komplett belegt ist. Nane hatte per WhatsApp reserviert und eine Bestätigung bekommen. Ein kleines Boot kommt uns entgegen und wir werden mit Landleine an eine Boje gelegt. Das das das beste ist, was uns an dem Tag passieren konnte, ahnen wir schon als wir den „Sound“ der russischen Flotille aus der Ferne hören. Wir verabreden, dass wir um 19:30 Uhr zum Essen abgeholt werden und gehen erst mal baden. Das Wasser hier ist richtig kalt –  fast so wie in Palamut. Das Bordthermometer zeigt 23 Grad, sprich das Wasser hat 19 °C –  brrrr. Trotzdem gönnen wir uns alle diese Erfrischung und danach einen Anleger mit Dipps von Nanes Kollegin (sprich die Gewürzmischung kommt aus Reutlingen). Der Sundowner-Drink ist obligatorisch und pünktlich um wir abgeholt und bewundern die Felsen in der schmalen Bucht – fast wie aus einem Karl-May-Film. Wir haben einen Tisch mit Aussicht auf die Flotille und bestellen unser Abendessen. Nane findet es unangebracht, dass die russischen Schiffe teilweise die Flagge der russischen Kriegsmarine gehisst haben, aber ändern lässt sich das Gehabe nicht! Das Essen ist lecker und das Preis-Leistungsverhältnis passt. Wir lassen uns um 21 Uhr zurück an Bord bringen, bevor die russische Party beginnt. Riesige Boxen werden aus den Booten Richtung Restaurant geschleppt, da wollen wir vorher weg sein. Der Nachbartisch mit zwei französischen Pärchen sieht das genauso und verabschiedet sich schnell. Dirk vermutet, daß mindestens ein innenliegendes Boot aufsitzt – diese Vermutung wird am nächsten Morgen bestätigt. Wir chillen noch an Bord genehmigen uns den ein oder anderen letzten Drink bevor wir in den Kojen verschwinden und der russischen Beschallung lauschen, die zwischendrin auch mal Modern Talking spielt.

Montag, 10.06.2024 | Orhaniye – In Bükü | 3,8 nm

Heute haben wir Zeit, denn unser Ziel ist nur kanpp 4 Seemeilen entfernt. Wir wollen aber nach dem Frühstück direkt zum Einkaufen. Nane und Petra gehen erst mal duschen und Nane nimmt die Dusche, in der ein großer Falter sitzt, mit dem Petra nicht zusammen duschen möchte. Der Wasserdruck ist nicht stark, aber er reicht aus, um uns zu erfrischen.

Wir machen uns auf den Weg zum Migros und kommen am Palmiye vorbei, Mehmet winkt und wir werden, wenn wir die Einkaufswägen zurück bringen bei ihm kurz stoppen, um einen Cay zu trinken. Im Migros bekommen wir alles, was wir noch brauchen, Wasser, Wein, Bier, Obst, Gemüse, Salat…. Und wir machen uns mit zwei Einkaufswegen auf den Weg zurück zur Ersoy Pansiyon. Wir kommen am Eingang der ehemaligen Cennet Marine vorbei, die verschlossen ist. Am Jetty liegen ein paar Boote – einheimische Dauerlieger.

Der holprige Weg Richtung Jetty stellt uns vor Herausforderungen, dass keine Weinflasche kaputt geht, das letzte Stück müssen wir tragen. Als alles in der Pura Vida verstaut ist, bringen Nane und Dirk die Einkaufswägen zurück, quatschen mit Mehmet, trinken einen Cay und kaufen noch ein Eis uns Eiswürfel.

Zurück an Bord machen wir schnell, dass wir in die Bucht kommen, wir wollen baden – es ist zu heiß und der Einkauf hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Wir setzen die Genua und cruisen gemütlich Richtung In Bükü. Dort liegen schon 4 Schiffe, aber wir machen einen Platz für usn aus, an dem wir den Anker werfen möchten. Nach dem zweiten Versuch hält der Anker und wir liegen. Einen schnellen Anleger und dann ab ins Wasser. Es ist herrlich hier, die Bucht ist von Pinien umsäumt, der braune Tuffstein ragt mit interessanten Felsgebilden zwischendurch raus und optisch erinnert uns alles an nordische Fjorde, bis auf die Tatsache, dass das Wasser hier viel wärmer ist. Wir genießen den Nachmittag in vollen Zügen, hören Musik, baden, trinken Kaffee und zum Abendessen gibt es nochmal die Zitronen Pasta nach dem Rezept von Andrea – lecker. Der Sternenhimmel ist ein Traum und die Temperaturen in der Bucht sind angenehm, so dass wir sehr gut schlafen werden.