Freitag, 2.10.2026 | Kumlubük – Adaköy | 5,14 nm

Wir haben erstaunlich gut geschlafen. Heute Morgen gönnen wir uns von der Bordkasse ein letztes, ausgiebiges Frühstück im Vita Beach. Bei einer Tasse Kaffee im Cockpit genießen wir die morgendliche Ruhe, bevor es losgeht. Der Wind ist merklich frischer geworden. Obwohl die Chance da wäre, verzichten wir auf ein letztes Bad – wenn man fröstelt, hat man einfach keine Lust auf kühles Wasser. Unser Freund ZR würde bei dieser Aussage nur ungläubig den Kopf schütteln. Das Frühstück ist jedenfalls die richtige Entscheidung: frisch gepresster Orangensaft, türkische Spezialitäten, Menemen, Spiegeleier – ein Traum.

Wir bedanken uns herzlich bei der ganzen Crew für die tolle Zeit, versprechen, eine glühende Google-Bewertung zu schreiben (sie haben es mehr als verdient!), und legen gegen 11 Uhr zum letzten Mal für dieses Jahr ab. Die Etappe in unsere Heimat-Marina Adaköy ist kurz. Nane funkt die Marina an, und kurz darauf kommt schon das Dinghi, um uns beim Anlegen zu helfen. Dirk steuert die Pura Vida gewohnt souverän rückwärts an unseren Platz. Der Marinero im Dinghi ruft Nane zu: „Good Skipper!“ Ja, das weiß sie. Er nimmt ihr sogar das Hantieren mit der schmutzigen Muringleine ab – ein Service, den sie dankend annimmt. Wenig später liegen wir sicher vertäut am Steg.

Der letzte Anlegerschluck vor der großen Aufräum- und Pack-Orgie wird in vollen Zügen genossen. Mehmet kommt an Bord, bringt eine neue Gasflasche, bekommt das Geld für die Wäsche und seine Bezahlung für die kommenden beiden Monate, in denen er nach dem Rechten schaut. Wir besprechen noch ein paar anstehende Arbeiten und verabschieden uns herzlich bis zum nächsten Jahr. „Kendine iyi bak“ – pass auf dich auf.

Dann bricht das Chaos aus: aufräumen, packen, verstauen. Thomas ist schnell fertig und flüchtet unter die Dusche, um nicht im Weg zu sein. Währenddessen bekommen wir im Marina-Büro bei Meliah ein unerwartetes Abschiedsgeschenk: ein Angebot für einen neuen, besseren Liegeplatz, geschützter und mit schöneren Sanitäranlagen. Wir freuen uns riesig!

Hansi ruft an, um die abendliche Fahrt nach Marmaris zu koordinieren. Um 17 Uhr fahren wir mit zwei Taxen los. Unser gemeinsames Ziel: der große Bazar. Unser Auftrag: eine Uhr für Thomas’ Frau Petra finden. Im Bazar steuert Dirk zielsicher zu Hüsniyes Laden, wo uns ihre Mutter überglücklich empfängt. Gemeinsam finden wir in einem Nachbarladen die gewünschte Uhr. Der erste Preis: 50 Euro. Aber mit Dirks Lieblingswort „Indirim“ (Rabatt) handeln wir sie auf 40 Euro herunter. Mission erfüllt! Bei einem Çay bei Hüsniye erzählen wir von unserem Törn, Nane kauft noch ein paar Schals als Mitbringsel, und dann geht es zur Promenade.

Thomas ist schwer beeindruckt von den riesigen Mega-Yachten im Stadthafen – das war vor 20 Jahren, bei seinem letzten Besuch, noch ganz anders. Wir gehen in unser traditionelles Stammlokal, das Golden Plate. Charlie begrüßt uns wie immer herzlich. Thomas bestellt „à la ZR“ ein Steak, braucht aber vorher eine Suppe zum Aufwärmen. Am Nachbartisch wird spektakulär ein Fisch in Salzkruste flambiert. Wie erwartet, schaut auch Canan von Anka Yachting vorbei. Wir quatschen kurz über die Entwicklungen in der Region und wünschen uns einen schönen Winter. Auch sie findet, dass wir den neuen Liegeplatz unbedingt nehmen sollten.

Pünktlich um 20:30 Uhr treffen wir die Crew der „Il Sogno“ für die Rückfahrt. Nane handelt den Taxipreis aus, und zurück in der Marina gibt es noch einen kleinen Tauschhandel: Wir bringen Hansis Crew Frischkäse, Wurst und Gemüse für ihr Frühstück, im Gegenzug bekommen wir ein Abschiedsbier. Nach unzähligen Umarmungen heißt es dann endgültig „Tschüss – man sieht sich!“

Zurück auf der Pura Vida werden die letzten Sachen verpackt. Wir genießen einen allerletzten Drink im Cockpit – Martini für Nane, Bier für Thomas, Fanta für Dirk – und schauen auf die Lichter von Marmaris. Wir sind uns einig: Es war ein wunderschöner gemeinsamer Törn. Ein sehr schöner.

Die Vernunft siegt schließlich. Um 3 Uhr klingelt der Wecker. Wir brauchen wenigstens ein paar Stunden Schlaf. Das war sie also, unsere Saison 2026. Die Zeit auf der Pura Vida vergeht leider immer viel zu schnell.

Bis zum nächsten Jahr…

Donnerstag, 1.10.2026 | Ciftlik – Kumlubük | 18,46 nm

Der letzte Morgen in Ciftlik fühlt sich immer ein bisschen falsch an. Hier abzulegen, bedeutet unweigerlich: Der Urlaub ist vorbei. Zumindest so gut wie. Normalerweise zögern wir diesen Moment so lange wie möglich hinaus, aber die Wettervorhersage – Regen am Nachmittag – und ein geplanter Tankstopp zwingen uns zur Eile. Gegen 11 Uhr müssen wir los. Vorher gibt es aber noch ein letztes Frühstück mit dem unglaublich leckeren Fladenbrot von hier und Rührei mit Schinken und Käse. Wir verabschieden uns von der ganzen Crew, bezahlen die Rechnung, und Thomas kauft bei Hassan noch ein Glas von seinem köstlichen Honig als Souvenir.

Wie erwartet, haben wir nach dem Gewitter von gestern keinen Wind auf dem Weg Richtung Marmaris. An der Tankstelle haben wir Glück, es ist alles frei. Nane hängt die Fender tief, um die Bordwand zu schützen, der Tankwart bekommt als Dankeschön traditionell eine Dose Bier, und schon legen wir wieder ab.

Kaum in der Bucht von Marmaris, frischt der Wind auf – endlich können wir nochmal die Segel setzen! Wir cruisen Richtung Kumlubük und ergattern den letzten freien Platz am Steg des Vita Beach Clubs – gut, dass wir reserviert haben. Und natürlich werden wir wieder von kräftigem Seitenwind empfangen. Wir lösen das Problem mit einem cleveren Manöver: Eine Spring wird von unserer Mittelklampe zur Mittelklampe des Nachbarbootes, der „Serce“, gelegt. Deren Skipper Oktay ist sofort zur Stelle und hilft. So schaffen wir es an den Steg, ohne dass uns der Bug weggedrückt wird. Nane macht die Muring, Dirk hilft beim Ziehen, wir bekommen eine zweite Muring dazu und liegen sicher. Ein großes Dankeschön an die ganze Crew für dieses tolle Team-Manöver!

Hansi begrüßt uns schon am Steg und lädt uns auf ein Efes auf die „Il Sogno“ ein. Gerne! Doch vorher ist nochmal Teamarbeit gefragt. Ein Katamaran mit einer österreichischen Crew im Durchschnittsalter 75+ (der Jüngste ist 70) will anlegen und hat sichtlich Mühe. Die komplette Jetty-Crew des Vita Beach mit Unterstützung von Dirk, Hansi, Heinz von der „Il Sogno“ – packen mit an, um den Kat sicher an den Steg zu bringen. Ein Dankeschön? Fehlanzeige. Aber was soll man sagen… vielleicht gibt es ja einen Zusammenhang zwischen der österreichischen Flagge und dem internationalen Signal für „manövrierbehindert“.

Nach dem Bier bei Hansi beobachten wir von unserem Cockpit aus das nächste Schauspiel. Die gut gelaunte Crew der „Serce“ spannt bei cooler Musik eine riesige Plane zwischen Sprayhood und Bimini, um ihr Cockpit für den angekündigten Regen wasserdicht zu machen. Währenddessen türmen sich am Himmel wieder bedrohliche Haufenwolken auf. Man hört schon den Donner, sieht Blitze über dem Meer. Bevor der Regen losbricht, startet Dirk noch schnell die Drohne für ein paar letzte Luftaufnahmen. Kaum ist sie wieder an Bord, fängt es an zu regnen, und Nane gelingt es noch, einen wunderschönen Regenbogen einzufangen.

Um 19 Uhr gehen wir zum Essen. Nane kann sich einen frechen Kommentar zu den Österreichern nicht verkneifen: „Gott sei Dank habt ihr den höchsten Mast am Steg. Wenn ein Blitz einschlägt, dann ja wohl bei euch!“ Wir genießen das Abendessen. Der Pizzaofen ist verlockend, und die Pizzen sind fantastisch. Nane und Dirk entscheiden sich für die Burger, die schon im Juni so lecker waren. Wir wärmen uns mit Çay auf, denn der Wind ist in den letzten Tagen merklich frischer geworden.

Der vorletzte Abend an Bord läutet traditionell die Phase des „Leertrinkens“ ein. Und so gönnt sich Nane einen letzten Raki und Thomas seinen Rum. Da es regnet, sitzen wir noch eine Weile gemütlich im Salon, quatschen und sagen dann für heute Gute Nacht.

Mittwoch, 30.09.2026 | Bozukkale – Ciftlik | 15,65 nm

Die Nacht war unruhig. Die Leinen knarrten, und ein leichter, aber stetiger Schwell hielt das Boot in Bewegung. Obwohl wir das Bedürfnis nach mehr Schlaf hatten, wollte es nicht so recht klappen. Also: aufstehen, Kaffee kochen, Frühstück machen.

Die Crew der „Il Sogno“ ist hellauf begeistert vom Sailors House – das Essen lecker, die Portionen riesig und die Preise mehr als fair. Hansi will auf jeden Fall wiederkommen. Das freut uns riesig, denn wir mögen dieses Raubein aus dem Ruhrpott wirklich sehr.

Gegen 11:30 Uhr wollen wir los. Nane hofft auf Wind, aber wie das mit der Hoffnung so ist, wird sie heute nicht erfüllt. Wir trinken noch einen Çay, bezahlen unsere Rechnung, verabschieden uns von allen und legen ab. Hansi folgt uns kurz darauf, aber mit seinen 11 Knoten ist er sowieso in einer anderen Liga und schnell am Horizont verschwunden.

Wir motoren die ganze Strecke nach Ciftlik. Der Chartnavigator sagt eine Ankunftszeit von 15 Uhr voraus – perfekt. Als wir uns der Bucht nähern, bereiten wir alles vor: Fender raus, Achterleinen klarieren. Wir wollen anlegen, und was macht der Wind? Aus dem Nichts frischt er auf und bläst uns mit 16 Knoten von der Seite an. Ernsthaft? Wir motoren stundenlang bei Flaute, und genau im Moment des Anlegemanövers kommt dieser Wind? Geht’s noch? Hassan am Steg lacht nur und ruft: „Normal, Nane, normal! Hoş geldiniz!“ (Willkommen!)

Nachdem wir sicher fest sind, gönnen wir uns einen kleinen Anleger und springen ins Wasser – wir müssen diese letzten Tage noch auskosten. Kurz nach uns kommt die Yacht „Blue Monkey“ mit deutscher Flagge in die Bucht. Und natürlich legt sie bei absoluter Windstille an. Das ist ja mal wieder richtig gemein von Neptun! Vor allem, weil Thomas ihm doch von jedem Drink immer den ersten Schluck als Opfergabe überlässt. Scheinbar nicht genug heute.

Den Nachmittag verbringen wir im Cockpit und kommen mit unserem englischen Nachbarn ins Gespräch, der Bootsname „Bikini Man“ liefert Gesprächsstoff. Sie muss ihn einfach fragen, wie es zu diesem Namen kam. Er lacht. Anscheinend war da vor fast 30 Jahren bei der Namensgebung seines Bootes eine nicht unerhebliche Menge Alkohol im Spiel.

Wir unterhalten uns über das Revier und Lieblingsplätze, doch das Gespräch wendet sich schnell dem Himmel zu. Das Wetter ändert sich. Das Wolkenbild ist spektakulär, die Farben leuchten in Rosa- und Orangetönen, die wir so noch nie gesehen haben. Wir zücken die Kameras. Zum Glück zieht das Gewitter draußen auf See Richtung Marmaris vorbei, wir bekommen nur ein paar vereinzelte Regentropfen ab.

Zum Abendessen testet Thomas, ob der Adana Kebab wirklich so scharf ist, wie behauptet wird. (Spoiler: Er ist es.) Dirk entscheidet sich für einen Seabrass, und Nane möchte heute nur eine Auswahl an Vorspeisen, allen voran die mit Käse gefüllten Champignons.

Zurück an Bord hat es wieder leicht zu regnen begonnen. Wir ziehen uns für einen letzten Absacker in den Salon zurück und verschwinden dann müde und zufrieden in den Kojen.