Heute ist der Tag, auf den wir uns schon seit Wochen freuen. Es geht nach Orhaniye, nicht nur, um unsere Vorräte aufzufüllen, sondern vor allem, weil wir zu einer türkischen Hochzeit eingeladen sind. Eine Einladung, die uns mit Stolz erfüllt und uns tief berührt. Es ist ein Privileg, an einem so persönlichen und riesigen Fest teilhaben zu dürfen. Dilek und Hassan (der Sohn von Dogan) heiraten.
Wir wollen schon um 10 Uhr am Steg des Palmiye Restaurants sein, denn die To-Do-Liste ist lang: auf den Bazaar, Wasser tanken, Abwassertank leeren, den Müll wegbringen und vielleicht noch eine Runde am Pool entspannen. Es ist wirklich unglaublich, wie viel Müll man auf einem Schiff produziert!
Nach einem schnellen Müsli und einem letzten Sprung ins Wasser tuckern wir bei spiegelglatter See gemütlich Richtung Orhaniye. Die Einfahrt ist jedes Mal wieder atemberaubend: die majestätischen Berge, die alten Burgruinen, die dichten Pinienwälder und die berühmte Sandbank. Weniger schön ist der anschließende Slalom um die unzähligen Ankerlieger. Als wir am Steg ankommen, ist nur noch ein einziger Platz frei, in den aber just in dem Moment ein hochmotorisiertes Dinghi zur Passagierübergabe hineinschießt. Wir drehen eine Runde, Nane ruft Dogan an, und kaum haben wir aufgelegt, legt das Dinghi ab. Perfekt! Wir gleiten in die Lücke. Nane macht die Muring, Dirk den Rest – Anlegen, Achterleinen. Keine gerechte Arbeitsaufteilung, aber zu zweit ist es oft nicht anders machbar.
Festgemacht genießen wir unseren Kaffee und machen uns dann auf den Weg zum Bazaar. Unterwegs treffen wir Dogan, der gerade aus dem Restaurant kommt und uns erzählt, dass sie gleich mit 200 Autos losfahren, um die Braut abzuholen. Das Fest findet auf dem Marktplatz statt, wo jetzt noch der wöchentliche Markt stattfindet. Dazwischen wird aber schon für 3.000 Gäste gekocht! Wir schlendern über den Markt, kaufen Obst und Gemüse und bestaunen die riesigen Töpfe über offenem Feuer. Frauen schälen Kartoffeln, schneiden Zwiebeln, putzen Salat, während das Fleisch schmort. Alle sind schwer am Arbeiten, aber die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich – das wird eine Mega-Party!
Wir bestellen uns zwei Gözleme und setzen uns auf eine Bank am Ufer. Da hören wir plötzlich Deutsch. Eine türkische Familie aus Böblingen, die morgen nach vier Wochen Urlaub zurückfliegt. Auf dem Rückweg zum Boot kommt uns die Autokolonne entgegen, die die Braut abholt. Hupkonzert, Trommeln, laute Musik. Dogan winkt aus dem ersten Auto, und aus dem Brautauto ruft Birkan, den wir aus Ciftlik kennen, laut „Hallo Nane!“. Die Welt ist ein Dorf, und nach 20 Jahren in diesem Revier kennt man Gott und die Welt.
Zurück an Bord genießen wir die Gözleme, bevor es an den Pool geht. Dirk lässt die Drohne steigen und macht fantastische Aufnahmen. Dann der Schreckmoment: Nach dem Duschen kommt Dirk mit der Nachricht zurück, dass das Wasser weg ist. Gerade so hat er den Schaum aus den Haaren bekommen. Nane muss ihre geplante Haarkur verschieben. Zum Glück ist das Problem nach einer halben Stunde behoben. Der Nachmittag vergeht mit „Hafenkino“: Charter-Crews kommen an, arbeiten ihre Checklisten ab, zählen Löffel, während Einkaufswagen voller Bier und Wein über den Steg rollen. Wir sind dankbar, dass wir diesen Stress nicht mehr haben.
Um 19 Uhr ist es so weit. Wir haben uns schick gemacht und gehen zum Festplatz. Am Eingang werden wir herzlich von den Familien begrüßt. Wir setzen uns zu der Crew der „Magellan“ an einen der unzähligen Tische. Jeder Gast bekommt ein Tablett mit einem kompletten, köstlichen Menü. Kaum haben wir gegessen, taucht Mehmet auf und bedeutet uns, ihm zu folgen. Er führt uns in einen anderen Bereich, an einen Tisch, eingedeckt mit weißem Samt und Blumen. Wir staunen nicht schlecht, als uns Nüsschen, Haydari, Gurken, Trauben, Käse und eine große Flasche Raki mit Eis hingestellt werden. Wir sind sprachlos und fühlen uns unglaublich geehrt.
Kurz nach 20 Uhr zieht das Brautpaar unter Feuerwerk und tosendem Applaus ein. Die Band, eine coole Mischung aus traditionell und modern, spielt ohrenbetäubend laut und gibt alles – vor allem der Klarinettist! Später folgt die Zeremonie, bei der dem Brautpaar Geldscheine und Gold an Bänder gesteckt werden. Bei der schieren Menge an Gästen dauert das eine gefühlte Ewigkeit. Mehmet und Dogan legen noch einen traditionellen türkischen Tanz aufs Parkett – sehr cool anzusehen.
Wir verabschieden uns kurz vor Mitternacht. Das Tanzfieber hat uns zwar nicht gepackt, aber wir sind überwältigt von den Eindrücken. Noch am Steg hören wir die laute, fröhliche Musik vom Festplatz. Wir genießen den Sound noch einen Moment im Cockpit, bevor wir müde und glücklich ins Bett fallen. Was für ein unvergesslicher Tag.
