Dienstag, 29.08.2026 | Sögüt – Bozukkale | 16,64 nm

Wir schlafen heute bis nach acht – eine Seltenheit. Nane wird vom lauten Geschnatter der Nachbarcrew geweckt, während im Hintergrund ein Esel seine Meinung zur Morgenstimmung kundtut. Da wir kein Brot mehr haben, macht sich Nane auf den Weg zum Market beim Octopus-Restaurant. Zum Frühstück wird wieder groß aufgefahren: Eier mit Sucuk für die Herren, Joghurt mit Honig für Nane und alles, was der Kühlschrank sonst noch so an Leckereien hergibt.

Gerade als Nane den Abwasch beendet, bekommt sie Besuch von einem unbekannten Flugobjekt: Unser Freund Heinz fliegt mit seiner kleinen Drohne einmal quer durch den Salon der Pura Vida! Da er das Manöver mit einer FPV-Brille steuert, die ihm die Pilotenperspektive gibt, gelingt ihm das erstaunlich gut. Wir sind beeindruckt und amüsiert.

Eigentlich wollen wir um 10:30 Uhr los, aber daraus wird nichts. Als wir unsere Rechnung bezahlen wollen, werden wir erstmal mit Çay und frisch frittierten Leckereien versorgt. Die Gastfreundschaft ist einfach überwältigend. Dirk schlägt Heinz noch vor, mit seiner Drohne ein kleines Video von der Pension und den Zimmern zu machen, um es auf Instagram und Google Maps zu posten – eine tolle Idee, um die Familie Apak zu unterstützen.

Gegen 11 Uhr ist es dann aber wirklich so weit. Wir verabschieden uns für dieses Jahr von unseren Freunden. Die Umarmungen sind herzlich, und der Wunsch, sich 2027 gesund und munter wiederzusehen, kommt von Herzen. „Inschallah“ – so Gott will.

Noch in der Bucht von Sögüt setzen wir das Großsegel im ersten Reff, später kommt die Genua dazu. Wir kreuzen auf und machen gut Strecke. Irgendwo hinter uns startet Hansi, aber wir wissen: Mit seinen 11 Knoten wird er uns locker einholen. Zwischen Symi und dem Festland schläft der Wind kurz ein. Wir holen das Großsegel ein, nur um kurz darauf die Genua wieder auszurollen und mit halbem, dann achterlichem Wind die letzten Meilen nach Bozukkale zu halsen. Auf dem Weg sehen wir Dogan, der mit seiner Yacht „Struan“ einhand unterwegs ist und das gleiche Ziel hat.

Am Steg von Sailors House herrscht reges Treiben. Hansi ist schon da, ebenso wie Suzan mit ihrer „Ilios“ und Dogan. Wir machen neben Hansi fest – ein perfektes Team-Manöver: Dirk steuert, Thomas fängt die Muring und Nane kümmert sich um die Achterleinen. Zum Anleger laden wir Dogan auf einen Drink ein und schwelgen in Erinnerungen an die „guten alten Zeiten“, als man noch problemlos und ohne Bürokratie zwischen der Türkei und den griechischen Inseln hin- und hersegeln konnte.

Dirk und Nane beschließen, die Gelegenheit für einen letzten Schwimmgang zu nutzen. Der Gedanke, dass sie nächsten Dienstag um diese Zeit schon wieder an ihren Schreibtischen im Büro sitzen werden, ist keine schöne Vorstellung. Aber irgendwie muss dieses teure Hobby ja finanziert werden. Nach dem Bad lässt Dirk noch die Drohne steigen und macht atemberaubende Aufnahmen von der Bucht und der alten Festung, die ihr den Namen gibt: „Bozukkale“ – die kaputte Burg.

Gegen 19 Uhr gehen wir zum Essen und quatschen erst mal eine Runde mit Suzan, die wir und ihr Schiff auch schon seit 20 Jahren kennen. Das Essen ist wie immer ein Gedicht. Egal ob Shrimps, Oktopus, Fisch oder Köfte – alle sind glücklich und zufrieden.

Zurück an Bord pfeift der Wind schon wieder kräftig und wird uns die Nacht mit 20 Knoten von achtern begleiten. Wir gönnen uns noch einen Raki zum Abschluss, werden ein wenig wehmütig, weil sich dieser wunderschöne Urlaub langsam dem Ende zuneigt, bewundern den klaren Sternenhimmel und verschwinden dann in den Kojen.

Montag, 28.09.2026 | Kuruca Bükü – Sögüt | 13,92 nm

Der Wetterbericht für heute ist eindeutig: bis zu 27 Knoten Wind. Für uns heißt das: früh raus! Nach einem schnellen Frühstück lichten wir schon um 9:30 Uhr den Anker. Wir fahren aus der Bucht, der Wind kommt von achtern, also setzen wir nur die Genua. Eine gute Entscheidung. Mit 5 bis 6 Knoten Fahrt schießen wir durchs Wasser und schaffen die gesamte Strecke nach Sögüt mit nur drei Halsen. Der Wind legt wie vorhergesagt stetig zu und bläst auf den letzten Metern mit über 20 Knoten.

Um 12:20 Uhr nähern wir uns dem Steg von Captain’s Table. Bei dem starken Seitenwind übernimmt Dirk das Steuer – das ist jetzt Chefsache. Unser Freund Hansi liegt mit seiner „Il Sogno“ schon da. Er berichtet, dass er trotz starker Bugstrahlruder-Unterstützung drei Anläufe für sein Manöver gebraucht hat. Die Messlatte liegt also hoch. Sabit steht vorsorglich mit dem Dinghi bereit, falls uns der Wind abtreibt. Aber Dirk macht das souverän: Im ersten Anlauf liegen wir perfekt am Steg! Ein kleiner Triumph und eine große Freude, die Familie Apak zum letzten Mal in diesem Jahr zu besuchen.

Nach dem Anlegen wollen Dirk und Thomas zum Barbier. Doch Sabits Anruf im Dorf ergibt: Stromausfall. Die Jungs müssen sich gedulden. Die Zwangspause wird sinnvoll genutzt: mit den Resten der Spaghetti Carbonara von gestern und einem kleinen Nickerchen.

Gegen 15:15 Uhr, kaum hat Nane frischen Kaffee eingeschenkt, winkt Sabit vom Steg: Der Barbier hat wieder Strom und jetzt Zeit! „Hade, hade!“ (Los, los!), schnell, schnell, die Jungs machen sich auf den Weg. Nane bleibt an Bord und genießt das Hafenkino am Nachbarsteg, wo selbst die großen Ausflugsboote bei dem Wind zu kämpfen haben. Plötzlich fragt Hansi, wo denn Dirk und Thomas sind. Als er hört, dass sie beim Friseur sitzen, will er auch – und wird von Sabit prompt hinterhergefahren.

Was dann folgt, ist pures Gold, das Thomas per Foto an Nanes Handy schickt. Eine Bilderserie aus dem Herrensalon: Dirk, bis über die Ohren mit Rasierschaum bedeckt. Dirk, dem mit kleinen Fackeln die Ohrenhaare abgeflämmt werden. Und Hansi, dem mit Wachs die Nasen- und Ohrenhaare entfernt werden. Die drei Herren und ihr Friseur haben sichtlich Spaß – ein unbezahlbar amüsanter Anblick!

Gegen 19 Uhr sind sie zurück: frisch geschniegelt, rasiert und mit neuem Haarschnitt. Als Friedensangebot für die lange Wartezeit hat Dirk Eis mitgebracht, und so gibt es erstmal eine Runde Magnum für alle. Danach geht es direkt zum Abendessen. Wir folgen Hansis Empfehlung und bestellen Hähnchen-Schnitzel – extrem lecker, aber eine riesige Portion. Die Hälfte nehmen wir für den nächsten Tag mit. Gülümser verwöhnt uns zum Nachtisch mit einer Art warmem Milchpudding aus dem Ofen, der einfach himmlisch schmeckt. Als kleines Dankeschön für die tolle Zeit bittet Nane Hansis Crew, eine 5-Sterne-Bewertung auf Google zu hinterlassen, was Hansi sofort in die Tat umsetzt.

Zurück an Bord gibt es noch einen letzten Raki, dann fallen wir alle müde, aber glücklich in die Kojen. Was für ein Tag

Sonntag, 27.09.2026 | Kuruca Bükü

Wir wachen vom leisen Trommeln des Regens auf dem Deck auf. Es hat bereits in der Nacht angefangen, und wir sind heilfroh, dass wir vorausschauend das mittlere Fenster der Sprayhood geschlossen haben. Das Frühstück wird heute kurzerhand in den Salon verlegt, im Cockpit wäre es einfach zu ungemütlich. Aber es geht kaum Wind, der Anker hält, und wir liegen sicher in einer der schönsten Buchten der Region. Ein Blick auf die Wetter-News zeigt, dass wir wieder einmal Glück hatten: Während in Fethiye das Wasser durch die Straßen schießt, bekommen wir nur die Ausläufer des schlechten Wetters ab.

Am Nachmittag lässt der Regen nach, und wir können wieder ins Cockpit umziehen. Wir genießen einen durch und durch faulen Tag. Was soll man auch anderes machen? Bei dem Wetter eine andere Bucht anzufahren, wäre sinnlos. Und mal ehrlich: Es hätte uns definitiv schlimmer treffen können. So ein „Lazy Day“, an dem man einfach nur liest, Musik hört und aufs Wasser schaut, hat auch mal was für sich.

Das wahre Highlight des Tages kündigt sich aber erst am Abend an: Es gibt Captain’s Dinner! Und zwar das Original. Gekocht von Thomas Otto höchstpersönlich. Auf dem Menü: Spaghetti Carbonara. Den dafür notwendigen, echten Speck hat er extra aus Deutschland mitgebracht. Die Arbeitsteilung in der Bordküche ist dabei klar definiert: Thomas kocht, Nane assistiert, und Dirk kommentiert. Läuft bei uns!

Das Ergebnis ist ein Gedicht. Die Spaghetti schmecken einfach köstlich. Mit dem Parmesan, den wir im Gepäck hatten, wird das Ganze zu einem perfekten Stück „Dolce Vita“ inmitten einer türkischen Ankerbucht. Ein unvergessliches Mahl, das diesen Regentag vergoldet.

Komischerweise machen solche faulen Tage auch müde. Wir werden heute nicht alt. Nach einem kleinen Raki als Absacker fallen wir satt, zufrieden und tiefenentspannt in die Kojen. Gute Nacht aus unserer gemütlichen Regen-Höhle.