Leinen los für eine Reise zum Anfang: Captain’s Dinner, eine Hochzeit und ein Klassentreffen auf See!

Der Countdown läuft, die Seesäcke sind mental schon fast gepackt und die Vorfreude auf Salzwasser, Wind und Sonne erreicht langsam aber sicher den Siedepunkt. Unser diesjähriger Sommertörn an der türkischen Küste wird allerdings mehr als nur ein weiterer unvergesslicher Urlaub. Es wird eine Reise zurück zu den Wurzeln, eine Art „Klassentreffen“ auf dem Wasser, das uns direkt an die Quelle unserer Segelbegeisterung katapultiert.

Warum die großen Worte? Weil wir in der zweiten und dritten Woche einen ganz besonderen Menschen an Bord begrüßen dürfen: Unseren Freund und Segellehrer Thomas Otto!

Für alle, die ihn nicht kennen: Thomas ist der Grund, warum wir heute überhaupt sicher (und meistens trocken) über die Meere schippern. Er hat uns alles beigebracht, was man für die Scheine Sportboot-See, Sportküstenschifferschein und den Funkschein SRC wissen muss. In seiner Yachtschule Otto hat für Dirk vor fast 30 Jahren alles angefangen. Ein paar Jahre später, vor gut 20 Jahren, hat auch Nane dort die Schulbank – oder besser gesagt die Plicht – gedrückt und ihre Scheine gemacht. Man könnte also sagen: Ohne Thomas keine „Letzte Crew“.

Jetzt, Jahrzehnte später, schließt sich der Kreis. Wir können es kaum erwarten, unserem alten „Käptitän Otto“ das Revier zu zeigen, in das wir uns seit über 20 Jahren so sehr verliebt haben. Doch bevor unser geschätzter Lehrer in den frühen Morgenstunden am 21. September in Orhaniye an Bord steigt, wartet dort noch ein ganz anderes, unglaubliches Highlight auf uns. Am Tag zuvor haben wir die Ehre, an einer türkischen Hochzeit mit sage und schreibe 3.000 Gästen teilzunehmen! Wir fühlen uns unglaublich geehrt und freuen uns riesig auf dieses Spektakel – eine perfekte Einstimmung auf die aufregenden Wochen, die vor uns liegen.

Wenn Thomas dann an Bord ist, sind wir gespannt, ob er von den Buchten, den kleinen Restaurants und dem glasklaren Wasser genauso begeistert sein wird wie wir. Und wer weiß, vielleicht geschieht ja ein kleines Wunder… Nane, die ihre Abneigung gegen An- und Ablegemanöver hegt und pflegt und diese Aufgabe nur allzu gerne an Skipper Dirk delegiert, könnte sich unter den motivierenden Augen ihres alten Lehrers vielleicht doch noch überwinden.

Und während Nane vielleicht schon der Angstschweiß auf der Stirn steht, hat Dirk schon ganz andere, kulinarische Träume: Er spekuliert auf ein echtes Captain’s Dinner, mit einem echten Kapitän an Bord! Nane hat bereits feierlich geschworen, für dieses Ereignis alles einzukaufen, was das Herz begehrt. Ob wir also einen echten Traumschiff-Moment an Bord der „Pura Vida“ erleben werden? Wir sind gespannt!

Bis es so weit ist, schaukelt unsere „Pura Vida“ noch mit unseren Miteignern rund um Rhodos durch griechische Gewässer. Am 11. September erwarten wir sie zurück in Marmaris, wo wir sie dann am 12. September voller Vorfreude auf 3 Wochen Segeln übernehmen werden.

Es liegt also eine spannende Zeit vor uns. Eine Reise, die sich ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt. Wir freuen uns riesig und werden euch natürlich auf dem Laufenden halten!

Mittwoch, 03. Juni 2026 | Kuruca Bükü – Kocabahce Koyu | 6,84 nm

Der Morgen in der Bucht von Kuruca Bükü bricht an und mit ihm ein Ereignis, das die Bordroutine sanft durcheinanderwirbelt: Nane ist als Erste wach und kocht Kaffee für ZR! Der schläft noch seelenruhig. Das gibt definitiv ein paar Pluspunkte in der imaginären Google-Bewertung, nicht dass es am Ende des Törns heißt, er musste sich seinen Kaffee immer selbst machen. Als der Duft durch die Luken zieht, erscheint auch Dirk im Cockpit. Wir denken an unseren Freund Micha, der jetzt bestimmt die eine oder andere Yoga-Übung anleiten würde. Da uns aber jegliches Talent und Wissen fehlt, fällt der morgendliche Yoga-Kurs mangels Trainer heute leider aus. (Michel, melde dich mal wieder!)

Zum Frühstück gibt es die Reste-Gala: frisch gepresster O-Saft, die letzte, nochmal aufgebackene Dinnete für ZR und das letzte Fladenbrot. Unsere Vorräte schreien förmlich nach Nachschub. Gut, dass Nane für heute Abend bei Sailors Paradise reserviert hat und morgen auf Shopping-Tour nach Bozburun mitfährt.

Bis Mittag genießen wir noch die Ruhe, bevor Dirk die Drohne startet. Wir wollen diesen traumhaften Anblick von oben festhalten. Die Aufnahmen bestätigen, was wir längst wissen: Dieser Ort ist ein Postkartenmotiv, das sich selbst gemalt hat. Einfach nur wunderschön.

Kurz vor 12 Uhr lichten wir den Anker. Mit achterlichem Wind gleiten wir im Schildkröten-Tempo durch den Hisarönü-Golf. Es ist die pure Entschleunigung, das perfekte Gegengift zum Alltagsstress im Job.

Kurz vor 15 Uhr machen wir am Steg von Sailors Paradise fest. “Hoş geldiniz!” – wir werden herzlich von Serkan, Tarek und der Crew begrüßt. Endlich wieder hier. Dieser Ort ist für uns mehr als nur ein Restaurant mit Steg; er ist ein Heimathafen der Seele. Wir kennen die Familie seit 20 Jahren, haben miterlebt, wie Tarek und Zerrin sich verliebten, und Nane hat hier mit Mama Berrin schon morgens um fünf Uhr Brot gebacken. Dieses Band ist mit den Jahren nur enger geworden.

Neben uns legt eine kleine Yacht an. An Bord: drei ältere englische Herrschaften. Die fitteste von ihnen, eine agile 80-jährige Dame, macht die Muring mit einer Routine, die ihresgleichen sucht. Ihr Mann und ihr Bruder sind 88 und 89. Der Ehemann ist sichtlich gebrechlich. Nane kommt mit der Skipperin ins Gespräch. Sie erzählt mit Wehmut, dass sie nach über 30 Jahren auf dem Wasser schweren Herzens überlegen, das Segeln aufzugeben. Es geht einfach körperlich nicht mehr. Aber die Vorstellung, nicht mehr in diese geliebte Region zurückzukehren, ist für sie unerträglich. Wir sind zutiefst beeindruckt und voller Respekt vor diesen Menschen, die so eine Lebensfreude ausstrahlen. Das sind die wahren Helden der See.

Nach einem Sprung ins nun fast badewannenwarme Wasser (24,6°C!) ist es Zeit für den “Family-Cay”. Pünktlich um 16 Uhr rücken Dirk und Nane mit Keksen bewaffnet zur familiären Teestunde an. Ein Privileg, das wir über die Jahre erhalten haben. Es wird viel auf Türkisch geredet – wir verstehen kein Wort, aber Serkan übersetzt, wir erzählen und Mehmet übersetzt zurück. Es ist ein fröhliches Durcheinander. Zwischen den Gesprächen umarmen sich Nane und Berrin immer wieder. Das ist Familie.

Zurück am Boot gibt’s die nächste Überraschung. Ein Skipper der Nachbaryacht kommt rüber, er hat unseren Heimathafen gelesen. Er ist in Forchheim geboren und kann es kaum fassen. Ein Foto am Heck der Pura Vida ist Pflicht! Man kommt ins Quatschen, tauscht Nummern – die Welt ist ein Dorf, und manchmal liegt dieses Dorf an einem Steg in der Türkei.

Das Abendessen ist, wie immer, eine Variation der Köstlichkeiten. Wir bestellen viel zu viel, weil einfach alles so gut ist. Als wir pappsatt und glücklich sind, kommen noch selbstgemachtes Baklava und Milchreis als Geschenk des Hauses auf den Tisch. Jetzt platzen wir aber wirklich.

Als Absacker gibt es an Bord einen Raki, der so großzügig eingeschenkt ist, dass er eine eigene Postleitzahl haben müsste. Wir genießen die Sterne, die Stille und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein, bevor wir uns glücklich und zufrieden in die Kojen verziehen.

Kuruca Bükü

Kuruca Bükü

Kuruca Bükü

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Die Seesäcke sind voll – na ja, fast.

Es ist soweit, Leute. Die Seesäcke sind gepackt, gestopft, reingedrückt und irgendwie zugegangen. Morgen kommen nur noch zwei Stück Parmesan obendrauf, weil eine Pasta in einer türkischen Bucht ohne anständigen Parmesan einfach keine Pasta ist, sondern nur warme Nudeln mit Soße. Das ist so ein bisschen wie Segeln ohne Wind – geht, macht aber keinen Spaß. Dolce Vita fängt beim Käse an, das ist keine Verhandlungssache.

Der Plan steht: Morgen früh schmeißt uns Dirks Nichte am Flughafen raus. Die Süße war ja selbst schon mal mit an Bord und hat das Land, die Leute und das Essen geliebt – nur die Welle, die hat sie leider nicht geliebt, und die Welle sie auch nicht. Manchmal passt es eben zwischen Mensch und Meer einfach nicht. Sie bringt uns jedenfalls sicher hin und winkt uns bestimmt ein kleines bisschen neidisch hinterher, zumindest bis sie an den Seegang und das flaue Gefühl im Magen denkt.

Dann geht’s über Istanbul nach Dalaman, Landung 17:30 Uhr, kurzer Abstecher in den Duty Free, weil man das als Tradition einfach macht, und dann mit DM-Transfer runter nach Marmaris in die Adaköy-Marina. Auf dem Hinflug haben wir mit Turkish Airlines 23 Kilo pro Nase, auf dem Rückflug mit SunExpress nur 20. Klingt erstmal nach Problem, ist aber keins, denn bis dahin sind Salami, Dosenwurst, Kaffee und Müsli längst vertilgt, und Duschgel, Sonnencreme und Shampoo bleiben einfach an Bord. Im September sind wir nämlich direkt wieder da, dann gleich für drei Wochen. Schon gut, wenn man an Bord sein eigenes Fach hat, in dem die Sachen auf einen warten. Einmal einräumen, nächstes Mal einfach wieder aufmachen – so geht cleveres Packen.

ZR steht zu diesem Zeitpunkt vermutlich immer noch vor seinem Seesack und hadert mit dem Universum. Hab ich alles? Fehlt was? Brauche ich das? Was ist mit dem Dings? Man kennt das, man liebt das, man war selbst schon da. Spoiler: Es fehlt immer was, und es ist nie das, woran man die ganze Zeit gedacht hat.

Am Samstag früh kommt dann Bünyamin mit seinem legendären Lieferservice und bringt alles von der Einkaufsliste direkt an den Steg. Der Mann ist Gold wert, ehrlich. Während wir hier noch überlegen, ob wir etwas vergessen haben, hat der das schon längst eingepackt. Und dann stehen wir vor ihr. Pura Vida. Unser Boot. Unser Zuhause für die nächsten Tage. Der Liegeplatz für Samstag Nachmittag ist auch schon gebucht, denn manche Traditionen rührt man nicht an: Es geht nach Ciftlik an den Steg vom Deniz Restaurant. Ankommen, festmachen, hinsetzen, schwimmen, aufs Wasser schauen und den ersten Abend genießen – besser kann ein Törn nicht starten.

Die Vorfreude ist mittlerweile an einem Punkt, an dem man eigentlich nicht mehr schlafen kann, es aber muss, weil morgen ein langer Tag wird. Also Augen zu, an türkisblaues Wasser denken und hoffen, dass der Wecker klingelt, bevor man vor lauter Aufregung sowieso von alleine aufwacht.

Marmaris, wir kommen.