Chartern in der Türkei – Geheimtipp oder Pulverfass?

Chartern in der Türkei – Geheimtipp oder Pulverfass?

Veröffentlicht am 05.05.2017 auf Segeln-Magazin.de

segeln Magazin

Putschversuch, Repressionen, Verhaftungen und Terror: Die Türkei fällt besonders durch negative Schlagzeilen auf. Doch wie ist die Lage an den Küsten, in den Buchten und Marinas des Segelreviers?

Die Lage für Vercharterer in der Türkei ist schwierig. Wie war die Buchungslage bei Argos 2016?
Es war natürlich weniger. Aber wir hatten gute Vorausbuchungen und obwohl sich die Lage verändert hat, gab es kaum Absagen. Im Großen und Ganzen konnten wir mit dem Türkeigeschäft im abgelaufenen Jahr noch zufrieden sein.

Und 2017?
Die Vorausbuchungen sind stark eingebrochen. Wenn sich die Lage nicht ändert, werden wir in der Türkei nur einen Bruchteil des Vorjahresumsatzes erreichen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für diesen Einbruch?
Natürlich die allgemeine politische Lage. Hinzu kommt ein Gefühl der Unsicherheit, nachdem auch Touristen in den Großstädten durch Unruhen betroffen waren. Auch wollen viele nicht in ein Land reisen, in dem die Meinungsfreiheit zunehmend eingeschränkt wird.

Welche Perspektiven sehen Sie für das Charterrevier Türkei?
Auch wenn es optimistisch klingen mag: Ich sehe die Lage gelassen. Das Segelrevier gehört mit zu den schönsten, die Infrastruktur für Segler ist hervorragend, mit das Beste, was im Mittelmeer geboten wird. Kulinarisch werden die Gäste mit türkischen Spezialitäten sehr verwöhnt. Nicht zu vergessen die Menschen: die sind nach wie vor so freundlich, wie sie immer waren.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach in der Türkei ändern?
Die Lage müsste sich konsolidieren; die Türkei müsste aus den Negativschlagzeilen der Medien herauskommen. Unruhen gibt es auch in anderen Ländern.

Die Beziehungen der EU mit der Türkei sind auf einem Tiefpunkt angelangt. Bekommen das auch Segler zu spüren?
Die Türken sagen zwar ‚Nein‘ zur EU, nicht aber zu den Europäern. So haben viele Segler nichts vom Putsch mitbekommen und erst zu Hause in den Zeitungen davon gelesen.

Ausnahmezustand, strengere Kontrollen, das Auswärtige Amt kann nicht ausschließen, dass eine Ausgangssperre kommt. Gibt es hier bereits Beschwerden von Seglern?
Wir hatten 2016 keine einzige Beschwerde: nicht bei den Flügen und schon gar nicht bei den Törns.

Erdogan spielt, wohl um seine politischen Ziele zu erreichen, auch die islamistische Karte. Führt die zu einer Fanatisierung? Sind davon auch Segler betroffen?
Nein! Und ganz sicher nicht im Segelrevier zwischen Izmir und Antalya.

In einem Restaurant in Istanbuls Stadtteil Ataköy hat man sich geweigert, mir ein Glas Wein zum Essen zu servieren. Könnte das Schule machen?
Sicher nicht an der Südküste. Es könnte aber sein, dass die ohnehin schon sehr teuren alkoholischen Getränke steuerlich noch mehr belastet werden. Schon immer gab es in der Türkei eine Alkoholausschanklizenz. Nur einige durften und dürfen deshalb alkoholische Getränke, wie beispielsweise Wein oder Bier, servieren.

Werden sich auch Segler bald an die Bekleidungsvorschriften des Korans halten müssen?
Bodrum gilt als das Saint-Tropez der türkischen Riviera. Türkische und ausländische Touristen laufen oft im Bikini am Strand herum. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Die Sicherheitslage an der türkischen Riviera und der Ägäisküste ist laut Auswärtigem Amt stabil. Kann wirklich jedes Risiko ausgeschlossen werden?
Ich würde sagen, Ja. Das Leben birgt immer Risiken. Wohin die Reise geht, das kann zurzeit keiner in der Türkei sagen.

Wird die PKK auch wieder touristische Ziele ins Visier nehmen?
Ihre Angriffe richten sich ausschließlich gegen das Militär und die Polizei.

Der Terror des IS hat vor allem religiöse Motive. Sind da Touristen und Segler als Andersgläubige nicht bevorzugte Ziele?
Die wollen töten. Möglichst viele und egal welcher Religion. Für den IS sind daher große Menschenansammlungen in den Städten interessant. Segler sind vereinzelt unterwegs, deshalb kein lohnenswertes Ziel.

Wie sicher sind die Flughäfen in der Türkei?
Nach dem Anschlag auf den Flughafen von Istanbul wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Seither sind sie so sicher, wie in anderen Ländern auch.

Wie sicher sind Marinas, die doch als ‚weiche Ziele‘ gelten?
Türkische Marinas waren noch nie ‚weiche Ziele‘. Sie wurden schon seit Jahren sehr gut bewacht, sowohl im Eingangsbereich als auch innerhalb der Anlagen. Ich sehe kein erhöhtes Risiko.

Wie sicher können sich Segler unterwegs fühlen?
Keiner unserer Kunden hatte bisher ein Problem. Vor Ort sieht eben manches anders aus, als es zu Hause von den Medien dargestellt wird.

Ist man in Straßencafés und Restaurants gefährdet?
Nicht mehr als anderswo.

Wie sollen sich Segler Ihrer Meinung nach im Hinblick auf terroristische Gefahren verhalten?
Ganz normal! Es heißt immer, man soll Menschenansammlungen meiden. Ich frage mich welche? In Marmaris steht zurzeit alles leer. Trotzdem sollte man Verständnis für die Lage haben und Diskussionen, vor allem mit der Polizei, vermeiden. Als Gast in einem fremden Land sollte man sich generell mit politischen Äußerungen zurückhalten.

Sie sind selbst Muslimin. Was sollen Segler in einem moslemischen Land unbedingt beachten?
Die Türkei ist ein laizistisches Land! Beachten sollte man trotzdem, was einem der Anstand gebietet. Sich nicht über fremde Glaubensriten mokieren und nicht während der Gebetszeiten durch die Moscheen laufen. Zeigen Sie Respekt vor anderen.

Wenn ich 2017 in der Türkei segeln möchte, auf was muss ich mich einstellen?
Das Yachtangebot hat sich reduziert, das eine oder andere Restaurant könnte geschlossen sein. Dafür gibt es kein Gedränge in den Häfen und viel Platz zum Ankern, weil wenige Gulets unterwegs sind.
Rückblickend auf die boot 2017 kann ich berichten, dass einige Türkeikenner gerade jetzt in der Türkei ihren Segelurlaub verbringen möchten. Sie wollen sich mit der Bevölkerung durch ihren Aufenthalt solidarisch zeigen und dem Land treu bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Seit einigen Jahren gehen die Buchungen zurück. Viele Urlauber sind verunsichert. Ist die Türkei noch ein sicheres Land? Oder wird das Revier aus Protest gegen Recep Tayyip Erdogan boykottiert? segeln-Autor Carl Victor sprach mit Aysegül Inceören von Argos Yachtcharter über die Lage in der Türkei.

Wer sich den Originalbericht von www.segeln-magazin.de ausdrucken möchte, kann dies hier tun – einfach ins Bild klicken…Segeln Magazin

 

2 neue Marinas im Golf von Güllük

2 neue Marinas im Golf von Güllük,

so lautet die neueste Info “SailMail” von ESYS. Demnach gibt es neue Anlaufpunkte für die Segler in der Türkei. Da die Marinas noch nicht ausgelastet sind gibt es hier derzeit bis zu 40% Rabatt…

Nachzulesen und Infos über die neue Port lasos Marina Narli Bükü HIER

Informationen über die neue EGESU-Marina (nur 10 Minuten zum Flughafen Bodrum) im Güllük Golf findet Ihr HIER

Hier hat Peter O.Walter wieder mal super Arbeit geleistet und viele Informationen, Bilder und Filme zusammengetragen – trotzdem ist er (und alle anderen in diesem Revier auch) über weitere Revierinformationen und persönlichen Erfahrungen und Neuigkeiten zu diesen Häfen dankbar!

Wir sind zwar an Pfingsten wieder zum Segeln in der Türkei unterwegs, allerdings werden wir nicht so weit hochkommen, wir bleiben in den 2 kurzen Segelwochen Richtung Gökova und Hisarönü Golf. Starten werden wir diesmal ja auch nicht aus der Netsel Marina sondern von der neuen PHOENIX-Basis ADAKOY wo auch Jürgen von Dreams of Sailing seine 2 Schiffe laufen hat. Darüber haben wir ja schon berichtet – weitere Infos über diesen HAfen können wir Ende Juni liefern.

Wer also Infos hat, kann diese am besten direkt an  Peter kommunizieren, er arbeitet immer alle neuen Infos zeitnah in seine Revierführer ein. Also gerne mal stöbern – eventl. könnt Ihr ja auch zu anderen Revieren schon etwas beitragen?! KONTAKT PETER

 2 neue Marinas

Wer direkt auf die Homepage der Marinas will kann HIER direkt dorthin gelangen.

 

Aktueller Beitrag in der Yacht: Wie segelt es sich im Krisenrevier?

Urlaub im Krisenrevier?

Der Artikel fängt mit folgendem Satz an: “Der Grenzbereich der Ägäis zwischen türkischer Festlandküste und den Inseln des Dodekanes ist eigentlich eins der schönsten Reviere des Mittelmeeres.” – Das können wir genau so unterschreiben und wollen diesem Revier und vor allem den vielen liebenswerten, gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen nicht den Rücken kehren.

2016 waren wir für 2 Wochen an Pfingsten und für 3 Wochen im Sommer zwischen Fethiye, Marmaris und Bodrum unterwegs und auch 2017 werden wir an Pfingsten wieder kommen und ab Marmaris für 2 Wochen segeln. Die Frage, ob sich der Rückgang der Yachten in den Marinas und Buchten bemerkbar macht, ist schnell beantwortet: JA!

Die Charterbasen werden aufgegeben, große Charterunternehmen verlassen die Türkei und verlegen ihre Boote in andere Reviere im Mittelmeer. Die mangelnde Charter-Nachfrage nötigt Eigner und Charterunternehmen, das Revier zu verlassen, denn die meisten Yachten sind finanziert und müssen Geld erwirtschaften, wenn sie das nicht tun, rechnet sich das Geschäftsmodell nicht mehr. Das ist dramatisch für die Menschen, die hier im Bereich Technik und Service ihre Jobs hatten, die sind nun weg und neue Jobs sind in der Region und in dem Bereich nicht zu finden. Die fehlenden Chartergäste machen sich bei Törnstart schon in den Marinas bemerkbar, die Pontons sind leer, die Yachten verlegt, die Duschen frei, die wenigen Crews, die dem Revier die Treue halten, sitzen in teilweise leeren Restaurants, in denen sonst nur mit Reservierung ein Platz zu bekommen war. Das fühlt sich auch für uns als existentielle Bedrohung für die Betreiber an. In den Buchten sind die Stege der kleinen Restaurants nicht mehr voll belegt, wenn 3-4 Schiffe da sind, wo in der letzten Saison noch 20 Yachten lagen, ist es ein guter Tag. Die meist von Familien betriebenen Buchtenrestaurants müssen so viel erwirtschaften, dass die Familie im Winter von den Einnahmen der Saison leben kann, das wird so nicht mehr funktionieren, auch hier geht es an die Existenz. Das tut weh, wenn man wie wir seit Jahren mit vielen Buchtenwirten befreundet ist und deren Sorgen spürt, wie es weiter gehen soll. Um so herzlicher wird man begrüßt, bekocht und bewirtet – “danke, dass Ihr uns nicht im Stich lasst”.

Seit 10 Jahren, sind wir mit einigen Ausnahmen fast jedes Jahr in dieses Revier gekommen. Wir haben uns hier immer wohl gefühlt, wir haben uns sicher gefühlt und wurden immer herzlich willkommen geheißen. Die Menschen, die uns dieses gute Gefühl gegeben haben, sind immer noch da, sie sind die selben geblieben und sehen viele Dinge genauso kritisch wie wir, warum sollten wir uns deshalb abwenden? Trotz nachvollziehbarer Kritik und verständlicher Vorurteile in Bezug auf unsere Törnpläne, wenn wir hier in diesem traumhaften Revier segeln, unterstützen wir Menschen und keine Politik – darum werden wir wieder kommen.

Link zum Beitrag in der Yacht: