ZR hat schon von gestern auf heute bei uns geschlafen, damit wir ohne noch mal nach Stuttgart fahren zu müssen, stressfrei los kommen. Nane hat den Wecker auf 8:30 Uhr gestellt und geht erst mal zum Bäcker und zum Metzger, um für ein letztes Frühstück zu Hause einzukaufen. Brezeln und Landjäger kommen ins Handgepäck für den Snack zwischendurch, denn Pegasus fliegt ohne Essen und Getränke. Für ZR ist nur wichtig, dass es genügend Kaffee zum Frühstück gibt, das ist mit der Saeco kein Problem. Wir machen noch kurz klar Schiff und sind startklar – endlich Urlaub. Pünktlich um 11.30 Uhr holt uns André ab und fährt uns zum Flughafen. Nici und Chris sind mit den öffentlichen zum Flughafen unterwegs, wir wollen uns oben treffen. Eine Umarmung für André zum Abschied und ein herzliches Dankeschön und schon stehen wir in der Abflughalle. Nici und Chris sind schon da, also checken wir ein. Unsere Seesäcke haben die 20kg-Challenge geschafft und wir können durch die Sicherheitskontrolle. Der Flug nach Istanbul ist pünktlich und auch nach Dalaman gibt es keine Verspätung, so dass wir pünktlich um 20.55 Uhr landen. Die Seesäcke sind alle da und wir besorgen uns im Duty Free noch Raki, Martini und Gin.
DM-Transfer steht schon vor der Tür und wartet auf uns, wir bekommen gleich ein kaltes Wasser und den Wifi-Code. Im Auto checken wir noch kurz, ob unsere Müdigkeit größer ist als der Hunger – das Ergebnis ist eindeutig: NEIN, der Hunger ist trotz Landjäger und schwäbischer Brezel größer. Also gönnen wir uns noch um kurz vor 23 Uhr ein sehr spätes Abendessen im Golden Plate. Charly freut sich und erzählt, dass die Saison noch nicht wirklich angelaufen ist – es sind noch nicht viele Segler und Hotelgäste da. Zurück an Bord packen wir aus und fallen todmüde in die Kojen.
Das Frühstück fällt heute etwas einfacher aus, Kaffee und Müsli müssen reichen. Wir füllen die Fäkalientanks noch mit Frischwasser auf, um beim Abpumpen in der Marina die Tanks möglichst sauber für die nächste Crew zu hinterlassen. Schon entdecken wir das nächste Problem auf der Backbord-Seite – das Seeventil schliesst nicht richtig – ein weiterer Punkt auf der ToDo-Liste für Miknatis.
Gegen 9.30 Uhr legen wir ab und hoffen, dass wir noch etwas Wind abkriegen, aber leider wird daraus nichts. Das was Anfang der Woche zu viel war, fehlt jetzt komplett. Also fahren wir unter Motor Richtung Marmaris. Gegen 11.30 Uhr kommen wir an dieTankstelle, dort wird eine Zapfsäule leider durch eine große Motoryacht belegt, so dass immer nur eine Segelyacht zum Tanken und Abpumpen anlegen kann. Wir reihen uns in die Warteschlange ein, vor uns sind noch 5 Yachten zu betanken, wir hoffen, dass das nicht so lange dauern wird, aber daraus wird leider nichts. Immer mehr Charter-Yachten kommen Richtung Tankstelle, drängeln immer dichter, werden von den Marineros immer wieder zurück geschickt und kommen direkt wieder dicht an dicht angefahren. Manövrieren ist kaum mehr möglich, die Stimmung wird gereizter und die Rufe gegen die Drängler lauter. Eine Schweizer Crew ruft bei dem Vercharterer GMM an und beschwert sich, dass sie warten müssen. Gleich darauf versuchen zwei Mitarbeiter von GMM ihre wartenden Charter-Yachten in bessere Wartepositionen zu bugsieren, indem sie sich “offiziell” geben und so tun als wären sie Marina-Angestellte. Das bringt die regulär wartenden Crews noch mehr auf und die Worte, die hin und her gerufen werden, bekommen einen schärferen Unterton mit ein paar Beleidigungen on top.
Als wir endlich an der Reihe sind und unsere Vorfahrt drastisch einfordern, sind wir mit den Nerven schon fast am Ende – dieses Theater ist einfach ätzend. Der Tankwart erkennt uns und erklärt, dass hier alle “delli delli” (verrückt) sind. Wir tanken, pumpen ab und der Tankwart bekommt für sich und seinen Kollegen wie immer zwei Dosen Efes als Trinkgeld. Ein Mitarbeiter von Miknatis steht an der Tankstelle und kommt gleich mit an Bord, um uns beim Anlegen zu unterstützen – der Service ist wirklich klasse. Keiner will beim Start oder am Ende eines Törns in den engen Wasserwegen zwischen den Pontons noch eine andere Yacht knutschen. In den Marinas ist es wie in Parkhäusern, die Größe der Schiffe hat in den letzten Jahren zugenommen und die “Parkbuchten” an den Pontons passen nicht mehr so recht zu den aktuellen Yacht-Längen. Wir vergeben uns da nichts, wenn wir das Team von Miknatis zur Unterstützung einbeziehen, erst in diesem Jahr hat ein Charter-Skipper die Pura Vida geknutscht – das braucht man nicht wirklich.
Als wir am Stammplatz der Pura Vida liegen, sind wir froh angekommen zu sein und gönnen uns den letzten Anleger bevor wir in den Aufräum-Modus schalten und unsere 7 Sachen packen. Wir rufen Canan an, ob Sie uns noch besuchen will, um die frischen Vorräte mitzunehmen. Sie kommt mit ihrem Fahrrad vorbei und wir tauschen aktuelle News über das Revier aus. Schade, dass wir nie mehr Zeit füreinander haben.
Mit Olgac machen wir die Rückgabe der Pura Vida und besprechen die technischen Probleme. Die Details, was wann repariert und gerichtet werden soll, wird Walter klären. Wichtig ist die Reparatur der Genua, sonst haben Regina und Walter nur eingeschränkten Segelspaß, wie wir – das muss ja nicht sein.
Nachdem wir gepackt haben, gehen wir duschen und Dirk will nochmal zum Barber und natürlich zu Hüsniye und ihrer Mama von Silvermoon. Im Vorbeigehen reservieren wir einen Platz im Golden Plate und machen uns auf den Weg in die Stadt.
Hüsniye und ihre Mama freuen sich uns zu sehen. Wir unterhalten uns lange und die beiden erzählen, wie schön es hier noch im November ist. Nane will schauen, ob noch mal eine Woche machbar ist, das hängt vom Arbeitsanfall im Büro ab. Es wäre schön, unsere Freunde mal stressfrei außerhalb der touristischen Saison zu sehen und mehr Zeit miteinander zu haben. Leider wird aus diesen Plänen nichts werden, aber das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Wir genießen ein leckeres Abendessen im Golden Plate, unterhalten uns noch mit Charly und sind fast froh, niemanden zu treffen, den wir kennen, um relativ früh zurück an Bord zu sein. Wir packen die restlichen Sachen zusammen, machen Fotos für Walter und Regina, was wo zu finden ist und gehen nach einem allerletzten Drink in die Koje. Wir werden sehr früh am Morgen abgeholt und wollen einigermaßen fit sein.
Wir genießen den “freien Tag” und lassen es gemütlich angehen. Zum Frühstück schauen wir, was der Kühlschrank noch so hergibt – eigentlich alles ;-) Dirk holt frisches Brot und Nane macht noch einmal Menemen. Nach dem Frühstück chillen wir an Deck, hören Musik und warten bis die Nachbarn ablegen bevor wir schwimmen gehen. Unsere Stimmung ist etwas getrübt als wir den Törn Revue passieren lassen – trotz vieler toller Momente mit unserer Crew, mit unseren Freunden, die wir besuchen konnten und der tollen Natur, hatten wir für unseren Geschmack zu viele technische Problemstellungen und die Aussichten in Sachen Marina sind auch nicht prickelnd.
Die Berichte, die wir von den beiden Eignern gestern bekommen haben, bestätigen unsere bisherigen Infos. Mal sehen, wie unsere Miteigner die Situation einschätzen. Wir fangen an unsere Sachen langsam zu packen. Walter möchte die Eignerkisten auflösen und dafür Fächer unter dem Bett in der Eignerkabine einrichten, wenn er kommt. Wir verabreden, dass wir unsere prvaten Sachen interimsweise in einer Schublade unter dem Bett unterbingen und er sie dann in unser Fach räumt.
Dirk sortiert das technische Equipment und wir planen morgen früher auszulaufen, um möglichst vor dem Run auf die Tankstelle anzukommen und noch Zeit in Marmaris zu haben. Nane mahnt, dass wir den letzten wirklichen Urlaubstag noch genießen müssen und macht einen letzten Snack mit Schafskäse um die Mittagszeit. Danach gehen wir noch mal schwimmen – auch wenn das Wasser frischer ist, als zu Beginn des Törns müssen wir die Gelegenheit nutzen – zu Hause gibt es keine Chance mehr auf ein erfrischendes Bad.
Zum letzten Sundowner in Ciftlik gönnen wir uns einen Drink aus der noch gut bestückten Bord-Bar und gehen zum Essen. Noch einmal King Prawns für Nane und Kavurma für Dirk. Zurück an Bord genießen wir den lauen Wind und gönnen uns noch einen Drink – die Vorräte müssen irgendwie geleert werden.
Später als üblich geht’s unter Deck, schließlich mussten wir ja noch Sterne gucken…
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