Mittwoch, 03. Juni 2026 | Kuruca Bükü – Kocabahce Koyu | 6,84 nm

Der Morgen in der Bucht von Kuruca Bükü bricht an und mit ihm ein Ereignis, das die Bordroutine sanft durcheinanderwirbelt: Nane ist als Erste wach und kocht Kaffee für ZR! Der schläft noch seelenruhig. Das gibt definitiv ein paar Pluspunkte in der imaginären Google-Bewertung, nicht dass es am Ende des Törns heißt, er musste sich seinen Kaffee immer selbst machen. Als der Duft durch die Luken zieht, erscheint auch Dirk im Cockpit. Wir denken an unseren Freund Micha, der jetzt bestimmt die eine oder andere Yoga-Übung anleiten würde. Da uns aber jegliches Talent und Wissen fehlt, fällt der morgendliche Yoga-Kurs mangels Trainer heute leider aus. (Michel, melde dich mal wieder!)

Zum Frühstück gibt es die Reste-Gala: frisch gepresster O-Saft, die letzte, nochmal aufgebackene Dinnete für ZR und das letzte Fladenbrot. Unsere Vorräte schreien förmlich nach Nachschub. Gut, dass Nane für heute Abend bei Sailors Paradise reserviert hat und morgen auf Shopping-Tour nach Bozburun mitfährt.

Bis Mittag genießen wir noch die Ruhe, bevor Dirk die Drohne startet. Wir wollen diesen traumhaften Anblick von oben festhalten. Die Aufnahmen bestätigen, was wir längst wissen: Dieser Ort ist ein Postkartenmotiv, das sich selbst gemalt hat. Einfach nur wunderschön.

Kurz vor 12 Uhr lichten wir den Anker. Mit achterlichem Wind gleiten wir im Schildkröten-Tempo durch den Hisarönü-Golf. Es ist die pure Entschleunigung, das perfekte Gegengift zum Alltagsstress im Job.

Kurz vor 15 Uhr machen wir am Steg von Sailors Paradise fest. “Hoş geldiniz!” – wir werden herzlich von Serkan, Tarek und der Crew begrüßt. Endlich wieder hier. Dieser Ort ist für uns mehr als nur ein Restaurant mit Steg; er ist ein Heimathafen der Seele. Wir kennen die Familie seit 20 Jahren, haben miterlebt, wie Tarek und Zerrin sich verliebten, und Nane hat hier mit Mama Berrin schon morgens um fünf Uhr Brot gebacken. Dieses Band ist mit den Jahren nur enger geworden.

Neben uns legt eine kleine Yacht an. An Bord: drei ältere englische Herrschaften. Die fitteste von ihnen, eine agile 80-jährige Dame, macht die Muring mit einer Routine, die ihresgleichen sucht. Ihr Mann und ihr Bruder sind 88 und 89. Der Ehemann ist sichtlich gebrechlich. Nane kommt mit der Skipperin ins Gespräch. Sie erzählt mit Wehmut, dass sie nach über 30 Jahren auf dem Wasser schweren Herzens überlegen, das Segeln aufzugeben. Es geht einfach körperlich nicht mehr. Aber die Vorstellung, nicht mehr in diese geliebte Region zurückzukehren, ist für sie unerträglich. Wir sind zutiefst beeindruckt und voller Respekt vor diesen Menschen, die so eine Lebensfreude ausstrahlen. Das sind die wahren Helden der See.

Nach einem Sprung ins nun fast badewannenwarme Wasser (24,6°C!) ist es Zeit für den “Family-Cay”. Pünktlich um 16 Uhr rücken Dirk und Nane mit Keksen bewaffnet zur familiären Teestunde an. Ein Privileg, das wir über die Jahre erhalten haben. Es wird viel auf Türkisch geredet – wir verstehen kein Wort, aber Serkan übersetzt, wir erzählen und Mehmet übersetzt zurück. Es ist ein fröhliches Durcheinander. Zwischen den Gesprächen umarmen sich Nane und Berrin immer wieder. Das ist Familie.

Zurück am Boot gibt’s die nächste Überraschung. Ein Skipper der Nachbaryacht kommt rüber, er hat unseren Heimathafen gelesen. Er ist in Forchheim geboren und kann es kaum fassen. Ein Foto am Heck der Pura Vida ist Pflicht! Man kommt ins Quatschen, tauscht Nummern – die Welt ist ein Dorf, und manchmal liegt dieses Dorf an einem Steg in der Türkei.

Das Abendessen ist, wie immer, eine Variation der Köstlichkeiten. Wir bestellen viel zu viel, weil einfach alles so gut ist. Als wir pappsatt und glücklich sind, kommen noch selbstgemachtes Baklava und Milchreis als Geschenk des Hauses auf den Tisch. Jetzt platzen wir aber wirklich.

Als Absacker gibt es an Bord einen Raki, der so großzügig eingeschenkt ist, dass er eine eigene Postleitzahl haben müsste. Wir genießen die Sterne, die Stille und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein, bevor wir uns glücklich und zufrieden in die Kojen verziehen.

Kuruca Bükü

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Dienstag, 02. Juni 2026 | Kuruca Bükü

Die Zeit scheint heute ein anderes Tempo anzuschlagen. Nane und Dirk werden erst um halb neun wach, während ZR, die personifizierte Morgen-Energie, sein Schwimmtraining und die erste Kanne Kaffee natürlich längst hinter sich hat. Aber genau so fängt der Tag doch gut an. Nane schnappt sich eine Tasse, setzt sich ins Cockpit und genießt diese besondere Morgenstimmung, wenn die Bucht noch einem selbst gehört.

Zum Frühstück gibt es den gehobenen Bord-Standard: Wir backen Fladenbrot auf und die Jungs bekommen ihre obligatorischen Spiegeleier, heute flankiert von schwäbischer Lyoner und Leberwurst mit Gurken und Tomaten. Die Gesichter strahlen. Nane hält mit Joghurt, Banane und Obstsalat die Gesundheits-Flagge hoch. So sind alle glücklich.

ZR, unser offizieller Wassertemperatur-Beauftragter, bestätigt nach seinem zweiten Bad des Tages: 23°C! Was will man mehr? Ein Blick in die Wind-App sagt heute leider: Nichts. Gar nichts. Null Wind. Durch die Gegend zu motoren, ist keine Option, also rufen wir offiziell den “Nationalen Chill-Tag” aus und bleiben wo wir sind. Fast alle anderen Yachten verlassen am Vormittag die Bucht. Wir sind gespannt, wer am Nachmittag die Lücken füllt.

Plötzlich sichtet Dirk eine rote Boje. Komisch, die war gestern definitiv nicht da. ZR sinniert mit einem Grinsen: “Vielleicht leben wir doch in der Matrix.” Ein paar Minuten später löst sich das Rätsel: Die Boje hat sich losgerissen und treibt nun, einer stillen Prozession gleich, langsam ans Ufer hinter uns. Ein Glitch in der Realität, der sich selbst korrigiert.

Der Tag plätschert dahin. Dirk lauscht einem Hörbuch, während Nane und ZR bei entspannter Lounge-Musik quatschen. Es ist die perfekte Definition eines Tages am Meer. Zum Mittag gibt es die Reste der gestrigen Schinkennudeln. Für den Abend plant Nane eine Premiere: Dinnete, die schwäbische Antwort auf Pizza und Flammkuchen. Der Teig wird schon mittags angesetzt, damit er sein volles Volumen entfalten kann.

Der Nachmittag lässt sich in einer Endlosschleife zusammenfassen: Schwimmen, Musik hören, Kaffee trinken, Schwimmen, Musik hören, Weißweinschorle. Herrlich! Dirk verkrümelt sich, um sein Hörbuch zu beenden – wir vermuten ja eher, er hält ein strategisches Nickerchen. Nach dem Stress im Büro sei es ihm von Herzen gegönnt. Im Wasser entdecken wir zwei Calamari, die uns mit ihren großen Augen neugierig mustern.

Eine türkische Yacht gesellt sich zu uns. Dann taucht die Küstenwache auf, macht eine Runde bei den Motorbooten auf der anderen Seite, legt eine Kaffeepause an der Strandbar ein und verlässt die Bucht mit Blaulicht und Sirene. ZRs trockener Kommentar: “Männer eben, immer viel Tamm Tamm.”

Der Sonnenuntergang ist wieder ein Spektakel. Aus der kleinen Bar am Strand dringt leise Musik herüber, die wir als unseren Abend-Soundtrack übernehmen. Nanes Dinnete-Premiere mit Crème fraîche, Schinken, Zwiebeln und Emmentaler ist ein voller Erfolg!

Wenn Nane kocht, haben die Jungs Spüldienst – das ungeschriebene Gesetz der Pura Vida. Und wieder stellen sie fest, wie sehr Christopher fehlt, der Meister des blitzblanken Geschirrs. Nane schickt ein Beweisfoto der Spül-Crew nach Hessen und bekommt prompt die Antwort, dass Christopher mitsamt Familie sofort kommen und den Job übernehmen würde. Ein Mann, ein Wort!

Der Sternenhimmel ist atemberaubend. Nach der Hitze des Tages fühlt sich die aufziehende Kühle und die Feuchtigkeit der Nacht wunderbar frisch an. Wir lassen den Abend ausklingen und ziehen uns in die Kojen zurück. Was für ein chilliger Tag

Kuruca Bükü

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Montag, 01. Juni 2026 | Bozukkale – Kuruca Bükü | 16,15 nm

Die Nacht in der Bucht von Bozukkale war herrlich ruhig – von einer kurzen, lauten Unterbrechung abgesehen. Unsere russischen Nachbarn starteten mitten in der Nacht laut schreiend den Motor, um ihre Muring nachzuziehen. Komisch, wir fanden schon beim Anlegen, dass das Manöver nicht ganz passte. Da aber schon das “Danke” für die gereichte Muring am Vortag ausgeblieben war, beschränkte sich die Kommunikation auf null. Uns fällt in den letzten Jahren immer wieder auf, dass russische Crews auf Charter-Yachten oft darauf verzichten, ihre Nationalitätenflagge zu hissen. Das war früher üblich, um zu zeigen, welche Nationen auf dem Schiff unterwegs sind. Jetzt verzichten die meisten russischen Crews darauf, Warum wohl?

Abgesehen davon war es eine idyllische Nacht. Das Rufen der wilden Esel gehört einfach zu dieser Bucht und wiegt einen sanft in den Schlaf.

Zum Frühstück gibt es Spiegeleier und Toast für die Herren, während Nane sich den restlichen Obstsalat mit Joghurt schmecken lässt. Das Wasser leuchtet in den schönsten Türkistönen – hier nicht noch einmal schwimmen zu gehen, wäre Frevel. ZR war ohnehin schon direkt nach dem Aufstehen im Wasser. Nane überwindet sich nach dem Frühstück ebenfalls, was den Kreislauf zuverlässig in Schwung bringen wird.

Nachdem wir unsere Rechnung bezahlt und bei einem Cay noch kurz mit Murat gequatscht haben, heißt es: Leinen los! Tschüss Bozukkale, vielleicht bis zum Rückweg.

Auch heute ist Flaute angesagt. Alle Segler, die wir sehen, sind unter Motor unterwegs. Erst auf den letzten Meilen frischt es etwas auf und wir können gemütlich mit der Genua bei 4,5 Knoten unserem Ziel entgegen segeln. Als wir in Kuruca Bükü einlaufen, trauen wir unseren Augen kaum: In dem schönsten Teil der Bucht, mit klarem Wasser und perfektem Sandgrund, lag nur eine einzige Yacht. Eine zweite Yacht, die parallel zu uns einläuft, scheint ein kleines Rennen zu veranstalten, um noch vor uns den Anker zu werfen. Wir sahen das entspannt – bei so viel Platz!

Wir werfen unseren Anker auf 9 Meter Tiefe mit 40 Metern Kette. Ein kräftiger Schub rückwärts bei 2.000 Umdrehungen, eine stehende Peilung – perfekt. Zum Mittagssnack gibt es überbackene Toasts mit Salami und Käse (ZR natürlich ohne seine verhassten warmen Tomaten). Bevor wir jedoch in den kompletten “Lazy-Modus” verfallen, muss Dirk den Anker abtauchen. Ihm ist wichtig zu betonen, dass die Crew ihn zu dieser Kontrolle im 23°C “kalten” Wasser gezwungen hat. Aber uns ist es wichtig, sicherzugehen. Das Ergebnis: Der Anker ist fett eingegraben, der Skipper zufrieden – und wir somit auch.

Auf diese gute Nachricht stoßen wir mit einem Weißweinschorle an und beobachteten das Schauspiel der nachfolgenden Boote: Anker werfen, umlegen, neu versuchen. Kennen wir alles, aber heute, Gott sei Dank, nicht bei uns.

Zum Abendessen fiel ZRs Wahl zwischen Schinkennudeln und Limonen-Pasta wenig überraschend auf Ersteres. Während wir essen, ankert eine österreichische Männer-Crew in der Nähe und wirft auf 10 Meter Tiefe maximal 30 Meter Kette. Das würden wir nicht tun. Da sie ihr Manöver aber sofort mit einem lauten “Prost” und einem Efes feiern, verkneifen wir uns einen Hinweis. Nane hat da ihre ganz eigenen, negativen Erfahrungen gemacht. Ein gut gemeinter Hinweis vor über zehn Jahren wurde mit „Halt die Fresse, Frauen haben an Bord nichts zu sagen“ quittiert. Der Satz sitzt bis heute. Da kein Wind angesagt ist, nehmen wir dieses Ankermanöver also einfach zur Kenntnis.

Den Abwasch übernehmen Dirk und ZR, die wehmütig an Christopher denken – der einzige Mitsegler, der diese Pflicht mit Freude und Perfektion erfüllt. Liebe Grüße nach Hessen, wir freuen uns, wenn ihr mal wieder dabei seid (und das nicht nur wegen deiner Spülkünste 😊).

Da bis Freitag Flaute herrschen soll, planen wir die Woche um. Nane kontaktiert Tarek von Sailors Paradise, um zu fragen, ob sie bei ihrem nächsten Einkaufstrip von Kocabahce nach Bozburun mitfahren kann. Die Antwort kam prompt: Sie fahren jeden Tag. Perfekt! So kommt Nane zum Metzger, ohne dass wir im Hafen von Bozburun übernachten müssen, und die Jungs bekommen ihr Fleisch in der nächsten Bucht – nur Pasta wäre v.a. für ZR schwer auszuhalten. Da ZR ja ultra all inklusive gewohnt ist, müssen wir uns schon ins Zeug legen, um ihn zufrieden zu stellen.

Der Mondaufgang ist wieder wunderschön, aber fotografisch einfach nicht festzuhalten. Wir chillen an Deck, bis es uns zu frisch wird und wir uns in die Kojen verziehen.

Sailors House Bozukkale

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Kuruca Bükü

Bozukkale

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Kuruca Bükü

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