Heute wollen wir in eine Bucht. Am liebsten in Nanes Lieblingsbucht „Karasüleyman Bükü“. Da man in Buchten nicht reservieren kann, wollen wir nicht zu spät los. Bernhard und Andrea haben sich schon um 9 Uhr verabschiedet. Nane macht Rührei à la ZR mit Schinken, Zwiebeln und Käse – die Jungs finden’s gut, nur die Pfanne im Anschluss zu scheuern, kostet Mühe. Gegen 10:30 Uhr legen wir ab. Die Yacht, die Nane vor der Caretta gewarnt hat, ruft uns „Gute Reise“ zu und dann sieht auch der Rest der Crew die große Schildkröte, die kaum nachdem sie aufgetaucht ist auch schon wieder unter Wasser verschwindet. Draußen haben wir Wind uns setzen die Genua. Wir kreuzen bei gutem Wind mit 6 Knoten Fahrt auf, um das Kap Karaburun zu umfahren, aber sobald wir in die volle Abdeckung von Symi kommen, müssen wir den Motor starten. Nach der Untiefentonne Atabol Kayasia am Ende der Einmündung zum Yesilova Golf können wir wieder die Segel setzen und cruisen mit achterlichem Wind direkt in die Bucht von Karasüleyman Bükü. Die letzten Ausflugsschiffe verlassen die Bucht und wir nehmen deren Platz ein. Wir ankern auf 5 Meter fahren den Anker bei 2000 Umdrehungen ein und liegen – perfekt. Dirk macht die Ankerkralle fest und ab ins Wasser. Wir tauchen den Anker ab, der sehr gut eingegraben ist, hier können wir liegen bleiben. Nane ist ganz im Glück, diese Bucht hat es ihr angetan. Wir schwimmen lange und ausgiebig. Im Anschluss gibt es einen Anleger mit Appetit-Häppchen, die Nane aus Crackern, Frischkäse, Tomaten, Salz, Pfeffer und Crema die Balsamico baut – die Jungs finden es gut. Wir warten auf den Sonnenuntergang für einen Sundowner bevor es Käse, Oliven, Avocado zur Vorspeise gibt und danach Pasta à la Andrea mit Zitrone und Parmesan. Fabi ist für Stunden in einer Telefonkonferenz mit der THW gefangen und wir unterhalten uns bei LED-Kerzenschein und Wein bis spät in die Nacht. Nane aktiviert den Ankeralarm und so können wir alle beruhigt schlafen gehen.
Dirk hat den Wecker auf 7 Uhr gestellt. Das Frühstück fällt heute bescheidener aus, weil wir ja ohne Bordbatterien auch keine Wasserpumpen haben, kann nicht mal eine Nektarine abgewaschen werden, also gibt es Müsli. Fabi hat gut geschlafen und kann wieder etwas zu sich nehmen – Gott sei Dank. Heute haben wir auch nicht viel vor – erst mal die Technik-Probleme lösen. Nach dem Frühstück zahlen wir und versprechen auf dem Rückweg nochmal vorbei zu kommen – ohne Stress. Kurz nach 9 Uhr legen wir ab und nehmen Kurs auf Serce Limani. Gegen 10:30 Uhr soll das Technik-Team von Miknatis dort eintreffen. Die Kia Ora liegt auch am Steg des Nemo-Restaurants – Probleme mit dem Groß. Als wir 10:20 Uhr in die Bucht von Serce Liman einlaufen, sehen wir schon den Service-Van von Miknatis. Die schwedische Männer-Crew auf der Kia Ora freut sich, dass sie bald wieder weiter können und wir tauschen uns über die Restaurants hier in der Gegend aus und geben kulinarische Tipps. Nane reserviert für die Jungs bei Captains Table in Sögüt, so können sie lecker essen und sparen sich die teure Hafengebühr in Bozburun. Der Tausch der Batterien geht schneller als wir dachten – das Miknatis Team bekommt von uns den Spitznamen „Melek Elektrik“ (Elektro-Engel) und wir chillen ein wenig in der Bucht, schwimmen und Boris probiert seine Luftmatratze mit Netz aus. Nane und Fabi schwimmen zu einem verlassenen Steg. Fabi klettert hoch und nimmt ein Sonnenbad in einem der Liegestühle, Nane dreht wieder um. Ein türkischer Segler, der an einer Boje hängt, ruft ihr zu, sie soll auf die große Caretta-Schildkröte aufpassen, die könnte beißen (?) . SUPER – im Slow-Motion Modus schwimmt Nane Richtung Steg und sieht irgendwann den Kopf der Schildkröte 15 Meter vor sich auftauchen, so groß wie ein Kinderkopf. Nein von der will sie nicht gezwickt werden. Also langsam und im Bogen um sie herum an den Steg – geschafft. Zurück an Bord überlegen wir, was wir machen, ob wir wieder raus fahren oder den Tag hier genießen. Wir entscheiden uns zu bleiben, die Batterien inkl. Ladezustand zu beobachten und den Tag zu genießen. Die Bucht ist wild romantisch – hier könnten Karl May Filme gedreht werden, aber die würde die ARD ja nicht mehr ausstrahlen. Aus unserer Sicht idiotisch, denn das waren die Helden unserer Kindheit. Was soll daran verwerflich sein. Nane macht einen Obstsalat mit Joghurt und Honig als Mittags-Snack und plötzlich schreit Dirk „Bernhard“ – neben uns läuft die Zalea ein. Bernhard ist mit seiner Frau Andrea unterwegs. Wir haben die Zalea letzten Herbst mit Norbert von der Sandbank vor Patara gezogen, auf der sie sich festgefahren hatte. Dass wir uns hier ohne Verabredung per Zufall wieder treffen, freut uns sehr. Die Zalea bekommt ein neues Code Zero-Segel und danach geht es Richtung Samos, raus aus der Türkei. Als North Sail und Serkan, der Technik-Manager aus Göcek am späten Nachmittag eintreffen, hilft Dirk den Segel-Spezialisten mit Bootsmann-Stuhl in den Mast zu ziehen – wo sind denn die Kreuzschmerzen geblieben über die er noch gestern geklagt hat…. Der ganze schweißtreibende Vorgang dauert mehr als 2 Stunden. Im Anschluss gehen wir gemeinsam zum Essen. Fabian und Nane entscheiden sich für Dorade, Dirk und Boris nehmen Tavuk-Sis. Die Meze-Platte vorweg kostet 50 Lira pro Person, die Dorade 300 Lira und der Hühnchen-Spieß 170 Lira – das ist für eine Bucht absolut okay. Fabian kann wieder mit Appetit essen – Gott sei Dank. Die angeregte Unterhaltung setzen wir im Anschluss fort und unterhalten uns noch von Boot zu Boot bis kurz vor Mitternacht. Die Welt ist klein und die richtigen Menschen trifft man Gott sei Dank immer wieder.
Den unterbrochenen Schlaf in Ciftlik sieht man uns am nächsten Morgen an. Also braucht es erst mal ein ordentliches Frühstück, v.a. da es das erste Frühstück an Bord ist. Nane macht Spiegeleier für die Jungs, es gibt Fladenbrot frisch und heiß aus dem Ofen, Gurken, Tomaten, Schafskäse und Co. ein echtes türkisches Frühstück – lecker. So langsam kommen wir an. Nach dem Frühstück gehen wir erst noch eine Runde schwimmen und dann zum Zahlen ins Restaurant. Boris nimmt für seine Mädels noch ein Glas Orangen-Honig mit und wir nehmen für den Mittags-Salat noch ein Fladenbrot mit auf die Pura Vida. Gegen 11 Uhr sind wir klar, um auszulaufen und können kaum, dass wir aus der Bucht draußen sind schon die Segel setzen. Die Strecke nach Bozukkale lässt eher Wind und Welle erwarten. Der Wetterbericht sagt bis zu 17 Knoten wahren Wind an. Es wird scheinbar über 20 also setzen wir das Groß nur zu 75%. Wir bekommen mit der Genua gleich richtig Fahrt und Nane nimmt Kurs 180° Richtung Süden, sprich Richtung Rhodos. Diesen Kurs fahren wir bis 13.30 Uhr und fahren eine Wende, so dass wir gut an der Insel Kizilada vorbeikommen und Kurs auf Gökce Burun nehmen, eine saubere 90°-Wende. Um 14:30 Uhr fahren wir auf der Höhe von Gökce Burun die zweite Wende. Die Welle nimmt zu und Fabian wird langsam weiß im Gesicht. Er verträgt den Wellengang nicht gut. Wir haben mittlerweile 22 Knoten scheinbaren Wind und gleiten schön durch die Welle – unter Motor würde es ihm nicht besser gehen, also können wir ihn nur bemitleiden, ihm gut zureden und hoffen, dass es ihm bald besser geht. Um 15 Uhr wenden wir das letzte Mal für den Tag – gut für Fabian – und nehmen Kurs auf Bozukkale. Nane steuert direkt in die Bucht, innen holen wir die Segel ein und legen um 16 Uhr am Steg von Sailors House direkt neben der “Weekend” an. Das Eigner Pärchen ist an Bord, wir freuen uns, dass wir uns nach langer Zeit mal wieder sehen. Das letzte Mal haben wir uns vor Jahren gesehen und hier abgewettert. Dirk und Toygar, der Sohn der Eigner, haben in zwei stürmischen Tagen geholfen, die einlaufenden Yachten mit zerrissenen Segeln an den Steg zu holen – ein Abenteuer, das verbindet.
Nane macht einen Coban Salat, den Fabian leider nicht mit essen kann, obwohl wir festgemacht haben, geht die Übelkeit nicht weg. Dirk schickt ihn baden, damit es ihm und seinem Kreislauf besser geht, hilft leider nicht viel. Es riecht komisch und Dirk checkt die Ursache. Eine Batterie ist heiß geworden und kocht fast. Er klemmt die Bordelektrik ab und baut die Batterie aus, um sie mit Handschuhen und Leinen auf den Steg zu wuchten. Sie sieht ganz aufgebläht aus und ist heiß. Die restlichen 3 Batterien halten die Bordelektrik leider nicht am Laufen – trotz ausgeschaltetem Kühlschank und ausgeschaltetem Freezer. Also sind wir ohne Strom. Wir informieren Miknatis und unser Miteigner Walter organisiert mit Olgac von Miknatis, dass wir am nächsten Tag in Serce Limani neue Batterien an Bord bekommen.
Dirk ist fix und alle, das gefällt ihm ganz und gar nicht. Trotzdem versuchen wir den Spot zu genießen, aktuell können wir die Lage nicht verbessern, begrüßen die Familie und gehen schwimmen. Fatma und Eren sind schon im Wasser und tauchen um die Wette. Das Wasser ist herrlich und warm – für Bozukkale sogar ungewöhnlich warm. Der Steg wird immer voller, bis tatsächlich alle Plätze belegt sind und innen noch zwei Katamarane festmachen.
Gegen 20 Uhr gehen wir zum Essen. Fabian ist immer noch out of order und Mustafa empfiehlt den Saft einer Zitrone mit Soda. Er trinkt es tapfer und hofft, dass die Übelkeit verschwindet. Boris, Dirk und Nane gönnen sich frische gegrillten Fisch – köstlich. Nach einer Runde Cay gehen wir zurück in unser dunkles Schiff und sind froh, dass wir Teelichter von Thomas und Hüsniye haben, die wir mit LED-Kettchen beleuchten. Der Tag war anstrengend für alle und so freuen wir uns zwar über den herrlichen Sternenhimmel verschwinden aber schon kurz nach 22 Uhr in die Kojen. Mal sehen, was der morgige Tag so bringt.
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