Donnerstag, 18.09.2025 | Sögüt

Wir haben herrlich geschlafen, tief und fest. Nur eine kurze Unterbrechung durch eine Mücke hat Nane aus dem Bett getrieben, um Antibrumm einzusetzen. Jetzt erst mal einen Kaffee – immer in Gedenken an ZR versteht sich. Nane holt das vorbestellte Fladenbrot bei Irems Market und Dirk findet, dass frisches Fladenbrot, Butter und Honig von Hassan als Frühstück völlig ausreichen. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Wir genießen den Morgen und noch ist kein Wind zu spüren. Aber wir glauben der Wettervorhersage und den Einheimischen. Sabit kommt an den Steg und verpasst jedem Boot eine zweite Muring – ein untrügliches Zeichen, dass es besser ist zu bleiben.

Nane und Dirk wollen sich den Ort Sögüt anschauen und fragen bei Gülümser nach, wie lange man läuft, die schaut nur irritiert und meint „to long Abla.“ Sabit bietet an uns die 4 km Berg hoch und auf der anderen Seite 4 km bergab zu fahren. Als wir die Strecke im Auto zurücklegen, sind wir mehr als dankbar. Nane hätte umgedreht – definitiv. Der Ort, den wir sehen, wenn wir mit dem Boot reinkommen, ist nicht wirklich groß. Am Wasser entlang reihen sich Ferienhäuser aneinander, zwischendrin kleine Cafés. Hier sieht man in den Yesilova und die Schaumkronen sind heftig, das Wasser klatscht gegen die beiden vorgelagerten Inseln. Wir laufen den Kiesweg zwischen Häusern und Wasserlinie entlang , bewundern das ein oder andere schmucke Häuschen und kommen an einem Café vorbei, in dem ein Pensionsgast von Captains Table mit seiner Frau sitzt. Er spricht eine Mischung aus türkisch, griechisch und englisch mit uns (wir verstehen wenig) und freut sich uns zu sehen. Wir trinken einen Cay und ein Wasser zusammen und beide bestehen darauf uns wieder mit zurück zu Captains Table zu nehmen – wir sind dankbar. Ansonsten hätten wir Sabit angerufen oder es per Anhalter versucht (ganz wie früher). Der Wind hat kräftig zugelegt und wir sind froh, dass wir hier sicher liegen. Jetzt erst mal eine Runde schwimmen. Dirk probiert den Tauchroboter von Hansi aus und ist begeistert. Das macht echt Spaß!

Nane macht einen Salat mit Thunfisch und Croutons als Mittagssnack und checkt mit Tarek, ob wir morgen einen Platz bei Sailors Paradise bekommen. Tarek schickt eine Sprachnachricht, dass aktuell sehr viel Wind in die Bucht steht, aber morgen wäre es okay.

Der Wind nimmt auch hier weiter zu und draußen an den Inseln klatschen die Wellen mit Gischtfontänen ans Ufer. Wir machen einen Besuch auf der Pamina Blue, trinken Cay mit Gülümser und quatschen ein wenig. Die Saison ist bald zu Ende und im Winter ist wieder mehr Zeit für die Familie. Deniz ist Fenerbahce-Fan, Öykü will später mal im Tourismus arbeiten. Urlaub, wie wir ihn kennen ist für die Familie nicht möglich. Mal ein paar Tage innerhalb der Türkei Familie besuchen oder Sehenswürdigkeiten anschauen – das ist alles. Sabit geht im Winter fischen und Gülümser kümmert sich um die Familie. Das Leben schaltet im Winter ein paar Gänge zurück und gibt wieder Kraft für die kommende Saison. Das Klima ist angenehm um die 20°C, Gülümser freut sich sehr darauf. Wir machen einen Spaziergang zum Gemeindesteg beim Octopus-Restaurant – jeder Platz ist belegt. Bei einem Katamaran bleiben wir stehen, er heißt PuraVida II – cool. Wir quatschen ein wenig mit dem türkischen Eigner und nehmen auf dem Rückweg bei Irems Market zwei 5-Liter-Kanister Wasser mit.

Wir genießen den chilligen Nachmittag und gönnen uns einen sehr windigen Sundowner-Drink auf dem Vorschiff – herrlich. Gegen 19:30 Uhr gehen wir zum Essen. Dirk entscheidet sich heute für Chicken Curry und Reis, Nane nimmt Garlic-Mushrooms zum Hauptgang, als Vorspeise gibt es Sigara Börek und „Waterkress“ mit Joghurt und Mandeln. Di Crew der Pamina Blue kommt dazu und wir quatschen bis spät. Martin hat Gülümser gebeten, etwas für ihn zu waschen – das hat auch geklappt. Perfekter Service hier. Sabit sagt immer „if you are happy, we are happy.“

Zurück an Bord gönnen wir uns noch ein „Gute Nacht“-Radler und verschwinden in der Koje. Gegen 3 Uhr wachen wir auf, weil der Wind, der eingeschlafen war, heftig auffrischt, aber diesmal aus Nord-Ost. Dirk schaut raus und meint Rauch zu sehen, aber es sind Staubwolken, die aufgewirbelt werden. Es ist stürmisch, über 25 Knoten. Das war in keinem Forecast zu sehen. Hier liegen wir sicher, darum schlafen wir schnell wieder ein.

Sögüt

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Mittwoch, 17.09.2025 | Ciftlik – Sögüt | 32 nm

Wir wachen früh auf, denn wir wollen möglichst um 8 Uhr auslaufen. Nane kocht einen letzten Kaffee in Ciftlik und wir gönnen uns noch einen kurzen Moment der Ruhe im Cockpit. Bezahlt und verabschiedet haben wir uns bereits am Vortag – 4 Tage Ciftlik, das hatten wir noch nie – wir bekommen sogar Indirim auf die Rechnung.

Wir kommen sehr gut raus und nehmen Kurs auf Kizil Ada und finden es herrlich endlich unterwegs zu sein. Auf der Höhe der Kizil Ada kommt endlich ausreichend Wind auf, dass wir die Segel setzen können – hoffentlich erleben wir hier nicht die nächste böse Überraschung. Wir wollen nur mit der Genua segeln, denn zwischen Rhodos und der türkischen Küste kann es schnell zu viel werden. Wir sind zu zweit und haben keine Lust auf Stress unter Segel. Mit der großen Genua kommt man auch beim Am-Wind-Kursen gut klar und so haben wir schnell 6 Konten Fahrt, dann 7, dann 8 Knoten – wir werden für die Zwangspause entlohnt. Max. 8,4 erreichen wir heute und finden es einfach perfekt. Wir kreuzen auf, dass wir um das Kap bei Bozukkale rumkommen und genießen die Schnelligkeit der Pura Vida. Zwischen Symi und dem türkischen Festland schläft der Wind leider wie immer ein und wir müssen die Genua einholen. Aber kaum im Yesilova, setzen wir sie wieder. Jetzt machen wir zwar nur 3 Knoten Fahrt, aber Hauptsache wir sind unter Segel unterwegs.
Wir halsen durch den Yesliova und kommen so langsam an. Gegen 15:30 Uhr steuern wir auf den Jetty von Captains Table zu. Sabit und Gülümser stehen am Jetty, wir machen fest und werden herzlich empfangen und umarmt. Wir quatschen ein bisschen und dann kommt auch Öykü, die mit Nane zu Irems Market geht, um ein Brot zu kaufen. Dirk konnte einen seiner zwei Adana-Spieße gestern Abend nicht mehr essen, weshalb wir ihn mitbekommen haben. Jetzt gibt es aufgewärmt, mit Käse überbacken eine Art Burger für jeden von uns. Lecker.

Martin ist informiert, dass wir schon am Steg liegen und so können wir herrlich an Deck chillen.

Die Pamina Blue kommt kurz nach 18 Uhr an den Steg und so lernen wir auch die Crew Matthias und Andreas kennen. Coole Combo die drei. Wir verabreden uns gemeinsam essen zu gehen. Beim Abendessen tauschen Dirk und Martin Insiderwissen über die Region aus und Nane quatscht mit Andreas und Matthias. Die Wettervorhersage für morgen steht noch ein wenig zur Diskussion, ob es denn wirklich zu heftig ist, um rauszusegeln. Aus unserer Sicht ja, Martin sieht das ebenso – also bleiben wir alle. Auch wenn Wetteronline „nur“ 55 Stunden-Kilometer vorhersagt – aber eben an Land und nicht auf dem Wasser, wo es wesentlich mehr sein soll.

Zurück an Bord gönnen wir uns noch einen Raki als Absacker und verschwinden gegen Mitternacht in der Koje.

Ciftlik

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Dienstag, 16.09.2025 | Ciftlik

Und hier die nächste Folge von „Täglich grüßt das Murmeltier“. Beim ersten Kaffee an Deck bekommen wir die Nachricht, dass das Team so gegen 11 Uhr da sein wird. Jetzt hoffen wir mal, dass wenn sie da sind auch die Reparatur hinbekommen. Der nette Engländer, der perfekt türkisch spricht, muss leider vorher los, so dass er uns seine Übersetzungsdienste nicht anbieten kann, wenn das Team hier ist. Schade, denn er hat sehr viel technisches Boots-Knowhow, das in der Übersetzung geholfen hätte. Am Donnerstag soll viel Wind kommen, bis dahin wollten wir in Sögüt sein, um das abzuwettern. Mal sehen, ob wir heute loskommen oder noch ein paar Folgen auf uns warten…

Gegen 11.30 Uhr wird Nane nervös, keiner meldet sich, niemand ist am Start. Das Problem ist, dass wenn man eine türkische Seele zu sehr nervt, dass dann u.U. gar nichts mehr geht und aktuell sind wir vom Wohl und Wehe dieser Company abhängig. Hansi kommt mit seinem Submarine-Teil rüber und meint, wir bräuchten Abwechslung. Nane soll das mal probieren. Er kommt an Bord, kriegt noch einen Kaffee und Nane testet das Teil. WOW – was ein Spaß Stufe 1 ist gechillt. Stufe zwei ist schnell und bei Stufe 3 zieht es einem den Bikini aus. Also wieder Stufe 1. Wenn man nach unten steuert, kann auch Nane tauchen und die Unterwasser-Sicht macht echt Spaß, vor allem in dem Tempo.

Zurück an Bord quatschen wir noch ein wenig mit Hansi und als er aufbrechen will, fragt er, wo denn sein Submarine ist. Nane erschrickt, denn sie hat es hinten auf die Badeplattform gelegt – es ist weg. Runtergefallen kann es nicht sein. Da taucht Heinz auf und lacht sich schlapp. Er hat uns einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die beiden verabschieden sich und Nane und Dirk diskutieren, ob Mehmet sich in den Reparatur-Prozess einschalten soll. Gegen 12:40 taucht Sinan der Techniker vom Samstag wieder auf. Der türkische Skipper Bülent, mit dem Dirk sich hin und wieder über Social Media austauscht ist am Steg und hilft zu übersetzen. Die erste gute Nachricht ist, dass Sinan, der Techniker, meint, dass er alles wieder zum Laufen bringt – beruhigend. Bülent muss aber los, also bitten wir Hassan weiter zu übersetzen, dass beim Einbau in der Kommunikation nichts schiefläuft. Die Analyse des Problems hat ergeben, dass jemand im Autopilot-Modus gegen den Autopiloten gesteuert haben muss oder in Rückwärts-Fahrt das Steuerrad losgelassen haben muss, dass es so heftig ausgeschlagen ist. Beide Theorien können wir nicht widerlegen, weil wir nicht dabei waren, als der Fehler beim ersten Mal aufgetreten ist. Als alles eingebaut ist, bitten wir den Techniker mit uns zusammen abzulegen um in der Bucht von Ciftlik das Steuersystem zu testen. Er willigt ein. Also legen wir ab, beobachten die Anzeige des Ruderanschlags am Autopilot und nachdem wir wieder am Steg liegen, muss noch eine kleine Korrektur der Steuerradstellung vorgenommen werden.  Jetzt geht es um das Thema Bezahlung. Zuerst will man 500 Euro von uns. Dirk diskutiert, dass das Problem evtl. ja auch schon beim Einbau der Welle in Bozburun verursacht wurde. Aber dagegen sprechen die besseren Argumente. Ganz Einkäufer, fängt es das handeln an. Wir sind bei 400 Euro, dann bei 300 Euro cash. Okay das können wir machen. Was uns ärgert, dass wir 4 Tage in Ciftlik verloren haben, weil die Vor-Crew mit unserem Miteigner, das Problem ignoriert hat – wir haben Redebedarf!

Nachdem der Techniker von Bord ist fangen wir an die schwarzen Schlieren und Dapper zu reinigen, die überall rund um die Backskiste verteilt sind. Martin kommt, um sich zu verabschieden und muss mit uns einen „Gott sei Dank, alles erledigt“-Anleger trinken. Wir verabreden uns für Mittwoch in Sögüt, am Donnerstag soll sehr viel Wind kommen. Alle englischen und türkischen Skipper haben uns gewarnt, dass wir uns einen sicheren Platz suchen sollen. Also reserviert Nane in Sögüt bei Captains Table zwei Plätze für die Pura Vida und die Pamina Blue. Gülümser freut sich, wir auch – perfekt.

Nachdem alles wieder weggeräumt ist, wollen wir erst mal eine Runde schwimmen, das haben wir uns verdient – wir sind mehr als erleichtert. Der Plan B wäre gewesen, sich von Hansi zurück in die Adaköy Marina schleppen zu lassen, um die Reparaturen dort erledigen zu lassen.

Am späten Nachmittag sind in Ciftlik alle Jetty-Plätze inkl. der Innenliegeplätze belegt. Außen neben uns kommt eine rote 50er Phoenix neben uns mit Stefan von SKA-Yachting und seiner Freundin. Tolles Schiff – sogar mit Hydrogenerator ausgestattet. Den Strom brauchen sicher allein die vielen großen Displays – aber wirklich beeindruckend. Wir hatten die Vorstellung der Yacht bei den Bootsprofis gesehen.

Da der Jetty voll ist, gehen wir schon um 19.00 Uhr zum Essen, sonst dauert es zu lange. Im Anschluss wollen wir noch bei Hansi auf der Il Sogno vorbei. Nane leiht sich den Tauchroboter, für 1 Woche bis er wieder zurück ist und wir uns wieder treffen. Das wird spaßig! Wir quatschen und quatschen über Gott und die Welt und man freut sich mit uns über unsere Erleichterung. Zurück an Bord verschwinden wir in der Koje, wir wollen morgen früh los, 8.00 Uhr ist das Ziel, denn nach Sögüt sind es direkt 30 Seemeilen und wer weiß, wieviel wir kreuzen müssen.

Franzi www.die-letzte-crew.de

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Jetty Deniz Restaurant in Ciftlik

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