Samstag, 06.06.2026 | Kocabahce Koyu – Sögüt | 11,17 nm

Der Morgenkaffee an Deck wird heute von einem Lauschangriff auf unsere Nachbarn untermalt. Das Ergebnis ist wenig überraschend, aber von Boot zu Boot bestätigt: Keine der unzähligen Wetter-Apps verspricht auch nur den Hauch einer Brise. Es wird also wieder ein Tag des meditativen Schleichens. Zum Glück haben wir es nicht weit.

Als wir uns von unseren Herzensmenschen bei Sailors Paradise verabschieden wollen, eskaliert die Situation auf die schönste Art und Weise. Mehmet drückt uns Mandeln, Walnüsse, Salbei, Oregano und Honig in die Hände. Zerrin schickt Tarek schnurstracks in den Garten, um frischen Rucola, Petersilie und Portulak zu pflücken, mit den Worten: “So you have a piece of Sailors Paradise on your boat.” Die Familie ist einfach unglaublich. Zum Abschied gibt es noch Eier, lieber eine Umarmung zu viel als eine zu wenig, und das Versprechen, im Sommer wiederzukommen.

Auch von unseren englischen Nachbarn verabschieden wir uns. Die “Bluebell” will ebenfalls nach Sögüt, während die “Bluesbreaker” noch einen Tag die Seele am Steg baumeln lässt. Kurz vor 12 Uhr tuckern wir los. Wir passieren die Inseln, werfen einen Blick auf Dirsek Bükü und biegen dann links in den Yesilova-Golf ab. Hier packen wir die Genua aus und schaffen es tatsächlich, mit jedem noch so kleinen Windhauch bei zwei Knoten Fahrt Richtung Sögüt zu schleichen.

Bei der Ankunft stehen Sabit und Gülümser schon winkend am Steg. Die Achterleinen fliegen, und noch bevor Nane die Muring richtig greifen kann, steht Sabit schon vorne und hilft beim Ziehen. Es folgen Umarmungen, Freudentänze und das Gefühl, nach Hause zu kommen.

Als Anleger-Snack gibt es natürlich sofort einen Salat aus den Mitbringseln von Sailors Paradise. Danach startet die “Mission Gasflasche”. Wir wollen bei Irems Market die Flasche tauschen und für alle ein Eis kaufen. Doch der Laden sieht aus wie ein Tatort kurz nach der Spurensicherung: leer. An der Tür klebt ein Zettel mit Özkans Handynummer. Nane ruft an, er verspricht, in 20 Minuten da zu sein. Da es aber gefühlt 40 Grad im Schatten hat, beschließen wir, das Warten zu überspringen und beim Octopus-Restaurant-Market Eis für uns und die Familie Apak zu kaufen. Drei Stunden später kommt von Özkan die Nachricht: “Sorry, Gas ist aus.” Na gut, dann eben morgen in Orhaniye.

Nach Cay und einer Abkühlung im Wasser (über 26°C, ZR ist natürlich als Erster drin) lässt Dirk die Drohne steigen, was den kleinen Deniz schwer fasziniert. Nane kommt mit den französischen Nachbarn ins Gespräch. Die haben ihr Boot erst kürzlich gekauft – nachdem es 10 Jahre an Land stand. Überall, wo man hinschaut: Großbaustelle. Ein Projekt, das sich nach einer unendlichen Geschichte anhört. Wir wünschen den beiden viel Glück und sind froh, dass wir nur zuschauen müssen.

Zum Abendessen gibt es für ZR und Dirk frischen Fisch (Red Snapper und Levrek), während Nane sich nach dem #aufessen-Marathon der letzten Tage weise auf Vorspeisen beschränkt. Die ersten Mückenstiche lassen nicht lange auf sich warten, die Antibrumm-Flasche wird gezückt und der letzte Drink des Abends kurzerhand auf das windigere Deck verlegt. Sicher ist sicher.

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