Die Nacht war ein Traum. Kein Piepsen vom Ankeralarm, nur die sanften Geräusche der Natur. Das Aufwachen in dieser herrlich grünen Fjord-Landschaft von In Bükü fällt entsprechend leicht. Die Morgenroutine ist mittlerweile heilig: erst eine Runde schwimmen, dann eine Tasse Kaffee. Schon ist die Welt wieder in perfekter Ordnung.
Wir haben es heute nicht weit, also beschließen wir, erst nach dem Mittagessen abzulegen. Es gibt nämlich noch Reste von gestern, die dringend unter dem neuen, von ZR ausgerufenen Törn-Hashtag #aufessen vernichtet werden müssen. Vor allem, weil die Köfte einfach zu lecker sind, um sie nicht zu ehren.
Kurz vor 13 Uhr holen wir den Anker auf und – man höre und staune – setzen das Großsegel! Es soll ja auch mal zum Einsatz kommen. Und wie es das tut! Wir kreuzen den Hisarönü-Golf bei über 10 Knoten Wind, in den Böen sogar 14! Nane bringt die Pura Vida auf 6 Knoten Fahrt und für einen kurzen, glorreichen Moment fühlen wir uns wie echte Segelhelden. Das ist es! Das ist Segeln! … und dann ist es genauso schnell wieder vorbei, wie es angefangen hat. Der Wind schaltet auf “Aus”. Tja. Also, Maschine an und den Rest der Strecke gemütlich tuckern.
Kurz vor 16 Uhr machen wir wieder am Steg von Sailors Paradise fest. Nane und Dirk hechten förmlich von Bord, um pünktlich zum “Family Cay” zu kommen. Zerrin strahlt, als sie uns sieht – schön, dass das Treffen geklappt hat. Der Tisch biegt sich schon unter Zucchini-Puffern, Simit, Nüssen und Acma. Es ist alles unfassbar lecker, aber wir versuchen, uns zurückzuhalten. Wir wollen ja später noch richtig essen.
Wir quatschen, tauschen den neuesten Revier-Tratsch aus und lauschen Zerrins Erzählungen über die Kinder und die Schule. Das halbe Team sitzt mit am Tisch. Der Koch ist neugierig und will alles über Deutschland wissen. Ob es dort auch richtige türkische Restaurants gibt oder nur Döner? Am Ende stellt er aber zufrieden fest, dass es ihm in der Türkei doch besser gefällt.
Zum Abendessen gibt es für Nane Karides (Garnelen), während die Jungs sich für Chicken Sis entscheiden. Eine Runde Sigara Börek als Vorspeise soll heute eigentlich genügen. Eigentlich. Denn Zerrin kann das nicht zulassen und serviert kurzerhand noch Fava und Joghurt mit Kresse. Wir kapitulieren und verzichten dankend auf den Nachtisch. Nane malt danach noch eine Runde mit dem kleinen Deniz. Mit nur einem schwarzen Filzstift sind die kreativen Möglichkeiten zwar begrenzt, aber es macht trotzdem riesig Spaß.
ZR fasst den bisherigen Törn treffend zusammen: “Dieser Urlaub steht definitiv unter dem Hashtag #aufessen. Wir müssen uns bald neue Shirts mit dem Aufdruck kaufen.” Recht hat er. Die Fülle an Eindrücken und Essen macht Nane heute so groggy, dass sie sich früh in die Koje verabschiedet.
Sie schläft zu den schönsten Hintergrundgeräuschen ein, die es gibt: das leise Lachen und Murmeln der Jungs, die noch im Cockpit sitzen und den Abend ausklingen lassen.
