Freitag, 25.09.2026 | Kocabahce Koyu – Sögüt | 13,92 nm

Der Morgen nach dem Sturm ist die Ruhe selbst. Die Boote liegen still am Steg, nur ein leichter Windhauch kräuselt das Wasser. Man kann sich kaum vorstellen, was hier gestern noch für ein Spektakel herrschte.

Heute wollen wir uns Zeit lassen. Es ist unser letzter Besuch im Sailors Paradise für dieses Jahr, und der Abschied von den Menschen, die uns hier so ans Herz gewachsen sind, fällt uns schwer. Mehmet drückt Nane zum Abschied noch Honig, Salbeitee und Oregano in die Hand. Wir umarmen alle lieber zweimal mehr als einmal zu wenig und legen dann schweren Herzens ab. Hoffentlich sehen wir uns alle im nächsten Jahr gesund und munter wieder.

Ohne Wind motoren wir bis zum Kap, dann können wir die Genua ausrollen und mit halbem, später achterlichem Wind gemütlich in den Yesilova-Golf cruisen. Die Fahrt ist tiefenentspannt. Mit 3,5 Knoten sind wir mehr als gemütlich unterwegs, aber wir haben ja Zeit.

Als wir in die Bucht von Sögüt einlaufen, ist es annähernd windstill. Die perfekten Bedingungen, um Nanes Phobie vor dem Anlegen zu therapieren. Gesagt, getan. Unter der ruhigen Anleitung ihres alten Lehrers Thomas Otto übernimmt Nane das Steuer für das Anlegemanöver. Sie steuert die Pura Vida souverän rückwärts an den Steg, direkt neben die Hallberg-Rassy eines englischen Pärchens, das wir hier schon oft getroffen haben. Die Engländerin schaut herüber, lächelt und fragt: „You are the captain today?“ Ja! Was für ein kleines, aber riesiges Erfolgserlebnis. Nane freut sich wie ein Schneekönig, dass es so gut geklappt hat.

Am Steg liegen noch andere Boote, deren Geschichten nachdenklich stimmen. Der Eigner einer kleinen englischen Yacht, über 80, versucht seit letztem Jahr zu verkaufen. Auch die „Nots of Dart“ steht zum Verkauf. Viele müssen ihr geliebtes Hobby alters- und gesundheitsbedingt aufgeben. Mitten in diesen Gedanken ist Thomas plötzlich weg. Zehn Minuten später taucht er grinsend aus dem Niedergang der Hallberg-Rassy wieder auf – er hat vom englischen Eigner eine spontane, individuelle Bootsführung bekommen. Wie cool ist das denn?

Wir genießen den Nachmittag, quatschen mit den Nachbarn, Dirk lässt die Drohne fliegen und wir feiern den wunderschönen Sonnenuntergang mit einem leckeren Sundowner, bevor wir zum Essen gehen.

Heute ist uns nach Chicken-Curry, Thomas wählt eine Variante mit Pilzen, und wir sind wieder einmal von den fairen Preisen im Captain’s Table begeistert. Als wir nach dem Essen auf einen Çay und einen Nusskuchen mit Zuckerglasur bleiben, sitzen Gülümser und ihre Tochter Öykü dabei und putzen Bohnen für den nächsten Tag. Nane setzt sich dazu und hilft. Öykü ist schwer beeindruckt, wie schnell und gut Nane das macht. Wir amüsieren uns köstlich, als Nane erzählt, dass im Sailors Paradise die Männer diese Arbeit gemacht haben – ein Fakt, den die Herren hier am Tisch aber lieber nicht hören wollen.

Zurück an Bord gibt es noch einen Raki, einen letzten Plausch mit den Nachbarn, und dann verschwinden wir glücklich und zufrieden in den Kojen.

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