Sonntag, 31. Mai 2026 | Ciftlik – Bozukkale | 15,76 nm

Der Tag in Ciftlik beginnt, wie er aufgehört hat: entspannt. Mal wieder ist es ZR, der als Erster auf den Beinen ist und den Kaffee kocht. Nane genießt noch ein paar Minuten im Halbschlaf, bis sie kurz vor acht Uhr von der zweiten Kanne Kaffee aus der Koje gelockt wird. ZR war schon schwimmen – der beste Freund von Nane ist eine Maschine! Um mit seinem “Ultra-All-Inclusive”-Anspruch mitzuhalten, legt sich Nane ins Zeug: Omelett mit Schinken und Käse, aufgebackenes Brot, Tomaten, Gurken, Obstsalat und Orangensaft. Das schwäbische Motto “Nicht geschimpft ist genug gelobt” scheint zu greifen, denn es wird alles restlos verputzt.

Nach dem Bezahlen der Rechnung und einem letzten Cay im Restaurant, bei dem wir uns noch mit frischem Knoblauch eindecken, heißt es um kurz nach elf Uhr: Leinen los! Ziel ist die geschichtsträchtige Bucht von Bozukkale.

Der Wetterbericht behält leider recht: kein Wind, keine Welle. Wir motoren also gemütlich vor uns hin. Dirk nutzt die ruhige Überfahrt, um ein altbekanntes Problem anzugehen: die Steuerbord-Toilette. Bewaffnet mit einem kompletten Wartungskit aus Deutschland, Vaseline und Plastikhandschuhen macht er sich an die Arbeit. Neues Joker-Ventil, neue Dichtungssätze – er werkelt und schraubt in der Enge des kleinen Bades. Parallel dazu werden die Duschabflüsse mit Corega Tabs eingeweicht, um dem leichten Müffeln den Garaus zu machen. Der Schweiß rinnt in Strömen. ZR schaut immer mal wieder nach, aber bei der Enge kann man leider nicht helfen.

Nach anderthalb Stunden erscheint Dirk wieder im Cockpit – mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Problem gelöst! Das Wasser steht nicht mehr in der Schüssel. Nane stellt treffend fest: Handwerker sind glücklicher, weil sie das Ergebnis ihrer Arbeit direkt sehen. Ob früher als Kfz-Mechaniker oder als “Tischler Dirk” mit eigener Werkzeugkiste als Kind – das Handwerker-Gen steckt ihm einfach im Blut und macht ihn glücklich – wie man heute feststellen kann.

Gegen 14:30 Uhr erreichen wir Bozukkale und machen am gewohnten Steg fest. Nach einem Anleger-Shandy bereitet Nane einen Nizza-Salat mit Croutons zu, um das alte Brot zu verwerten. Dann soll es ins Wasser gehen, doch das Thermometer zeigt ernüchternde 21°C. ZR findet es deutlich kälter als in Ciftlik, Nane braucht eine gefühlte Ewigkeit, bis sie ganz im Wasser ist und findet, dass es auch nach zehn Minuten nicht besser wird. Dirk testet mit den Füßen, erklärt die beiden für verrückt und zieht sich wieder an.

Wir genießen die Sonne an Deck, während neben uns die “White Pepper” mit einer russischen Segelschul-Crew anlegt. Nane reicht die Muring rüber, ein “Danke” gibt es nicht. Nun ja.

Am Abend im Sailors House die erfreuliche Nachricht: Das Menü-System wurde abgeschafft, wir können wieder à la carte bestellen! Bei gegrilltem Levrek und Shrimps in Knoblauch-Butter entdecken wir zwei wilde Esel, darunter ein niedliches Fohlen. Dann quatscht Nane mit Burcu und ihrem Sohn Eren. Der ist inzwischen 12 Jahre alt und humpelt stark. Er ist Anfang des Jahres schlimm gestürzt und hat vier Schrauben im Bein – zwei Monate durfte er nach zwei schweren OPs nicht aufstehen. Eine harte Zeit für den “kücük kaptan” (kleinen Kapitän). Nane telefoniert über Facetime noch mit Fatma, die in Marmaris gerade an den Hausaufgaben sitzt. “Simsalabim Nane, do you remember?” – ja klar, das war unser Spiel als die Kinder klein waren – ein bisschen Zaubern.

Uns wird bewusst, dass wir vor fast genau 20 Jahren das erste Mal hier waren. Damals war alles noch rustikaler, und ein junger Mustafa bediente seine Gäste abends in weißem Hemd und Lackschuhen. Wir kramen alte Fotos auf Flickr hervor und schicken sie ihm per WhatsApp. Eine Zeitreise! Dirk erinnert sich lachend daran, wie die wilden Esel bis vor die Toiletten kamen und Nane nur mit Geleitschutz dorthin wollte.

Der Vollmond geht auf und taucht die Bucht in ein magisches Licht. Zurück an Bord stoßen wir mit Raki auf 20 Jahre Segeln in der Türkei an, untermalt von Hüsniyes blauen Lichtern. Die Rufe der wilden Esel, die Sterne, die Stille – diese Bucht ist und bleibt ein besonderer Ort. Auch wenn die Müdigkeit uns irgendwann in die Kojen treibt, die Erinnerungen an diesen Abend und an die letzten 20 Jahre bleiben.

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