Samstag, 30. Mai 2026 | Adaköy Marina – Ciftlik | 10,5 nm

Der erste Morgen an Bord beginnt vielversprechend: Nicht der Wecker, sondern der Duft von frischem Kaffee weckt Nane. ZR ist schon auf den Beinen. Ein perfekter Start in den Tag, oder? Fast. Beim Einräumen der frisch gewaschenen Wäsche die erste Überraschung: Unsere grauen Handtücher erstrahlen in einem zarten Rosa. Nane schreibt Mehmet, ob die Wäscherei eventuell Bleichmittel verwendet hat. Auf die Antwort darauf warten wir bis heute.

Ein Einkauf, der es in sich hat

Pünktlich um 9:20 Uhr kommt der Lieferservice von Bünyamin. Ein Traum, alles wird uns direkt bis ans Schiff gebracht. Die Freude weicht jedoch schnell einer leichten Schockstarre, als wir die Rechnung sehen: 38.950 Lira, umgerechnet 750 Euro! So viel haben wir für Standard-Einkäufe noch nie bezahlt. Nane kontaktiert Bünyamin. Anders als im Vorjahr fehlen die Einzelpreise auf der Liste. Er verspricht, die Summe zu prüfen.

Zeit für ein stärkendes Frühstück. Dirk hat zur großen Freude von ZR und sich selbst in den Tiefen unserer Kisten noch diverse Dosenwürste (haltbar bis 2027!) gefunden. Das Bedürfnis nach „ordentlicher Wurst“ ist also für diesen Törn gesichert.

Abschied aus der Adaköy Marina

Bevor wir ablegen, statten wir Meliah im Marina-Office einen Besuch ab, um die neuesten Nachrichten aus dem Revier zu erfahren. Unser Liegeplatz weiter außen am Steg gefällt uns nicht – Wind und Welle sorgen für ständige Bewegung. Meliah verspricht, mit dem zuständigen Mitarbeiter zu sprechen. Anschließend bezahlen wir das Abpumpen (450 TYL) und bereiten uns auf das Ablegen vor. Mit Hilfe der Marineros, die eine verhedderte Muringleine lösen, verlassen wir unseren Platz.

Doch bevor es auf die offene See geht, wartet die neue Bürokratie: Wir müssen in den Kran-Bereich fahren, um die „BlueCard“ zu bekommen. Obwohl unsere Tanks leer sind, ist das Abpumpen Pflicht – eine neue Vorschrift, um Schummeleien zu verhindern. Das Prozedere zieht sich, Dirk muss nochmals ins Office, und so kommen wir erst um 12:15 Uhr los.

Endlich unterwegs nach Ciftlik!

Kaum haben wir die Marina verlassen, meldet sich Bünyamin: Es ist ihm sichtlich peinlich, aber sie haben sich tatsächlich um 80 Euro zu unseren Ungunsten verrechnet. Wir einigen uns darauf, das im September zu klären, und genießen den kurzen, sonnigen Schlag Richtung Ciftlik. Die Bordanzeige meldet 23,5 °C Wassertemperatur, was ZR vehement bezweifelt.

Gegen 15:00 Uhr laufen wir in unsere Lieblingsbucht für den Törnstart ein. Das Anlegemanöver ist Routine – ein eingespieltes Team, ganz ohne Worte. Hassan winkt uns schon vom Steg zu und wir parken zielsicher ein. „Hoş geldiniz – Willkommen!“ Mit einem kalten Anleger-Shandy in der Hand ist es klar: Jetzt fängt der Urlaub richtig an.

Der Sprung ins „sehr frische“ Nass

Nachdem die Nachbarboote abgelegt haben, füllt Dirk die Wassertanks auf – eine gefühlte Ewigkeit. Sollen die nicht von der Vor-Crew gefüllt worden sein? Aber wie ZR richtig anmerkt: Wir haben ja Zeit. Dann der Moment der Wahrheit: der erste Sprung ins Meer. ZR wagt es und sein Urteil ist eindeutig: „Frisch, sehr frisch!“ Nane empfindet es als gelungene Kneipp-Kur. Dirk, nach dem Anblick unserer Gesichter, zögert. Doch die Neugier siegt: Er will das Unterwasserschiff kontrollieren, findet aber seine Taucherbrille nicht. Natürlich muss Nane sie verräumt haben. Nach langer Suche stellt sich heraus: Sie war noch gar nicht ausgepackt. Ups.

Mit einem ähnlich verzerrten Gesichtsausdruck wie wir stürzt sich Dirk ins Wasser und beginnt sofort mit der Arbeit: Er schrubbt das Unterwasserschiff und entfernt braune Schlieren vom Teak-Schrubben des Reinigungsteams.

Ein Abend mit gemischten Gefühlen

Nach getaner Arbeit und einem erfrischenden „Swim“ (ZR) gönnen wir uns eine heiße Dusche im Deniz-Restaurant. Die Jungs entdecken ein vergessenes „Head & Shoulders“, was später für extrem „fluffiges“ Haar sorgt.

Zurück an Bord gibt es Kaffee, krümelige Schoko-Kekse und bald darauf das erste Weißweinschorle. Da erreicht uns eine WhatsApp von Mehmet. Sein neuer Job stresst ihn, er kann die Qualität, die wir gewohnt sind, nicht mehr liefern und möchte die Zusammenarbeit beenden. Das ist schade, aber verständlich. Ein Gespräch nach unserer Rückkehr ist unumgänglich.

Wir lassen den Abend im Restaurant ausklingen – mit Sigara Börek, Tsatsiki, Lammkoteletts und Calamares. Zurück an Bord hat der Schwell zugenommen. Also werden im Dunkeln noch die Leinen verstellt – eine kleine Tradition bei uns. Dirk klagt über Rückenschmerzen, Nane verabreicht Voltaren. Bei einem letzten Getränk an Deck lassen wir den Tag ausklingen und fallen müde in die Kojen.

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