Mittwoch, 23.09.2026 | Degirmen Koyu Sariliman Adasi – Kocabahce Koyu | 11,48 nm

Die Nacht an Deck war, um es milde auszudrücken, unruhig. Der Wind hat die ganze Nacht durchgeblasen, und die auf Navily beschriebene „gute Abdeckung“ der Bucht entpuppte sich als Wunschdenken – so viel zum Thema Community-Wissen. Der erste Kaffee am Morgen ist heute daher nicht nur lecker, sondern überlebenswichtig. Bei Tageslicht wirkt der Wind schon nicht mehr ganz so dramatisch, aber das Gefühl in der Nacht, mit all der Pendelei, war ein anderes. Die gute Nachricht und das „Lesson Learned“ des Tages: Unser Anker hat bombenfest gehalten!

Gegen 10 Uhr holen wir den Anker auf und hissen kaum aus der Bucht die Genua. Mit gemütlichen 4 bis 5 Knoten schieben uns Wind und Welle von achtern Richtung Kocabahce Koyu. Kurz nach 12 Uhr laufen wir in die Bucht von Sailors Paradise ein, wo uns Tarek schon vom Ufer aus zuwinkt und uns eine freie Boje zeigt. Wir bekommen eine Muring an der Boje und eine bereits fest verankerte Landleine. Wegen des starken Windes, der noch erwartet wird, legen wir zusätzlich eine Spring vom Bug zum Ufer, um das Pendeln zu minimieren. Perfekt. Kaum liegen wir fest, nimmt der Wind stetig zu. Wir haben den perfekten Logenplatz, um das Anlegen der nachfolgenden Boote zu beobachten.

Und die Show lässt nicht lange auf sich warten. Der Steg von Sailors Paradise wird von einer holländischen Flottille mit 21 Mann auf fünf Booten in Beschlag genommen. Dann kommt eine Gruppe von SK Yachting mit russischen Crews, die am Steg des benachbarten Glamping-Resorts festmachen. Plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm: Eine der Yachten kracht mit voller Rückwärtsfahrt gegen den Holzsteg! Der Einschlag ist brutal, das Loch im Jetty sieht heftig aus, und wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie das Heck des Bootes jetzt aussieht. Während Nane Fotos macht und eine Info-WhatsApp an die Charterfirma schickt, scheint die russische Crew das Ganze nicht so eng zu sehen – es wird sogar laut gelacht. Kopfschütteln bei uns an Bord.

Als Mittagssnack gibt es einen leckeren Dip mit Salzgebäck. Der Nachmittag vergeht mit weiterem „Hafenkino“, denn es kommen noch mehr Boote, die zur russischen Gruppe gehören. Ein Katamaran geht an die Nachbarboje, eine weitere Yacht quetscht sich noch dazu. Jetzt ist die Bucht rappelvoll. Ankern ist bei dem Wind und der Tiefe keine Option, was die paar Skipper, die es trotzdem versuchen, schnell aufgeben und weiterfahren. Nane gönnt sich einen kleinen Power-Nap, bevor sie türkischen Kaffee und eine Runde Kekse serviert.

Wir beschließen, vor der holländischen Flottille zum Essen zu gehen – eine weise Entscheidung. Tarek holt uns gegen halb sieben mit dem Dinghi ab. Wir schlemmen uns durch die Vorspeisen, Thomas und Dirk gönnen sich einen gegrillten Fisch, und Nane bestellt ihre geliebten Königsgarnelen. Köstlich! Wegen des frischen Windes wollen alle Gäste drinnen sitzen, die Tische stehen dicht an dicht, es ist wuselig und laut. Serkan stellt uns kurzerhand eine ganze Kanne Çay auf den Tisch, damit er nicht so oft laufen muss. Von Berrin bekommen wir noch einen süßen Nachtisch und Mehmet spendiert einen Raki. Zwischendrin will Berrin auf Dirks Handy die Videos von der Hochzeit anschauen und ist schwer beeindruckt.

Zurück auf der Pura Vida gönnen sich Thomas und Nane noch einen kleinen Raki als Absacker. Dirk ist der Schlafmangel der letzten Nacht anzumerken, er verschwindet sofort im Bett. Wir haben vollstes Vertrauen in die Murings und Leinen von Sailors Paradise. Und so schlafen wir trotz heulendem Wind, klatschenden Wellen und knarrenden Leinen tief und fest.

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