Freitag, 11.09.2026 | Stuttgart – Istanbul – Dalaman – Marmaris

Es gibt Wecker, und es gibt Feinde. Unserer gehörte heute Morgen eindeutig zur zweiten Kategorie und riss uns um 3:30 Uhr aus dem Tiefschlaf. Der erste Tag des Spätsommer-Törns beginnt traditionell mit einem Zustand zwischen Schlaftrunkenheit und purer Vorfreude. Der Ablauf ist fast schon ein Ritual: aufstehen, duschen, das letzte und wichtigste Stück Parmesan sicher im Gepäck verstauen und die Seesäcke schließen. Pünktlich um 4:30 Uhr steht unser Freund ZR vor der Tür – die Reise beginnt. Fast. Denn kaum sind wir losgefahren, überkommt Dirk eine panische Eingebung: Hat er die Haustür wirklich abgeschlossen? Eine kurze Ehrenrunde später ist klar: Ja, hat er. Langsam aber sicher scheint er Nanes kleine Marotten zu adaptieren.

Am Flughafen werden Nanes goldene „Zwei-Stunden-vorher-da-sein“-Regel von den Herren noch milde belächelt. Eine Regel, die sich heute, mal wieder, als absolut goldrichtig erweisen sollte. Während der Check-in am Schalter von Turkish Airlines noch reibungslos verläuft und wir dank Nanes freundlicher Bitte Plätze in Reihe 5 ergattern, erwartet uns dahinter das pure Chaos. Terminal 1 ist dicht, und vor den Sicherheitskontrollen in Terminal 2 und 3 staut es sich in endlosen Schlangen. Über eine Stunde brauchen wir! Um uns herum werden Passagiere panisch, das Boarding für ihre Flüge läuft bereits, und die Stimmung wird zusehends aggressiver. Das Personal? Zeigt sich beeindruckend unbeeindruckt. Also das volle Programm: Alles raus aus dem Handgepäck, jeder Akku, jede Flüssigkeit. Hach, moderne Technik wäre was Feines. Nach einer weiteren Schlange an der Passkontrolle erreichen wir endlich unser Gate und heben wider Erwarten sogar pünktlich ab. Der Flug nach Istanbul ist die Ruhe nach dem Sturm: Nane versinkt im Bordkino bei „Shelter“, während Dirk den Schlaf der Gerechten schläft, nur kurz vom Frühstück unterbrochen.

In Istanbul, diesem Flughafen der Superlative, landen wir zwar 15 Minuten zu früh, kurven dann aber gefühlt eine halbe Ewigkeit über das Rollfeld. Die Zeit wird wieder knapp! Dirk schaltet in den Rennmodus, und wir hechten Richtung Inlandsflüge. Zum Glück hat sich die lange Fahrt gelohnt, der Weg ist kürzer als sonst. Passkontrolle, noch eine Sicherheitskontrolle, und schon sitzen wir am Gate für den Flug nach Dalaman. Der hat natürlich Verspätung. Dirk hat die Schuldigen schnell ausgemacht: die „Handgepäck-Terroristen“. Jene Zeitgenossen, die mit Koffern in Übergröße versuchen, die Physik der Gepäckfächer neu zu definieren. Das Personal stopft und drückt, was das Zeug hält, während der Rest der Passagiere nur noch genervt mit den Augen rollt.

Endlich in Dalaman! Während Dirk am Gepäckband auf unsere Seesäcke wartet, macht Nane einen strategischen Abstecher in den Duty Free. Eine Flasche Grant’s Whiskey für unseren Freund Mehmet, ein Raki und ein Martini für uns. Und dann ist da noch die Sache mit dem Parmesan. Seit gefühlt 20 Jahren unser treuer Begleiter. Kurz vor Abflug hatte Nane mit Entsetzen in den Einfuhrbestimmungen gelesen: Käse ist verboten! Ein blödes Gefühl bleibt, denn im Juni wurde hier noch jedes Gepäckstück vom Zoll durchleuchtet. Mit der seligen Unwissenheit der Vorjahre hat es sich deutlich besser angefühlt. Doch das Glück ist heute mit den Wagemutigen: keine Kontrolle! Wir schlendern unschuldig pfeifend am Zoll vorbei. Geschafft!

Das VIP-Shuttle von DM Transfer wartet schon mit kühlem Wasser auf uns, und nach weiteren 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir endlich die Adaköy Marina. An der Schranke dann die nächste Neuerung: Ausweiskontrolle. Dirk ist mäßig begeistert, aber Vorschrift ist Vorschrift.

Endlich an Bord der Pura Vida! Dort werden wir von Walter und Regina empfangen, während gerade die Genua, deren UV-Schutz gerissen ist, abtransportiert wird. Bei einem eiskalten Bier (für Dirk eine Fanta) im Cockpit tauschen wir uns aus. Sie erzählen von ihrem Törn zwischen der Türkei und Griechenland, Mehmet bessert ein paar Holzleisten aus, und wir fühlen uns sofort wieder zu Hause. Das Angebot, eine freie Kabine auf der Pura Vida zu nutzen, nehmen wir dankend an, entscheiden uns für die erste Nacht aber für die beste Suite überhaupt: das Cockpit. Frische Luft und ein leichter Wind – mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.

Ein kurzer Abstecher zur „Il Sogno“, dem Schiff unseres Freundes Hansi, sorgt für leichte Irritation. Der Zustand ist, sagen wir, suboptimal. Wir schießen ein paar Beweisfotos, damit er vielleicht noch einen Putztrupp organisieren kann.

Zurück auf der Pura Vida gibt es türkischen Kaffee und Kekse, bevor wir gemeinsam mit dem Taxi nach Marmaris zum Abendessen aufbrechen. Walter und Regina führen uns in ein kleines, authentisches Restaurant in der dritten Reihe – ein echter Geheimtipp. Bei Grillplatte, Leber und Burger besprechen wir die anstehenden Investitionen für unsere Pura Vida. Zurück in der Marina gönnen wir uns einen letzten Absacker, doch gegen Mitternacht macht sich die Müdigkeit des langen Tages bei allen breit. Zeit, in unsere Open-Air-Suite umzuziehen. Die Reise hat begonnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert