Nane ist früh wach. Sehr früh. Der Grund ist eine einzelne Mücke, die beschlossen hat, heute Nanes persönlicher Endgegner zu sein. Immer, wenn der Schlaf zum Greifen nah ist, startet sie einen sirrenden Tiefflugangriff auf Nanes Ohr. Wer wach ist, kann auch nützlich sein, also wird Wasser aufgesetzt und Kaffee gekocht. So kommt ZR heute mal wieder in den Genuss eines servierten Kaffees. Zum Frühstück gibt es Spiegelei und aufgebackenes Brot. Ein Blick in die Vorräte zeigt: Wir müssen bisschen was einkaufen.
Die erste Mission des Tages: Gas! Nane fährt mit Dogan zu einem kleinen Market und tauscht die leere Flasche gegen eine volle – passt. Direkt daneben hat eine Bäckerei auf, also landen kurzerhand noch Apfeltaschen und Simit in der Tasche. Die Jungs werden sich freuen. Nach einem Einkauf im A101 und Migros sind wir für den Rest des Törns gerüstet.
Orhaniye ist ein super Ort für einen Crew-Wechsel und bei viel Wind ein sicherer Hafen, aber bei Flaute und Sonne wird es schnell warm und zur Mücken-Falle. Wir verabschieden uns von Dogan und legen ab. Der Plan: zurück in eine Bucht, Ruhe, selber kochen. Der Wind hat heute allerdings komplett gekündigt. So gar kein Wind. Also steuert Dirk erstmal Nanes alte Lieblingsbucht an: Karasüleyman Bükü, für einen kurzen Bade-Stopp.
Kaum sind wir erfrischt, kommt ein Hauch von Wind auf. Da wir uns morgen mit der “Il Sogno” in Serce Limani treffen wollen, nutzen wir jede Chance. Anker auf und ab in den Hisarönü-Golf. Wir kreuzen auf und befinden uns offiziell im “Slow-Motion-Modus”. Nane rechnet laut nach: Mit 2,5 Knoten Fahrt ist die Pura Vida kaum schneller als ein Fußgänger. Wir spazieren also förmlich durch den Golf.
Als wir endlich in Kuruca Bükü ankommen, liegen schon einige Boote hier. Nachdem das erste Ankermanöver an Nanes fehlender Rückmeldung, wie es mit dem Anker aussieht scheitert und der Anker slippt, tauschen Nane und Dirk die Plätze. Nochmal und dann mit 2000 Umdrehungen rückwärts eingegraben, sitzt das Ding. Schön, wieder hier zu sein.
Nach einem Anleger-Shandy geht’s ins Wasser. Unweit von uns versucht das Skipper-Pärchen der “Fuchur”, zu zweit auf einem Stand-Up-Paddleboard zu balancieren – ein Manöver, das eher an eine Zirkusnummer als an Wassersport erinnert. Sie nehmen es mit Humor, fallen ins Wasser und wir kommen ins Quatschen. Die beiden sind schon in Rente und können monatelang hier segeln. Eine wunderschöne Vorstellung.
Zum Abendessen gibt es Bruschetta und Pasta à Limon (nach Andreas Rezept). Köstlich. Wir genießen den Sonnenuntergang und gehen noch eine letzte Runde schwimmen. ZR meint geheimnisvoll, er müsse Nane noch etwas erzählen, aber erst, wenn sie wieder aus dem Wasser ist – okay. Da er nicht rausrücken will, was los ist, siegt Nanes Neugier und sie klettert zurück an Bord. Die große Enthüllung: Er hat einen Spiegel-Artikel gelesen, dass im Mittelmeer (zwar in Spanien) ein Weißer Hai gesichtet wurde.
Nane googelt sofort. Paniklevel steigt. Es soll 250 Exemplare geben. Aber: noch nie einen Angriff auf einen Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist höher. Trotzdem: Wir sind die Generation, die “Der Weiße Hai” als einen der ersten 3D-Filme im Kino gesehen hat. Diese Ur-Angst sitzt tief.
Nachdem wir nun alles über den Weißen Hai im Mittelmeer wissen, was Google hergibt, und uns gegenseitig versichern, wie unwahrscheinlich alles ist, verschwinden wir irgendwann – vielleicht doch etwas schneller als sonst – in den Kojen.

