Donnerstag, 04.06.2026 | Kocabahce Koyu – In Bükü | 7,84 nm

Dass wir heute Morgen alle etwas langsamer in den Tag starten, schieben wir jetzt einfach mal auf den Raki, den Nane gestern Abend vielleicht eine Spur zu großzügig eingeschenkt hat. Der erste Kaffee an Deck heilt jedoch alle Wunden. Die englische Lady vom Nachbarboot ruft uns mit einem Lächeln zu: „Perfect place to wake up!“ – und sie hat so verdammt recht.

Nane bereitet heute ein Früh-Frühstück vor, denn sie hat eine Verabredung: Shopping-Tour mit Serkan nach Bozburun. Die Jungs bekommen die allerletzten beiden Spiegeleier. Es wird Zeit für Nachschub. Pünktlich um 9:45 Uhr winkt Serkan und Nane eilt zum Fischerboot. Dirk ruft ihm noch hinterher, dass er Nane gern gegen mindestens zwei Ziegen eintauschen würde, falls sich die Gelegenheit ergibt. Haha.

Die Fahrt mit dem Pick-up nach Bozburun ist ein kleines Abenteuer für sich. Im kleinen Supermarkt am Hafen wird alles bestellt, was das Restaurant-Herz begehrt – der Ladenbesitzer ist ein Organisationsgenie. Während Nane Kirschen, Aprikosen und Eier einpackt, schweifen die Gedanken ab. Genau hier warteten wir letztes Jahr auf einen Bus, der uns eine neue Batterie brachte, inklusive eigenem Busticket. Das sind diese pragmatischen, türkischen Lösungen, bei denen man zu Hause manchmal neidisch werden könnte.

Der eigentliche Grund der Reise ist aber die Metzgerei. Nane will frisches Rinderhack für Köfte. Der Metzger dreht das beste Rindfleisch frisch durch den Wolf, Nane bekommt 1 kg für 1.000 Lira und packt es zum Kühlen mit einem Beutel Eiswürfel in die Kühltasche. Mission erfolgreich ausgeführt!

Zurück am Steg von Kocabahce ist Dirk nur mäßig enttäuscht, dass er statt zwei Ziegen doch nur Nane zurückbekommt. Wir laden die Schätze aus, während Dirk und ZR sich professionell der Reparatur des Cockpit-Tisches widmen – und zwar nicht nur mit UHU! Ordentliches Handwerk braucht eben seine Zeit.

Nach einem letzten Cay bei unseren Freunden von Sailors Paradise legen wir ab. Sechs Knoten achterlicher Wind schieben uns mit gemütlichen 2,5 Knoten Richtung In Bükü. Wir schleichen förmlich durchs Wasser und haben alle Zeit der Welt. In der Bucht liegen nur drei Boote, also freie Platzwahl. Anker auf 9 Meter, 35 Meter Kette, einmal kräftig rückwärts im Schlamm eingegraben – stehende Peilung, passt.

Die Bucht ist traumschön, sie erinnert an einen nordischen Fjord. Umgeben von Pinien und braunem Tuffstein, das Wasser eine Mischung aus Türkis und Grün, Vogelgezwitscher – Idylle pur. Und jetzt kommt’s: Das Wasser hat die magische Grenze von 25°C überschritten! Das Thermometer zeigt stolze 25,8°C. Jetzt können wir uns nicht mehr einreden, dass ein langes Bad im “kalten” Wasser extra Kalorien verbrennt. Schade auch.

ZR sichtet eine Schildkröte, Dirk füttert Fische mit altem Brot, wir futtern Kirschen und Aprikosen und stellen fest: Wir haben es verdammt gut.

Gegen 19 Uhr ist es vollbracht: Nane hat die Frikadellen (Köfte) gebraten, die Ofenkartoffeln sind perfekt und das selbstgemachte Tsatsiki steht auf dem frisch reparierten Tisch. Der Einkauf hat sich mehr als gelohnt! Als krönenden Abschluss kredenzt ZR jedem noch ein Snickers – nicht so gut wie die Baklava von Zerrin, aber auch lecker.

Die Nacht ist stockdunkel, der Mond lässt heute bis Mitternacht auf sich warten. So lange bleiben wir nicht auf. Wir genießen die Stille, die fast windstille Nacht, Nane checkt ein letztes Mal die Anker-App – alles im grünen Bereich. Wir können beruhigt schlafen gehen.

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