Die Nacht in der Bucht von Bozukkale war herrlich ruhig – von einer kurzen, lauten Unterbrechung abgesehen. Unsere russischen Nachbarn starteten mitten in der Nacht laut schreiend den Motor, um ihre Muring nachzuziehen. Komisch, wir fanden schon beim Anlegen, dass das Manöver nicht ganz passte. Da aber schon das “Danke” für die gereichte Muring am Vortag ausgeblieben war, beschränkte sich die Kommunikation auf null. Uns fällt in den letzten Jahren immer wieder auf, dass russische Crews auf Charter-Yachten oft darauf verzichten, ihre Nationalitätenflagge zu hissen. Das war früher üblich, um zu zeigen, welche Nationen auf dem Schiff unterwegs sind. Jetzt verzichten die meisten russischen Crews darauf, Warum wohl?
Abgesehen davon war es eine idyllische Nacht. Das Rufen der wilden Esel gehört einfach zu dieser Bucht und wiegt einen sanft in den Schlaf.
Zum Frühstück gibt es Spiegeleier und Toast für die Herren, während Nane sich den restlichen Obstsalat mit Joghurt schmecken lässt. Das Wasser leuchtet in den schönsten Türkistönen – hier nicht noch einmal schwimmen zu gehen, wäre Frevel. ZR war ohnehin schon direkt nach dem Aufstehen im Wasser. Nane überwindet sich nach dem Frühstück ebenfalls, was den Kreislauf zuverlässig in Schwung bringen wird.
Nachdem wir unsere Rechnung bezahlt und bei einem Cay noch kurz mit Murat gequatscht haben, heißt es: Leinen los! Tschüss Bozukkale, vielleicht bis zum Rückweg.
Auch heute ist Flaute angesagt. Alle Segler, die wir sehen, sind unter Motor unterwegs. Erst auf den letzten Meilen frischt es etwas auf und wir können gemütlich mit der Genua bei 4,5 Knoten unserem Ziel entgegen segeln. Als wir in Kuruca Bükü einlaufen, trauen wir unseren Augen kaum: In dem schönsten Teil der Bucht, mit klarem Wasser und perfektem Sandgrund, lag nur eine einzige Yacht. Eine zweite Yacht, die parallel zu uns einläuft, scheint ein kleines Rennen zu veranstalten, um noch vor uns den Anker zu werfen. Wir sahen das entspannt – bei so viel Platz!
Wir werfen unseren Anker auf 9 Meter Tiefe mit 40 Metern Kette. Ein kräftiger Schub rückwärts bei 2.000 Umdrehungen, eine stehende Peilung – perfekt. Zum Mittagssnack gibt es überbackene Toasts mit Salami und Käse (ZR natürlich ohne seine verhassten warmen Tomaten). Bevor wir jedoch in den kompletten “Lazy-Modus” verfallen, muss Dirk den Anker abtauchen. Ihm ist wichtig zu betonen, dass die Crew ihn zu dieser Kontrolle im 23°C “kalten” Wasser gezwungen hat. Aber uns ist es wichtig, sicherzugehen. Das Ergebnis: Der Anker ist fett eingegraben, der Skipper zufrieden – und wir somit auch.
Auf diese gute Nachricht stoßen wir mit einem Weißweinschorle an und beobachteten das Schauspiel der nachfolgenden Boote: Anker werfen, umlegen, neu versuchen. Kennen wir alles, aber heute, Gott sei Dank, nicht bei uns.
Zum Abendessen fiel ZRs Wahl zwischen Schinkennudeln und Limonen-Pasta wenig überraschend auf Ersteres. Während wir essen, ankert eine österreichische Männer-Crew in der Nähe und wirft auf 10 Meter Tiefe maximal 30 Meter Kette. Das würden wir nicht tun. Da sie ihr Manöver aber sofort mit einem lauten “Prost” und einem Efes feiern, verkneifen wir uns einen Hinweis. Nane hat da ihre ganz eigenen, negativen Erfahrungen gemacht. Ein gut gemeinter Hinweis vor über zehn Jahren wurde mit „Halt die Fresse, Frauen haben an Bord nichts zu sagen“ quittiert. Der Satz sitzt bis heute. Da kein Wind angesagt ist, nehmen wir dieses Ankermanöver also einfach zur Kenntnis.
Den Abwasch übernehmen Dirk und ZR, die wehmütig an Christopher denken – der einzige Mitsegler, der diese Pflicht mit Freude und Perfektion erfüllt. Liebe Grüße nach Hessen, wir freuen uns, wenn ihr mal wieder dabei seid (und das nicht nur wegen deiner Spülkünste 😊).
Da bis Freitag Flaute herrschen soll, planen wir die Woche um. Nane kontaktiert Tarek von Sailors Paradise, um zu fragen, ob sie bei ihrem nächsten Einkaufstrip von Kocabahce nach Bozburun mitfahren kann. Die Antwort kam prompt: Sie fahren jeden Tag. Perfekt! So kommt Nane zum Metzger, ohne dass wir im Hafen von Bozburun übernachten müssen, und die Jungs bekommen ihr Fleisch in der nächsten Bucht – nur Pasta wäre v.a. für ZR schwer auszuhalten. Da ZR ja ultra all inklusive gewohnt ist, müssen wir uns schon ins Zeug legen, um ihn zufrieden zu stellen.
Der Mondaufgang ist wieder wunderschön, aber fotografisch einfach nicht festzuhalten. Wir chillen an Deck, bis es uns zu frisch wird und wir uns in die Kojen verziehen.