Der letzte Morgen in Ciftlik fühlt sich immer ein bisschen falsch an. Hier abzulegen, bedeutet unweigerlich: Der Urlaub ist vorbei. Zumindest so gut wie. Normalerweise zögern wir diesen Moment so lange wie möglich hinaus, aber die Wettervorhersage – Regen am Nachmittag – und ein geplanter Tankstopp zwingen uns zur Eile. Gegen 11 Uhr müssen wir los. Vorher gibt es aber noch ein letztes Frühstück mit dem unglaublich leckeren Fladenbrot von hier und Rührei mit Schinken und Käse. Wir verabschieden uns von der ganzen Crew, bezahlen die Rechnung, und Thomas kauft bei Hassan noch ein Glas von seinem köstlichen Honig als Souvenir.
Wie erwartet, haben wir nach dem Gewitter von gestern keinen Wind auf dem Weg Richtung Marmaris. An der Tankstelle haben wir Glück, es ist alles frei. Nane hängt die Fender tief, um die Bordwand zu schützen, der Tankwart bekommt als Dankeschön traditionell eine Dose Bier, und schon legen wir wieder ab.
Kaum in der Bucht von Marmaris, frischt der Wind auf – endlich können wir nochmal die Segel setzen! Wir cruisen Richtung Kumlubük und ergattern den letzten freien Platz am Steg des Vita Beach Clubs – gut, dass wir reserviert haben. Und natürlich werden wir wieder von kräftigem Seitenwind empfangen. Wir lösen das Problem mit einem cleveren Manöver: Eine Spring wird von unserer Mittelklampe zur Mittelklampe des Nachbarbootes, der „Serce“, gelegt. Deren Skipper Oktay ist sofort zur Stelle und hilft. So schaffen wir es an den Steg, ohne dass uns der Bug weggedrückt wird. Nane macht die Muring, Dirk hilft beim Ziehen, wir bekommen eine zweite Muring dazu und liegen sicher. Ein großes Dankeschön an die ganze Crew für dieses tolle Team-Manöver!
Hansi begrüßt uns schon am Steg und lädt uns auf ein Efes auf die „Il Sogno“ ein. Gerne! Doch vorher ist nochmal Teamarbeit gefragt. Ein Katamaran mit einer österreichischen Crew im Durchschnittsalter 75+ (der Jüngste ist 70) will anlegen und hat sichtlich Mühe. Die komplette Jetty-Crew des Vita Beach mit Unterstützung von Dirk, Hansi, Heinz von der „Il Sogno“ – packen mit an, um den Kat sicher an den Steg zu bringen. Ein Dankeschön? Fehlanzeige. Aber was soll man sagen… vielleicht gibt es ja einen Zusammenhang zwischen der österreichischen Flagge und dem internationalen Signal für „manövrierbehindert“.
Nach dem Bier bei Hansi beobachten wir von unserem Cockpit aus das nächste Schauspiel. Die gut gelaunte Crew der „Serce“ spannt bei cooler Musik eine riesige Plane zwischen Sprayhood und Bimini, um ihr Cockpit für den angekündigten Regen wasserdicht zu machen. Währenddessen türmen sich am Himmel wieder bedrohliche Haufenwolken auf. Man hört schon den Donner, sieht Blitze über dem Meer. Bevor der Regen losbricht, startet Dirk noch schnell die Drohne für ein paar letzte Luftaufnahmen. Kaum ist sie wieder an Bord, fängt es an zu regnen, und Nane gelingt es noch, einen wunderschönen Regenbogen einzufangen.
Um 19 Uhr gehen wir zum Essen. Nane kann sich einen frechen Kommentar zu den Österreichern nicht verkneifen: „Gott sei Dank habt ihr den höchsten Mast am Steg. Wenn ein Blitz einschlägt, dann ja wohl bei euch!“ Wir genießen das Abendessen. Der Pizzaofen ist verlockend, und die Pizzen sind fantastisch. Nane und Dirk entscheiden sich für die Burger, die schon im Juni so lecker waren. Wir wärmen uns mit Çay auf, denn der Wind ist in den letzten Tagen merklich frischer geworden.
Der vorletzte Abend an Bord läutet traditionell die Phase des „Leertrinkens“ ein. Und so gönnt sich Nane einen letzten Raki und Thomas seinen Rum. Da es regnet, sitzen wir noch eine Weile gemütlich im Salon, quatschen und sagen dann für heute Gute Nacht.
