Die Nacht war unruhig. Die Leinen knarrten, und ein leichter, aber stetiger Schwell hielt das Boot in Bewegung. Obwohl wir das Bedürfnis nach mehr Schlaf hatten, wollte es nicht so recht klappen. Also: aufstehen, Kaffee kochen, Frühstück machen.
Die Crew der „Il Sogno“ ist hellauf begeistert vom Sailors House – das Essen lecker, die Portionen riesig und die Preise mehr als fair. Hansi will auf jeden Fall wiederkommen. Das freut uns riesig, denn wir mögen dieses Raubein aus dem Ruhrpott wirklich sehr.
Gegen 11:30 Uhr wollen wir los. Nane hofft auf Wind, aber wie das mit der Hoffnung so ist, wird sie heute nicht erfüllt. Wir trinken noch einen Çay, bezahlen unsere Rechnung, verabschieden uns von allen und legen ab. Hansi folgt uns kurz darauf, aber mit seinen 11 Knoten ist er sowieso in einer anderen Liga und schnell am Horizont verschwunden.
Wir motoren die ganze Strecke nach Ciftlik. Der Chartnavigator sagt eine Ankunftszeit von 15 Uhr voraus – perfekt. Als wir uns der Bucht nähern, bereiten wir alles vor: Fender raus, Achterleinen klarieren. Wir wollen anlegen, und was macht der Wind? Aus dem Nichts frischt er auf und bläst uns mit 16 Knoten von der Seite an. Ernsthaft? Wir motoren stundenlang bei Flaute, und genau im Moment des Anlegemanövers kommt dieser Wind? Geht’s noch? Hassan am Steg lacht nur und ruft: „Normal, Nane, normal! Hoş geldiniz!“ (Willkommen!)
Nachdem wir sicher fest sind, gönnen wir uns einen kleinen Anleger und springen ins Wasser – wir müssen diese letzten Tage noch auskosten. Kurz nach uns kommt die Yacht „Blue Monkey“ mit deutscher Flagge in die Bucht. Und natürlich legt sie bei absoluter Windstille an. Das ist ja mal wieder richtig gemein von Neptun! Vor allem, weil Thomas ihm doch von jedem Drink immer den ersten Schluck als Opfergabe überlässt. Scheinbar nicht genug heute.
Den Nachmittag verbringen wir im Cockpit und kommen mit unserem englischen Nachbarn ins Gespräch, der Bootsname „Bikini Man“ liefert Gesprächsstoff. Sie muss ihn einfach fragen, wie es zu diesem Namen kam. Er lacht. Anscheinend war da vor fast 30 Jahren bei der Namensgebung seines Bootes eine nicht unerhebliche Menge Alkohol im Spiel.
Wir unterhalten uns über das Revier und Lieblingsplätze, doch das Gespräch wendet sich schnell dem Himmel zu. Das Wetter ändert sich. Das Wolkenbild ist spektakulär, die Farben leuchten in Rosa- und Orangetönen, die wir so noch nie gesehen haben. Wir zücken die Kameras. Zum Glück zieht das Gewitter draußen auf See Richtung Marmaris vorbei, wir bekommen nur ein paar vereinzelte Regentropfen ab.
Zum Abendessen testet Thomas, ob der Adana Kebab wirklich so scharf ist, wie behauptet wird. (Spoiler: Er ist es.) Dirk entscheidet sich für einen Seabrass, und Nane möchte heute nur eine Auswahl an Vorspeisen, allen voran die mit Käse gefüllten Champignons.
Zurück an Bord hat es wieder leicht zu regnen begonnen. Wir ziehen uns für einen letzten Absacker in den Salon zurück und verschwinden dann müde und zufrieden in den Kojen.
