Nach der sehr kurzen Nacht schlafen wir heute ausnahmsweise mal etwas länger. Als Nane den Kaffee aufsetzt und alles für ein kräftiges Menemen vorbereitet, macht sich Dirk auf den Weg zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Unser Ehrengast Thomas hat die erste, wenn auch kurze, Nacht an Bord der Pura Vida gut überstanden und fühlt sich erstaunlich fit.
Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück an Deck mit allem, was dazugehört: Menemen, Schafskäse, Tomaten, Gurken, Joghurt, Honig und natürlich viel zu erzählen. Gegen Mittag wollen wir los, um eine unserer absoluten Lieblingsbuchten anzusteuern: Kuruca Bükü. Wir müssen das ruhigere Wetter der nächsten beiden Tage noch ausnutzen, bevor der Wind uns wieder an einen sicheren Steg oder eine Boje zwingt.
Nach einer herzlichen Verabschiedung von Dogan und einem letzten Dank für die Einladung zur Hochzeit machen wir uns klar zum Ablegen. Kurz vor uns legt eine kleine Yacht ab – ein Anblick, der uns den Atem anhalten lässt. Ein 82-jähriger Franzose als Skipper und seine Freundin, eine Portugiesin, die offensichtlich keine Ahnung vom Segeln hat. Das Manöver ist ein einziges Abenteuer. Er kommt quer auf uns zu, wir müssen mit Fendern verhindern, dass er mit unserem Anker kollidiert. Sie trägt eine Schwimmweste, und wir alle haben leise Zweifel, ob das gut geht, wenn die beiden da draußen auf sich allein gestellt sind. Aber das müssen sie selbst wissen.
Als der erste Wind aufkommt, legen auch wir ab. Direkt nach der Marina setzen wir das Großsegel, im Hisarönü-Golf kommt die Genua dazu. Anfangs haben wir guten Wind und kreuzen auf, doch dann schläft er ein. Mit nur noch 2,5 Knoten Fahrt ist vor allem eines gefragt: Geduld, die wichtigste Tugend des Seglers. Auf Höhe der Insel Dislice Adasi frischt der Wind wieder auf, und wir können herrlich aufkreuzen. Um 16 Uhr gleiten wir in die Bucht von Kuruca und der Anker fällt auf perfektem Sandgrund in 9 Metern Tiefe. Der Anker wird sorgfältig eingefahren – unser Segellehrer an Bord ist sichtlich zufrieden. Das Manöver wird mit einem wohlverdienten Anlegerschluck besiegelt.
Jetzt wird aber erst mal gebadet! Das Wasser ist herrlich. Und dann geschieht das Unglaubliche: Sogar unser Thomas wagt den Sprung ins kühle Nass! Seine Frau kommentiert das Beweisfoto später mit den Worten: „Es geschehen noch Wunder.“
Während wir uns erfrischen, beginnt Nane mit dem Abendessen. Heute auf dem Plan: Nudelsalat nach Lenkas Geheimrezept mit gebratener Putenbrust, die sie morgens noch im Migros besorgt und mariniert hat. Wir genießen das köstliche Essen an Deck, umgeben von der friedlichen Atmosphäre der Bucht. Die Jungs sind glücklich und zufrieden, und Nane ist es auch.
Ein perfekter erster Segeltag mit unserem alten Lehrmeister geht zu Ende. Genau so haben wir uns das vorgestellt.
