Nach den windigen ersten Tagen und der kleinen Flottillenfahrt mit der „Sun Lark“ war der Plan für heute klar: Urlaub im Urlaub. Wir liegen in der wunderschönen Bucht In Bükü, genau gegenüber von Orhaniye, wo wir erst am Samstag sein müssen. Die perfekte Gelegenheit, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Die Wettervorhersage meldet viel Regen, also nutzen wir die trockene Phase am Morgen für ein klassisches Buchtenfrühstück im Cockpit: Nane macht Pfannkuchen mit der köstlichen Pflaumenmarmelade ihres Kollegen. Ein Genuss! Pünktlich nach dem letzten Bissen fängt es an zu regnen – Timing ist alles.
Wir ziehen uns unter Deck zurück und nutzen die Zeit für eine kleine Putz-Offensive. Die Bäder, die Kabinen, der Salon – alles wird nochmal auf Hochglanz gebracht. Schließlich soll sich unser Ehrengast Thomas, wenn er in der Nacht auf Montag ankommt, auf einem blitzblanken Schiff sofort wohlfühlen.
Mitten im Schrubben wird die Idylle jäh unterbrochen. Völlig unvorhergesagt kommt ein heftiger Wind aus Südost auf. Unser Boot beginnt am Anker zu „wandern“ und bewegt sich ein gutes Stück Richtung Nordwesten. Genau in die Richtung, in die wir den Anker geworfen haben – hoffentlich reißt er nicht aus! Wie auf Kommando sind alle Skipper an Deck, die Blicke kritisch auf die eigene Ankerkette, die Nachbarn und den Himmel gerichtet. Draußen im Hisarönü-Golf stehen weiße Schaumkronen, der Himmel ist pechschwarz und es schüttet wie aus Kübeln. Ein Moment, in dem uns sofort unser Freund ZR in den Sinn kommt, der jetzt mit Sicherheit sagen würde: „Gehe segeln, haben sie gesagt, da ist schön Wetter haben sie gesagt, da hast du blauen Himmel haben sie gesagt, und jetzt das…..“ Nane starrt auf die Anker-App, aber wir pendeln uns ein und bleiben stabil. Gott sei Dank.
Nach drei Stunden ist der Spuk vorbei. Der Wind legt sich, der Regen hört auf. Wenn man bedenkt, dass für diese Woche ursprünglich mal ein Wirbelsturm vorhergesagt war, ist das Ganze nochmal glimpflich ausgegangen. Das heftige Gewitter ist Richtung Marmaris gezogen, nicht zu uns. Ein Blick in die sozialen Medien zeigt, was für ein Glück wir hatten: In Fethiye stehen nach sintflutartigen Regenfällen die Straßen unter Wasser. Die Videos sind übel.
Nach dem Adrenalin-Schub der letzten Stunden erholen wir uns an Deck. Auf Dirks Frage, was es zum Abendessen geben soll, schlägt Nane Schinkennudeln vor. Doch irgendwie hat Dirk heute eine andere Mission. Ihn packt die unbändige Lust auf Süßes. Kurzerhand verwandelt er die restlichen Pfannkuchen vom Morgen in einen opulenten „Nutella-Bananen-Traum“. Danach sind wir pappsatt. Das Thema Abendessen hat sich erledigt.
Doch das viele Süß rächt sich. Zwei Stunden später windet sich der Skipper mit heftigen Magenschmerzen im Cockpit. Er lehnt alles ab, was Nane ihm zur Linderung anbietet – Tee, Schnaps, gute Worte – und leidet still und sichtlich vor sich hin. In solchen Momenten stellt sich die Frage, für wen es eigentlich schlimmer ist: für den, der die Schmerzen hat, oder für den, der helfen will, aber hilflos danebensteht. Nane würde am liebsten tauschen, aber das geht nicht.
Irgendwann schläft Dirk erschöpft im Cockpit ein. Nane deckt ihn sorgfältig zu und leistet ihm Gesellschaft. Man weiß ja nie. Sollte es schlimmer werden, müsste sie aus dem nahen Orhaniye Hilfe organisieren. Aber Dirk schläft tief und fest. Und wie hat Nanes Mama schon immer gesagt? „Schlafen heilt.“ Also lässt sie ihn schlafen, hört leise Musik und schaut in den unendlichen Sternenhimmel, bis auch ihr irgendwann die Augen zufallen.