Dienstag, 31.08.2021 | Ekincik Koyu

Wir genießen das süße Nichtstun. Nach der Anstrengung von gestern, schlafen wir aus und gönnen uns erst mal einen Kaffee an Deck. Dirk ist begeistert von den Solarpanels, für die Kühlschränke vor Anker reicht die Leistung aus, das passt zu unseren Plänen.

Wir schwimmen, lesen, hören Musik und wenn wir fertig sind, fangen wir vorne wieder an – herrlich. Unser Anker ist nach wie vor fest im Sand eingegraben und die Schiffsbewegungen in der Nacht werden durch Nanes  AnkerApp überwacht und aufgezeichnet – alles im grünen Bereich.  Als erfrischenden Snack zwischendurch gönnen wir uns einen Obstsalat mit Joghurt und Honig, genießen das leichte Schaukeln der Andiamo und hören Musik. Wir tauschen uns zwischendurch mit der Crew der Loreley aus und beobachten Ankersalat an der Mole. Am Strand ist sehr wenig los, die Gäste sind in diesem Sommer ausgeblieben, die Waldbrände haben zu vielen Stornierungen geführt. Hier in der Bucht sind die Hänge Gott sei Dank noch grün und die Pinien nicht betroffen, wir drücken die Daumen, dass das so bleibt.

Zum Abendessen entscheiden wir uns für Pasta mit Tomaten-Schafskäse-Soße à la Jürgen. Dirk findet, dass Nane sehr nah an die Vorlage vom Eigner der Sundowner herangekommen ist, sprich es ist lecker. Am Abend wechseln wir von Musik zu einem Thriller als Hörbuch und lauschen gespannt, während wir den Sternenhimmel genießen.  Ein entspannter Tag geht zu Ende – herrlich.

Montag, 20.08.2021 | Sarsala – Asi Koyu – Ekincik | 35,93 nm

So einen Montagmorgen könnte es öfter geben, strahlender Sonnenschein, ein Kaffee an Deck und gleich nach dem Frühstück eine Runde schwimmen. Wir schnacken noch mit Sven und seiner Freundin im Wasser und tauschen uns über Neuigkeiten hier im Revier aus. So gegen 11.30 Uhr wollen wir ablegen und fahren gemütlich unter Motor zwischen der Insel Domuz Adasi und dem Festland in den Golf von Fethiye. Es sind 15 Knoten Wind angesagt und Nane plant Asi Koyu als Zwischenstopp Richtung Ekincik einzulegen – 20 Seemeilen. Wir lassen es gemütlich angehen, setzen erst mal nur unsere große Genua und kreuzen aus der Bucht von Fethiye, haben 6 Knoten Fahrt und sind ganz happy. Der Chartnavigator schreibt nicht mit und wir scannen die Ports neu, dass die GPS-Maus wieder erkant wird – jetzt passt es. Zwischen der kleinen Insel Peksimet Adasi und dem Festland haben wir zunehmend mit hohen Wellen zu kämpfen, die es schwer machen den Kurs konstant zu halten. Wir beschließen auch das Groß zu setzen und segeln hart am Wind Richtung Asi Koyu. Nane schafft es die mittlerweile 25 Knoten scheinbaren Wind zu nutzen, um die Einfahrt von Disibilmez Koyu ohne weitere Wende zu erreichen. Um 16.30 Uhr kommen wir in die Bucht, in der hinten Asi Koyu liegt. Wir holen bei Wellen von 3 Metern die Segel ein – ein anstrengendes Unterfangen zu zweit.  Die Bedingungen in der Bucht sind leider nicht so geschützt, dass wir in Asi Koyu am Schwimmsteg anlegen können. Es liegt auch kein anderes Boot hier, so dass wir beschließen, noch 10 Seemeilen zu machen und in die Bucht von Ekincik zu fahren. Unter Motor kommen wir gegen die Welle trotz hoher Drehzahl kaum um das Kap von Disidilmez Borun – wir bewegen uns in Zeitlupe mit 2,5 Knoten über Grund. Um das Kap herum kommen die Wellen seitlich, was sehr unangenehm ist, dafür haben wir wieder 5-6 Knoten Fahrt. ETA 19.30 Uhr. Erst auf der Höhe des Daylan Gebiets nehmen die Wellen ab und der Wind wird erst in der Bucht von Ekincik weniger. Es ist kurz nach 19 Uhr als wir den Anker auf 20 Meter Tiefe vor dem Strand schmeißen, 70 Meter Kette geben, den Anker mit 2200 Umdrehungen im Rückwärtsgang einfahren und endlich so etwas wie Erleichterung spüren, einen sicheren Platz für die Nacht zu haben.  Als wir unseren Kurs anschauen, sehen wir, dass wir heute ein W ins Meer geschrieben haben. Ein Dankeschön an Wolfi, der uns zum Flughafen gefahren hat?

Nane aktiviert die Ankerüberwachung in ihrer App und macht erst mal einen Coban Salat ohne Brot, denn wir hatten die Ankernacht ja nicht geplant – auch nicht schlimm, Hauptsache angekommen. Wir chillen bei Klaviermusik im Cockpit und genießen den Sternenhimmel. Es bleibt ruhig, ein leichter Schwell lässt das Boot, wenn es parallel zum Strand steht schaukeln, aber das wiegt uns nach dem heutigen Tag besser in den Schlaf. Dirk schreibt Claudi von der Loreley, dass wir ihr Erlebnis vom Vortag heute genauso auch hatten, sie schreibt zurück, dass sie immer noch in der My Marina sind und heute lieber einen Ausflug nach Daylan zu den Schildkröten gemacht haben, als noch mal gegenan zu kämpfen.

Gegen 23 Uhr verkrümeln wir uns in die Koje, dass wir heute gut schlafen ist sicher gestellt, denn es war doch anstrengend. Nane hat rote Handflächen vom Steuern – aber auch solche Tage sind mal drin.

Sonntag, 29.08.2021 | Fethiye – Sarsala | 16,35 nm

Nane ist relativ früh wach und kümmert sich erst mal um die Bordkasse und Obstsalat mit Joghurt. Wir wollen nach dem  Frühstück noch kurz in die Apotheke, denn Nane vermutet, dass sie eine Bindehautentzündung hat oder ein Grieskorn bekommt. Das linke Auge schmerzt ein wenig. Aber wir müssen lernen, dass die Apotheken sonntags auch in der Türkei geschlossen sind. Also machen wir die Andiamo klar zum Auslaufen. Dirk traut der Tankanzeige nicht ganz, aber Mustafa versichert, dass das Boot vollgetankt ist. Wir vertrauen darauf und wollen deswegen nicht noch mal zur Tankstelle fahren. 9.20 Uhr sagen wir Goodbye und legen ab. Für heute sind 11-12 Knoten Wind aus West und Südwest angesagt – schauen wir mal. Nach 15 Minuten setzen wir das Groß und die Genua, wir bekommen so zumindest 4,5 Knoten Fahrt, wir haben es ja nicht eilig und Inci von EGG-Yachting, mit der wir heute in Sarsala verabredet sind, hat schon für uns reserviert. Der Wind nimmt zu und so haben wir scheinbar 19 Knoten und erreichen teilweise 8 Knoten SOG – nicht schlecht für den ersten Tag. In der Abdeckung von der Insel Tersane verlieren wir an Fahrt, aber im Golf von Göcek haben wir wider Erwarten den gleichen Wind wie vorher. Die Andiamo ist luvgierig und wir kommen an Zeytinli Adasi vorbei, ohne eine Wende fahren zu müssen – prima. Im Göcek Golf müssen wir 3 mal wenden und segeln ein M ins Meer – in Gedenken am Micha, der mal wieder auf Tauchstation ist. Es ist richtig viel los hier, Yachten wohin man schaut, am Ufer sind alle Ankerplätze belegt – Highseason mit vielen türkischen Eignern. Der Wind ist hier recht böig und Nane hat am Ruder ganz schön zu kämpfen. Dirk macht ihr das Groß ein wenig auf, um die Schräglage zu reduzieren und so kommen wir auf direktem Kurs in die Sarsala Bucht. Wir gehen in den Wind, um die Segel zu bergen, mit Autopilot und Gang im Wind, bekommen wir das zu zweit recht gut hin. Besser geht zwar immer, aber auch wir neben den Bonus des ersten Tages für uns in Anspruch. Fender raus, Achterleinen klar, so nehmen wir um 13 Uhr Kurs auf den Jetty. Der Steg ist leer, aber wir werden abgewiesen, alles reserviert. Wir rufen, dass Inci für uns reserviert hat, das wird telefonisch noch mal überprüft und erst dann dürfen wir anlegen. Das Anlegemanöver klappt gut und ein kleiner Junge springt an Board um den Muring-Service zu machen – auch gut.

Wir gönnen uns ein schnelles Fanta und eine Cola Zero, denn zu allererst müssen wir in dieses türkisfarbene Wasser. Die Temperatur ist herrlich, nicht mal Dirk zögert, als er die Badeleiter am Steg ins Wasser steigt. Wir holen unsere Taucherbrillen, schauen uns die Andiamo von unten an und Dirk kratzt die Logge frei, die heute nur 0 angezeigt hat. Neben uns macht eine Lagoon 40 fest, die zwar etwas schräg reinkommt, aber dann nach etwas vor und zurück neben ins liegt. Eine deutsche Crew aus Erlangen. Nane macht Coban Salat und Dirk freut sich, dass die Tomaten nach Tomate schmecken und nicht wie zu Hause nach Wasser. Kaum sind wir fertig, kommt ein Carrefour-Boot an den Steg – ein schwimmender Supermarkt. Nane ist fasziniert und muss sich das anschauen. Sie kauft ein paar Tomaten und Äpfel und zwei Dondurma. Sogar die Carrfefour-Karte wird akzeptiert und die Preise sind 1:1 dieselben wie im Supermarkt an Land – faszinierend. Dirk macht sich nach seinem Dondurma auf Erkundungstour mit seiner Kamera und Nane gönnt sich eine Pause.

Wir gehen nochmal schwimmen, der Jetty wird langsam voll und auch die Sundowner von Jürgen kommt mit Sven und seiner Crew an den Steg. Mit seiner Crew machen wir gleich Bekanntschaft, mit einer “Arschbombe” vom Steg werden Handys und Kamera bei uns im Cockpit naß gespritzt – wir sind begeistert. Inci kann leider nicht kommen, wir verabreden uns deshalb auf den 16. September nochmal, schickt uns aber zwei neue Bay Express mit einer Yacht von EGG Yachting. Sven erklärt uns, dass die Restaurants hier unten teilweise für schlechte Qualität richtige Abzocke betreiben und rät uns bestimmte Restaurants nicht anzufahren, dafür sind wir dankbar. In dem Sommer ist hier unten noch ehr los als sonst, denn die Waldbrände haben viele Segler dazu veranlasst, in die Region von Göcek und Fethiye zu wechseln.

Wir gehen fürh zum Abendessen, denn wir wollen gern vor dem großen Ansturm gemütlich essen, eine gute Entscheidung. Wir wollen noch mal schwimmen, das Wasser ist herrlich warm, aber in der Dunkelheit schwimmen ist auch ein bisschen spooky. Im Anschluss gehen wir duschen und genießen danach den Sternenhimmel im Cockpit bei leiser Musik. Auf dem Kat neben uns ist ein kleines Mädchen, das wir nicht wecken wollen. Die Temperaturen sind hier wesentlich angenehmer als in Fethiye, es ist angenehm kühl, so dass wir sicher gut schlafen werden.