Aktueller Beitrag in der Yacht: Wie segelt es sich im Krisenrevier?

Urlaub im Krisenrevier?

Der Artikel fängt mit folgendem Satz an: “Der Grenzbereich der Ägäis zwischen türkischer Festlandküste und den Inseln des Dodekanes ist eigentlich eins der schönsten Reviere des Mittelmeeres.” – Das können wir genau so unterschreiben und wollen diesem Revier und vor allem den vielen liebenswerten, gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen nicht den Rücken kehren.

2016 waren wir für 2 Wochen an Pfingsten und für 3 Wochen im Sommer zwischen Fethiye, Marmaris und Bodrum unterwegs und auch 2017 werden wir an Pfingsten wieder kommen und ab Marmaris für 2 Wochen segeln. Die Frage, ob sich der Rückgang der Yachten in den Marinas und Buchten bemerkbar macht, ist schnell beantwortet: JA!

Die Charterbasen werden aufgegeben, große Charterunternehmen verlassen die Türkei und verlegen ihre Boote in andere Reviere im Mittelmeer. Die mangelnde Charter-Nachfrage nötigt Eigner und Charterunternehmen, das Revier zu verlassen, denn die meisten Yachten sind finanziert und müssen Geld erwirtschaften, wenn sie das nicht tun, rechnet sich das Geschäftsmodell nicht mehr. Das ist dramatisch für die Menschen, die hier im Bereich Technik und Service ihre Jobs hatten, die sind nun weg und neue Jobs sind in der Region und in dem Bereich nicht zu finden. Die fehlenden Chartergäste machen sich bei Törnstart schon in den Marinas bemerkbar, die Pontons sind leer, die Yachten verlegt, die Duschen frei, die wenigen Crews, die dem Revier die Treue halten, sitzen in teilweise leeren Restaurants, in denen sonst nur mit Reservierung ein Platz zu bekommen war. Das fühlt sich auch für uns als existentielle Bedrohung für die Betreiber an. In den Buchten sind die Stege der kleinen Restaurants nicht mehr voll belegt, wenn 3-4 Schiffe da sind, wo in der letzten Saison noch 20 Yachten lagen, ist es ein guter Tag. Die meist von Familien betriebenen Buchtenrestaurants müssen so viel erwirtschaften, dass die Familie im Winter von den Einnahmen der Saison leben kann, das wird so nicht mehr funktionieren, auch hier geht es an die Existenz. Das tut weh, wenn man wie wir seit Jahren mit vielen Buchtenwirten befreundet ist und deren Sorgen spürt, wie es weiter gehen soll. Um so herzlicher wird man begrüßt, bekocht und bewirtet – “danke, dass Ihr uns nicht im Stich lasst”.

Seit 10 Jahren, sind wir mit einigen Ausnahmen fast jedes Jahr in dieses Revier gekommen. Wir haben uns hier immer wohl gefühlt, wir haben uns sicher gefühlt und wurden immer herzlich willkommen geheißen. Die Menschen, die uns dieses gute Gefühl gegeben haben, sind immer noch da, sie sind die selben geblieben und sehen viele Dinge genauso kritisch wie wir, warum sollten wir uns deshalb abwenden? Trotz nachvollziehbarer Kritik und verständlicher Vorurteile in Bezug auf unsere Törnpläne, wenn wir hier in diesem traumhaften Revier segeln, unterstützen wir Menschen und keine Politik – darum werden wir wieder kommen.

Link zum Beitrag in der Yacht: http://www.yacht.de/magazin/heft_info/wie-segelt-es-sich-im-krisenrevier/a111773.html